GEBA-online

Gesellschaft der Bassisten in Deutschland

www.GEBA-online.de

Gesellschaft der Bassisten in Deutschland



• • • Forum

QSC 12.2 <

Meine "Billig-Kontrabass" Erfahrungen

> blackwood Griffbrett

Auf diese Beiträge antworten | Zurück zur Liste | Zum neuesten Beitrag springen

Zugeordnete Kategorien: Klassik - Bassbau

KaschiSoeth Profilseite von KaschiSoeth, 07.03.2020, 19:12:29
Meine "Billig-Kontrabass" Erfahrungen

Hallo ihr Lieben,


Ende 2016 hatte ich mir einen "Billig-Bass" von Strunal Schönbach zugelegt, "Josef-Jan Dvorak", 3/4, 5-Saiter, vertrieben von Thomann für nur noch 2000 €. Zu diesem Kontrabass haben mich im letzten Jahr ein paar Fragen erreicht, und ich denke, man darf die Fakten ruhig auf den Tisch legen.
Vorweg, Neupreis 2000 €  -  dafür bekommt man in der Regel nichts Halbes und nichts Ganzes, aber etwas Brauchbares. Für den Preis stimmt zumindest die Optik, im Bild ist ein Rubner, ein Fischer, und der Thomann dazwischen fällt überhaupt gar nicht auf:

Kontrabass-_Rubner-Strunz-Fischer-Stube.JPG

Nach wenigen Nacharbeiten ist die Bespielbarkeit zwar fantastisch, aber, im Vergleich zu höherwertigen Bässen gibt es wesentliche Unterschiede im Klang, in der Lautstärke, und in der Verarbeitung. Sehenswert auch die  "Bearbeitung" des Thomann-Meisters (es sollen 4 Geigenbauer vor Ort sein), der letztendlich den Instrumenten-Rohling für den Kunden spielfertig herrichten soll.  Dabei wird schnell klar, dass die Werkstatt für den geringen Preis den Bass natürlich nicht tagelang bearbeiten kann - dabei bleibt die Qualität auf der Strecke.

Ein paar Einzelheiten:

Die unförmigen Stegfüsse waren so mieserabel an die Decke angepasst, dass sie bleibende Eindrücke im Lack hinterließen:

Dvorak-2017-02-Fuss.JPG Dvorak-2017-03-Fuss-Abdruck.JPG

Ne? Iss klar, wat dat für ne Arbeit iss dat so wieder herzurichten, dat man zukünftig weitere Stege anpassen kann...

Der Stimmstock war ... auch keine Meisterleistung, der stand direkt unter dem Stegfuss (hä?) und war zu lang:

Dvorak-2017-07-Stimmstock.JPG  Dvorak-2017-08-Stimmstock.JPG

 

Obwohl ich den Bass für Klassik bestellt hatte, waren Radius von Griffbrett und Steg (Bogenfreiheit) so flach, dass es auch mit viel Geschick beim Streichen  praktisch nicht möglich war   weniger als 2 Saiten gleichzeitig zu erwischen:

Dvorak-2017-04-Fingerboard2017-01.JPG

 

Glücklicheweise konnte das Blackwood-Griffbrett problemlos bearbeitet werden, eine moderne Hohlkehle ermöglichen bei diesem Bass mit Belcanto-Saiten einen Abstand am Ende des Bretts von 5mm für die G-Saite,  maximal 9mm zur dicken H-Saite, das schont Finger und Gelenke, und es schnarrt noch nicht bei Forte, weil - FF gibt der Bass sowieso nicht her, später mehr:

Dvorak-2017-06-Fingerboard2020-03c.JPG

 

Die Stachelbirne war schräg eingesetzt und klapperte, leider damals kein Foto gemacht

Sattelkerben waren viel zu hoch, Nadelfeile und Visitenkarte haben geholfen.

 

Unterm Strich zum Kaufpreis noch geschätzte  500,- Geigenbau dazu, und damit zum Schluss:  der Bass ist im Vergleich zu teureren 3/4-Bässen deutlich leiser. Ich probiere das immer wieder aus, wenn wir im Orchester 4-7 Bässe sind, und jemand während der Probe im Publikum sitzt der sachlich urteilen kann, dann spielen wir nacheinander die gleichen 4 Takte, und direkt nach dem Strunal heisst es  "...jo, hast schon Du gespielt? Da kommt ja gar nix raus."

Als einzelner Bass im Kammerorchester geht es ganz gut, zum Üben wegen der guten Bespielbarkeit ganz nett, und der Ton ist zwar nicht so gewaltig und voll wie bei einem hochwertigen Bass oder gar einem 4/4, aber dafür sehr angenehm und warm.

Und er passt viel leichter ins Auto als ein  4/4, links der Thomann/Strunal/Dvorak,  rechts etwas anderes :-)

 

Kontrabass-Rubner1950-2019-10-DSC_6109.JPG

 

Hat man hier nur ne halbe Stunde füt einen Beitrag?  Boa ich bin langsam...

Weitere Fragen, Details oder Fotos, gerne per eMail an mich.

Gruß,

Karsten

 

Als Schmankerl vielleicht ein Youtube-Video, (Vorsicht, Klassik, Bach), der Spieler rechts im Bild spielt genau diesen beschrieben Bass, die lockere Spielweise begründet durch die gute Ansprache, der Ton nur zu hören wenn man Bass-Boxen am Rechner hat :-)  (2 der Cellistinnen sind übrigens über 80 Jahre alt - Daumen hoch!)

Basspischler Profilseite von Basspischler, 08.03.2020, 23:44:46

Toller Bericht! Vielen Dank! Und schön bebildert!

Neuester Beitrag ESchu Profilseite von ESchu, 09.03.2020, 10:37:43

Das ist so interessant und der Bericht so sorgfältig gemacht ! Herzlichen Dank!

QSC 12.2 <Zurück zur Liste> blackwood Griffbrett

Nur angemeldete Benutzer dürfen Beiträge schreiben. Bitte hier einloggen: LogIn



Zuletzt aktualisiert von Besucher am 26.11.2020, 22:49:55.