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Verstärkung

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Bassist42 Profilseite von Bassist42, 16.09.2020, 09:45:14
Verstärkung

Werte Kollegen,

unerwartet muss ich mich nun auch verstärken - wir spielen Corona-bedingt in kleinster (klassischer) Besetzung weit verstreut über die Bühne und mir wurde (wohl aus optischen Gründen) ein akustisch nicht bassidealer Platz zugewiesen. Der Dirigent kam gestern nach der Probe zu mir und meinte, er würde sich eine kleine elektroakustische Verstärkung meines Basses wünschen. Seiner Aussage nach, um ein paar Pizze jazziger klingen zu lassen aber vorrangig tatsächlich, um die standortbedingten akustischen Nachteile auszugleichen. Ich spiele in dem Ensemble einen dicken Orchester 5-saiter.

Ich habe die diversen Verstärkerdiskussionen hier zwar verfolgt - die waren aber nach meinem Verständnis immer eher aus dem Jazz-Kontext zu verstehen. Vielleicht ist da auch kein signifikanter Unterschied, da wir ja alle einfach nur gut klingen wollen. Ich habe dennoch mal weitergelesen, nach technischen Gesichtspunkten selektiert und wollte mal diese Kombination in die Runde werfen, die vielleicht passen könnte:

Remic D5401 (Studioversion) -> Acoustic Image Clarus S4 600IA (hat 48V Phantomspeisung) -> Glockenklang Acoustic 8-1

Gibt es Erfahrungen mit den einzelnen Komponenten oder gar dieser  Kombination?

Hat jemand speziell Erfahrungen mit der genannten Glockenklang Box (ist die tatsächlich so linear, wie beworben und manchmal getestet)?

Gibt es Alternativvorschläge?

Vielen Dank!

BG Phil

 

16fuss Profilseite von 16fuss, 16.09.2020, 11:17:19

Hallo Phil, mit deinem Problem schlage ich mich schon seit 12 Jahren herum. Ai und Glockenklang 8 habe ich in der Kombi auch schon besessen. Das passt sehr gut. Wobei, eigentlich ist das schon über das Ziel hinaus, weil du die tollen Glockenklang -Höhen ja garnicht brauchst. Damit es sich gut mit dem echten Bass mischt, brauchst du einen recht stumpfen Ampsound. Das kann man aber am Ai sehr gut regulieren Mit dem Mikrofon (egal welches) hast du dann aber sehr viel Tiefbass und das wummert schnell. Geht natürlich über hpf rauszufiltern, aber ist eigentlich nicht so toll. Für mich funktioniert der Balsereit Studio viel besser. Der Ai hat ja Phantomspeisung. Ich kann in meinem Browser hier leider keine Absätze machen.


 

 

 

Bassist42 Profilseite von Bassist42, 16.09.2020, 11:41:30

Danke für Deine Rücmeldung, 16fuss!

Ich vergaß zu erwähnen, dass ich an meinem Bass keine wirklichen baulichen Veränderungen vornehmen will und daher eigentlich alle Piezzos ausscheiden die ja einen bestimmten Druck zwischen Piezzo und Bass/Steg erfordern. Ein Balsereit-Loch würde ich nicht in den Steg dieses Basses bohren wollen. Daher dachte ich an das Remic, das einfach unter Griffbrett oder Saitenhalter geklemmt wird. Andere Mikrofone wären in dem Zusammenhang wahrscheinlich auch eine Option, aber ich finde die Anbringungsart des Remic im klassischen Kontext sehr attraktiv (weil quasi unsichtbar und ohne "Anbau" an den Bass befestigbar).

Auf die Glockenklang Box kam ich, weil zumindest in den technischen Angaben eine untere Grenzfrequenz von 35Hz steht, die dann auch die 5. Saite (tiefes C ist bei ca. 33Hz) abbilden kann. Den in diesem Zusammenhang möglicherweise problematischen Höhenbereich hatte ich nicht auf dem Schirm - danke für den Hinweis! Nachdem Du die Box kennst - kannst Du da was zum Tiefbassverhalten sagen? Ist das eher linear oder wummerig überhöht?

Danke!

BG Phil

 

16fuss Profilseite von 16fuss, 16.09.2020, 16:31:46

Die Glockenklang ist total linear und dröhnt kein Stück! Um die Grenzfrequenz musst du dir keine Gedanken machen. Mein 5-Saiter klingt auch mit einem hpf bei 50Hz noch voll. Bei Box und Amp sehe ich da keine Probleme. 
Das Mic ist natürlich wunderbar dezent, aber in den möglichen positionen würde es an meinen Bässen nur Quatsch verstärken. 
Auch Kontaktmikrofone funktionieren für mich nicht gut. 
Abgesehen von Balsereit, kann ich dir also zu nichts raten. 

bassanova Profilseite von bassanova, 17.09.2020, 09:12:55

Wenn Du keine baulichen Veränderungen am Bass machen willst um ihn zu verstärken empfehle ich ein Mikro zu benutzen. Mit dem DPA 4099 bekommst du einen sehr natürlichen Sound hin, ist aber wie alle Mikros natürlich wegen der Rückkopplungsgefahr nur für leichte Lautstärkeanhebung geeignet und nicht gerade billig. Sollte im Orchester aber vielleicht reichen. Benutze es selber und habe was den natürlichen Klang angeht nichts besseres erlebt.

Frank Profilseite von Frank, 17.09.2020, 22:31:49

Hallo,

ich habe im Orchester für div. Musicals und Operettenkonzerte schon einiges probiert. Derzeit ist meine favorisierte Lösung ein AKG P170 (kostet den Bruchteil eines dpa) in Schaumstoff gepackt in den Steg. REMIC ist auch ganz gut. Wenn es lauter wird ist das Ehrlund am Start.

Wenn du viel streichst, dann geht eigentlich nur ein Mikro!

als Amp dient übrigens ein Markaccoustic 101

Ich könnte mir vorstellen dass auch ein Säule a la Bose L1 sehr fein klinen würde.

 

 

midioma Profilseite von midioma, 19.09.2020, 02:18:23

Ein normales Mikro greift viel aus der Umgebung auf und ist rückkopplungsgefährdet. Spätestens wenn man den Bass mal versehentlich in den Soielpausen zur Seite dreht.

Ich würde ein Kontaktmikro nehmen. Mein Favorit: AKG C411 mit Faber-Castell Haftpaste und B29L Batterieadapter/Verstärker. Gefällt mir besser als der Ehrlund, den ich auch (mit passendem Preamp) habe. Das Ischell soll wohl noch etwas besser sein, aber auch teurer (glaube ich) und kritischer bzgl. der korrekten Montage (sonst Rückkopplung wie beim normalen Mikrophon).

Eine häufig gute Montagestelle ist unterhalb des Stegfußes (mit dem Abstand vom Stegfußes kann man die Perkussivität des Zupfens steuern), nahe am, aber nicht, auch nicht teilweise, auf dem Bassbalken. Auf oder dicht am Stimmstock ist eine weitere Möglichkeit. Wenn das nicht klappt, muss man lange suchen...

Bassist42 Profilseite von Bassist42, 27.09.2020, 15:34:02

Werte Kollegen, herzlichen Dank für die Rückmeldungen und Tipps!

Ich habe ein bisschen herumexperimentiert und herausgefunden, dass für den von mir angedachten Anwendungsbereich (klassisches Ensemble, schlechte Position auf der Bühne, kein Platz für einen weiteren Bass) das Setup so tatsächlich funktioniert: Remic D5401 (Studioversion) -> Acoustic Image Clarus S4 600IA  -> Glockenklang Acoustic 8-1.

Dass es ein Mikrofon sein müsste, war eigentlich klar, um dem Soundideal (mein Bass in Arco und Pizz lauter und kaum Färbung durch den Amp) nahe zu kommen.  Neben dem Remic habe ich auf Eure Empfehlung hin auch das dpa4099 ausprobiert.

Das dpa ist ein tolles Mikrofon und lässt sich eigentlich über die Saitenklammer auch sehr einfach montieren. Ich habe ein bisschen mit der Position herumprobiert - von direkt zwischen den Stegfüßen bis ca. 15 cm darunter. Klingt Pizz sehr gut. Bei Arco hatte ich aber das Problem. dass die gesamte Konstruktion auf den Resonanzen des Saitenhalters (ich habe einen sehr offenen Bass) sehr stark schwingt, sich das auf das Mikro überträgt und dann entsprechend ein sehr unausgewogenes Klang-. und Lautstärkenbild ensteht. Ich denke, wenn man den Saitenhalter festzurrt und der sehr wenig schwingt, dann ist das kein Problem. Bei meinem Bass war das aber nicht akzeptabel. Außerdem hatte ich Sorge, dass sich das System dann in der Mitte des Konzerts mechanisch verabschiedet.

Das Remic hatte ich aus optischen Gründen auch zunächst unter dem Saitenhalter - das hat den Bass aber dicht gemacht und klang nicht gut. Die Anordnung unter dem Griffbrett hingegen ist tatsächlich perfekt. Ich kann den Bass einfach lauter machen, ohne dass es besonders gefärbt klingt und es gibt auch keine besonders herausstechende Töne. Klingt einfach so, als seien drei Bässe anwesend, statt nur mir.

Ich habe damit bereits eine Probe gespielt und positive Reaktionen von Dirigenten und Mitspielern erhalten.

Dies mein Bericht hierzu. Danke Euch!

BG Phil

 

 

Ulz Profilseite von Ulz, 07.11.2020, 12:11:42

Hi! Bzgl Verstärkung hatte ich schon was gepostet ( Balsereit aktiv / zadow pu und zadow combo bei Ensemble, auf Bühne: Bose L1 mit großem sub). Seit Neustem mit dem neuen headway als Vorverstärker; Sahneteil, v.a. der notch filter!

 

midioma Profilseite von midioma, 07.11.2020, 17:56:28

Dieser Vergleich ist leider völlig unbrauchbar. Da sind entscheidende Finge nicht berücksichtigt worden.

Ich kam dazu nichts genaueres sagen, da ich das vor langer Zeit einmal angeschaut habe, aber ich weiß noch genau wie sehr ich das für eine totale Katastrophe gehalten habe und auch dass das begründet war. 

Daher SEHR mit Vorsicht zu genießen. Das AKG C411 ist bei mir besser als der Ehrlund EAP, aber das mag von Bass zu Bass verschieden sein. Auf jeden Fall reagieren Kontaktmikrophone sehr sensibel auf den Ort der Plazierung, schon im Millimeterbereich. Und passive Piezos benötigen eine mehr oder weniger hohe Eingangsimprdanz am ersten angeschlossenen Gerät. Soweit ich mich erinnere ist das überhaupt nicht berücksichtigt worden. 

Das war vermutlich eine Abschlussarbeit, da bemüht man sich, aber einige Jahre später weiß man dann (meist/hoffentlich) was daran nicht in Ordnung war. Da nehme ich mich nicht aus. Erfahrung sammelt sich eben in der Zeit, da ist ein naher Abgabetermin nicht wirklich hilfreich. 

Neuester Beitrag UhuSchuhu Profilseite von UhuSchuhu, 08.11.2020, 10:49:34

Da war die Antwort schneller da, als ich meinen dann doch nicht so relevanten Beitrag kaputt machen konnte. Der Vollständigkeit halber kommt er also hier wieder hin:

Benjamin Zehetner hat in seiner Bachelor-Arbeit verschiedene Tonabnehmer bzw. Prinzipien verglichen. Die Arbeit und Audio-Material gibt's unter http://www.bennizehetner.com/tonabnehmer.html

Des weiteren hatte ich angemerkt, dass mir das Ehrlund-Kontaktmikrofon besser gefallen hat als der AKG C411.

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