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Der akustische sound: Eine Heilige Kuh?

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Zugeordnete Kategorien: Verstärker&Bassboxen

dave Profilseite von , 09.01.2003, 00:22:43
Der akustische sound: Eine Heilige Kuh?
Darf ich mal provozieren?

Ein beliebtes Thema ist der möglichst "akustische" Klang des verstärkten geschlagenen Basses.
Meine Ansicht ist, dass die akustische Klangschönheit eines pizz. Basses von 3 Voraussetzungen abhängt:
1) Der Bass ist gross (4/4) und jahrelang eingespielt, auch arco
2) Der Bass liegt in einer Qualitäts- und Preisklasse weit über den hier verhandelten GeBa-online Bässen
3) Das pizz. erfolgt piano, höchstens mf, nach den Regeln des "klassischen Zupfens".

Dies (zumindest) ergibt den unnachahmlichen weichen akustischen Bassklang grosser Orchester, mit bis zu 10 Bässen unisono, der durch Mark und Pfennig geht.

Ich wage zu behaupten, dass nicht 5 % der gemeinhin von Amateuren, z.B. im Jazz, benützten Bässe diesen Voraussetzungen genügen.

Also der einsame 3/4 Gesperrte, mit der Rechten ff an den Saiten gezerrte: Der soll dieses "akustische" Idealbild bringen? Und wenn ers nicht tut, muss ein Preamp her, oder der 6te pick up wird ausgewechselt, und ein neuer amp wird gekauft sponsored by Oma.

Ist das nicht alles Illusion? Selbstbetrug? Warum soll man nicht hören, dass das Ding verstärkt ist?? Hat denn der verstärkte Bass nicht seine ganz eigene Schönheit, die singenden Höhen, die kräftigen Baritontöne in der Mitte, die knurrenden knorzigen Tiefen, das arcoartige sustain, aber auch die von den Mitmusikern wohltuend empfundene Anschlagspräzision (nach der sie sich richten können), die notfalls bis zum fff reichende Dynamik.

Das alles bringt doch unser "akustischer" überhaupt nicht. Warum das endlose Grapschen nach unerreichbaren Trauben?
Klar, in der Zeit, in der Du dem Traumbild nachjagst, brauchst Du nicht zu üben, z. B. eine gute Technik links, die mehr den Ton formt als alle Tonabnehmer.

Ich geh sogar noch weiter: Gerade das nichtakustische, nicht"authentische" Bass-Spiel hat diesem den ungeahnten technischen und musikalischen Erfolg der letzten Jahrzehnte beschert, und unser aller Hörgewohnheiten orientieren sich nicht mehr am Klang der Violone, sondern doch viel eher am E-Bass.

Manifest:
"So optisch schön der Kontrabass; so akustisch lebendig der Piezo".

Ich ducke mich ja schon: dave
Falk Huebner Profilseite von , 18.02.2003, 16:18:46
Hallo Dave!
Provokation gelingt wohl ein wenig. Versuchst Du, dass klassische Pizz. als Ideal-Klangbild eines jeden Kontrabasses darzustellen? Oder willst Du Amateure mit Jazzern gleichsetzen?
1. Akustische Klangschoenheit haengt ueberhaupt kein bischen davon ab, dass es sich um einen 4/4-Bass handelt, die meisten ganzen Baessen sind einfach nur laut.
2. Wieso soll ein Bass nur gut klingen, wenn er hoechstens mf und im klassischen Orchester gespielt wird?
3. Mir tun die Kontrabassisten leid, die ihr verstaerktes Klangideal am E-Bass orientieren.
4. Es handelt sich ueberhaupt nicht um unerreichbare Trauben, wie man hin und wieder sehr wohl bei Konzerten erleben kann, sondern oft nur um komplett von Unfaehigkeit zeugende Einstellungen am Verstaerker oder um schlichtweg unangemessene Pick-Ups und Verstaerker.

Letztendlich orientiert sich ein Klangbild doch wohl nicht an den technischen Moeglichkeiten, das ist meiner Meinung nach schlichtweg falsch herum gedacht. Bei mir (und den meisten mir bekannten Bassisten) funktioniert es eigentlich so, dass man probiert, eine wie auch immer geartete Klangvorstellung umzusetzen, und zwar mit dem dafuer noetigen Equipment. Und schliesslich beweisen auch genug Bassisten, dass ein Bass verstaerkt sehr gut klingen kann.
Christoph Profilseite von , 18.02.2003, 20:13:07
hi dave,
du brauchst dich nicht zu ducken, sooo arg ist deine Provokation doch gar nicht!!!!
Es geht, wie fast immer in der Musik, um Geschmack. Mit Weltanschauungen sollte man das nicht verwechseln, handelt es sich bei geschmacklichen Differenzen doch keineswegs um weltbewegende Tatbestände. Ich spiele gerne akustisch, habe nichts gegen Amateure, und mein Bass hat keine tausend Mark gekostet. Ich habe vor einigen Jahren während einer Dreigroschenoperproduktion mit dem akustik-Spleen angefangen und unplugged, ohne Mikro, aus dem Graben heraus problemlos einen 450 Personen Saal beschallt, gegen 8 z.T. lärmende Mitmusiker. Seitdem weiss ich: man kann akustisch spielen, wenn man sich Mühe gibt und damit abfindet, dass man sich nicht so gut hört wie z.B. beim E-Bass Spielen. Wenn ich den Bass verstärken muss, nehme ich ein Mikro. Pickups benutze ich schon lange nicht mehr. Sicher hat der mit Pickup verstärkte Bass seine eigenen Qualitäten, mir sagt das nichts. Wer für sich entscheidet, mit PU zu spielen, kann das doch gerne tun, wo ist das Problem? Und wo liegt das Problem, zu versuchen, sich trotz Pickup einem akustischen Ideal nähern zu wollen? Den von dir beschworenen musikalischen Erfolg sehe ich übrigens nicht, die meisten Aufnahmen werden mit Mikro gemacht, und Fortschritte lassen sich eher an der Konserve als an Livekonzerten ermessen. Da hätte ich gerne konkretere Infos zum Thema: Fortschritt durch Pickup.
Gegenbeispiele: Scott LaFaro, Charles Mingus, John Clayton, die Liste ist natürlich unvollständig.
keep swinging: CHRISTOPH
dave Profilseite von , 03.03.2003, 19:09:18
Falk und Christof: Wie sehr man missverstanden werden kann, wenn man dieses heisse Eisen anfasst, zeigen Eure Antworten auf mein obiges Statement: Sie sind völlig gegensätzlich.
Der eine schwärmt vom "Unverstärkten" Ton (iss ja richtig, aber spiel mal so in einer Big Band), der andere meint, ein "schöner" Ton braucht ein gefühlvoll und kenntnisreich eingestelltes Eqipment.

Vielleicht ists ein Streit um Kaisers Bart: Was ist denn die Definition von "akustisch"? 12 Riesenkisten pp im
Operngraben, oder ein Solobass in einem Kammerkonzert? Oder eben der "Normalbass" in einer Jazzformation, wo auch mal die Post ordentlich abgehen muss. (Ob Amateur oder "Jazzer", Falk; kapier ich nicht ganz, den Unterschied).

Ich hab doch nie bestritten, dass jeder "seinen" sound suchen darf, und dass der Ton hauptsächlich mit der lnken Hand gemacht wird.
Um was es mir ging, war : Macht Euch nicht verrückt mit immer neuen Ausgaben für das ideale Zubehör( auch hier im Forum gehen die meisten Fragen um die pickups, Impedanzwandler, Micros, Preamps etc. etc.; auch Du, mein Purist Christof, kennst Dich doch hervorragend drin aus, nix für ungut, s. Impedanz), denn "D E N" A K U S T I S C H E N S O U N D gibt es doch garnicht. Mein Bass klingt ja schon heute anders als morgen oder gestern. Und ganz anders als Eure.

Natürlich meine ich nicht damit, dass es wurscht ist ,ob man blechern wie ein Ebass klingt - unterstellt mir das nicht - . Aber macht mal nen Punkt beim Suchen nach dem realistischen sound (die Zeitgenössische Musik tut alles, um den Ton konventioneller Instrumente zu verfremden!!!) und verwendet die rausgeschmissene Zeit zum Üben von schönen oder interessanten Bass-Lines....(und nicht bloss irgndsonem artistischem High speed Gezirpe in Violinlage).
Das war mein Anliegen.

Euer dave

Christoph Profilseite von , 03.03.2003, 22:41:12
Deif,
du fragtest in deinem ersten Artikel: darf ich mal provozieren? Ich bin also selber Schuld, geantwortet zu haben und bedauere sehr, meine Zeit derart vergeudet zu haben.
Christoph
dave Profilseite von , 04.03.2003, 13:33:45
Hi Christoph, was hat Dich so verärgert, dass Du Dein statement gleich als "vergeudete Zeit" bedauern musst?
Ich gab und gebe Dir doch vielfach recht; aber Tatsache ist doch leider nach wie vor, dass aus dem sog. akustischen Ton eine Weltanschauung gemacht wird.
Denn wenn immerhin der Experte Schönharting hier im GeBa-"Wissen" ein Kapitel "Das ewige Problem: Piezos und Micros" nennt, dann wird man sich doch im Forum auch mal kontravers über dieses ewige Problem unterhalten dürfen.

Für Frank und Dich scheint also die ganze Verstärkerei überhaupt kein Problem zu sein. Prima. Tut mir leid, wenn ich Euch beide - anstatt meines Motivs, Mut zum nicht ganz so puristisch authentischen Ton zu machen - anscheinend auf dem falschen Fuss erwischt habe.

Nix für ungut; Harmonie iss schön, aber kein Muss. Keep swinging, Chris!!

Bassige Grüsse, Dave
Neuester Beitrag Falk Profilseite von , 04.03.2003, 14:15:13
Tach Dave!
Nun, ich wuerde das soo arg auch wieder nicht sehen. Was mich angeht, habe ich Dich wahrscheinlich nur etwas falsch verstanden. Es ist auch nicht so, dass ich mit der Verstaerkerei ueberhaupt kein Problem haette. Zuerst finde ich den Klang des Basses im unversaerkten Zustand (ohne allerdings einen Unterschied zwischen Jazz, Klassik, Orchestergraben oder Dynamik zu machen) prinzipiell am schoensten. Dass dieser Klang durch eine Pickup-Verstaerker-Kombination nich 1:1 reproduzierbar ist, ist mir natuerlich klar, aber ich probiere, dem Klangeindruck ohne zuviele Verluste naeher zu kommen (um kurz meine Herangehensweise versaendlich zu machen) Das ist aber trotzdem noch weit davon entfernt, sowohl eine Weltanschauung davon zu machen als auch deswegen klanglich in Richtung E-Bass zu verfallen. Natuerlich hab ich auch Gigs, bei denen ich den Verstaerker vefluchen koennte, aber das is es dann auch.

Na ja, also nichts fuer ungut, ich find's auf jeden Fall sehr schoen, dass in diesem Forum auch ernsthaft diskutiert oder gestritten werden kann.

Gruesse
Falk
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