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5- oder 4-Saiter für Solokonzert?

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ralphb Profilseite von ralphb, 26.05.2015, 17:11:23
5- oder 4-Saiter für Solokonzert?
Moin,

bevor ich demnächst Skizzen einstelle, eine grundsätzliche Frage: Würdet ihr ein Solokonzert für Kontrabass lieber für 4- oder 5-Saiter geschrieben wissen? Ist es besser, sich auf einen 4-Saiter zu begrenzen, da dieser evtl. "agiler" ist?
Die Solostimme wird vom Schwierigkeitsgrad recht avanciert sein (professionelles Niveau)

Danke im Voraus!
UgoBassi Profilseite von UgoBassi, 26.05.2015, 22:57:00

Schau mal hier:

https://www.youtube.com/watch?v=sIe5-8UN08E

kommt immer darauf an, was gewollt ist.

LowB Profilseite von LowB, 27.05.2015, 09:30:10

Hi ralphb!

Immer wieder schön in diesem Zusammenhang zu lesen: http://www.bassweb.ch/praxis/texte/laska-willkuehr.htm , speziell die beiden letzten Absätze. Mit C-Saite meint Laska übrigens die zu seiner Zeit obligatorische tiefe Kontra C-Saite an derer Stelle man heute die Subkontra H-Saite aufzieht, nicht die heute bisweilen anzutreffende "hohe" C-Saite.

Nun kann man dagegen halten: Auf einem entsprechend gebautem und eingerichtetem 5-Saiter mag ein Könner mindestens so souverän spielen wie auf einem 4-Saiter, wie das dankenswerter Weise von UgoBassi verlinkte Video beweisen mag - nur sind solche selten, die Bässe und die Bassisten.

Sofern musikalisch nicht unbedingt notwendig, würde ich es beim 4-Saiter belassen. Das sagt jemand, der bevorzugt 5-Saiter gespielt hat und auch mal wieder spielen wird.

Grüße

Thomas

 

midioma Profilseite von midioma, 27.05.2015, 18:30:12
Falls Du möchtest, dass Dein Stück auch einmal aufgeführt wird: 4-Saiter
(Und das sagt jemand der wann immer es möglich ist einen 5-Saiter spielt.)

Tief besaitete 5-Saiter Nutzen nur im Orchester und lassen sich in der Regel aufgrund des großen Korpus für die tiefen Töne in der Höhe schlechter spielen.
5-Saiter mit hoher C-Saite sind eher selten. Mein Bassbauer sagt, dass weniger als 1% seiner Kunden so etwas haben.
Und Piccolo-Bässe mit hohem C und ohne E sind mindestens genauso selten.

Also 4-Saiter. Dann ist nur noch die Frage Solo-Stimmung oder Orchesterstimmung. Für diejenigen, die das Stück in ihr Solo-Programm aufnehmen könnten, kann man meist davon ausgehen, dass die anderen Stücke in Solo-Stimmung sind und der Bass entsprechend gestimmt ist. Von daher nicht unter das klingende Kontra-Fis gehen. Es empfiehlt sich aber eine Stimme für beide Stimmungen beizulegen, sofern man das in beiden Stimmungen realisieren kann.
ralphb Profilseite von ralphb, 27.05.2015, 21:26:07

Vielen herzlichen Dank, eure Beiträge sind sehr hilfreich!

Ein Fünfsaiter reizt natürlich den heutigen Komponisten, der die Spielpraxis nur unzureichend kennt, denn spontan denkt man erst einmal: Eine Saite mehr, mehr Möglichkeiten, super. Aber ich habe schon so etwas geahnt, wie ihr geschrieben habt. Was die Stimmung betrifft: Solostimmung führt natürlich zu einem ganz anderen Satz (wg. Doppelgriffen, Flageoletts usw.), die hätte ich jetzt nicht angedacht. Wird sie denn in zeitgenössischer Musik wirklich häufig verwendet? 
Wie auch immer, ein Solokonzert mit Orchester ist ja meist das einzige Stück, was ein Musiker in einem regulären Konzertprogramm solistisch spielt (bis auf etwaige Zugaben), deswegen gehe ich mal von beiden Möglichkeiten aus.

Jetzt mal eine ganz rudimentäre Skizze für ein eröffnendes Solo. Wenn es jemanden interessiert, kann er/sie es ja gerne mal anspielen und berichten, ob es gut funktioniert/klingt. Freue mich auf Reaktionen, egal welcher Art. (Wenn jemand Lust hat, es vom Blatt aufzunehmen für einen Klangeindruck, umso schöner)

http://www.cdeclan.de/kbkonzert.pdf

Herzlichen Dank
Ralph

midioma Profilseite von midioma, 28.05.2015, 02:00:35
Vielleicht kann ich das + nicht richtig interpretieren, aber mit dem Anfang von Takt 3 habe ich meine Probleme. Das E unter dem gehaltenen h kann man allerhöchstens mit einem Finger der linken Hand zupfen und das ist auch schon eher schwierig.
Das Fageolett auf dem Gis im ersten 7/8-Takt und am Anfang von Takt 12 könnte man aufgrund der zu greifenden Quarte nur im Bereich der Daumenlage spielen, also auf der A-Saite, denn auf der E-Saite wird es nicht mehr gut klingen, wenn es überhaupt dort ansprechen sollte. Flageoletts funktionieren gut auf leeren Saiten, da ist die Greifposition ziemlich egal. Gegriffene Flageoletts haben das Problem, dass die Spanne zwischen Zeigefinger und kleinem oder in Daumenlage dem Ringfinger nur zwischen einer großen Sekunde und maximal einer Quinte (eher Quarte) liegen können. Du solltest also beim Schreiben eine Vorstellung davon haben wie und wo man das auf dem Instrument spielen müßte und ob das auch möglich ist.

Ich würde Dir vorschlagen mal einige kurze Abschnitte einem Bassisten vorzulegen, der Dir dann erklären kann was warum geht oder nicht geht. Manche Dinge gehen grundsätzlich, aber nur in gewissem Kontext. Versuche soviel wie möglich über die Spielweise und das Greifen der Töne auf verschiedenen Saiten zu lernen, damit Du jederzeit selbst überprüfen kannst, ob Deine kompositorischen Ideen auf dem Instrument realisierbar sind. Versuche mit Anleitung das Bassisten das selbst auf dem Instrument zu greifen, damit Du selbst einen Eindruck bekommst ob das machbar ist oder nicht.
ralphb Profilseite von ralphb, 28.05.2015, 09:29:29

Hallo midioma,

erst einmal vielen Dank für's Anschauen und dein Feedback!

Das + steht eben für pizzicato mit der linken Hand, genauso also im 6. Takt das d. Das müsste eigentlich machbar sein, oder? mit dem Flageolett danach wird dann das (2.) pizzicato sofort gedämpft.

Das gis mit Quartflageolett habe ich mir bequem auf der G-Saite vorgestellt, auf der man ja auch die umliegenden natürlichen Flageoletts greifen wird. Ich verstehe aber nicht ganz: Du sagst, die Spannweite zwischen Zeigefinger und kleinem liegt bei maximal einer Quinte, eher Quarte. Dann müsste aber ein Quartflagolett doch funktionieren, oder?

Neuester Beitrag midioma Profilseite von midioma, 28.05.2015, 10:36:17
Das Quartflageolett würde eine Oktave höher auf der G-Saite in Daumenlage mit dem Ringfinger gerade so funktionieren, denn da sind die Abstände nur halb so groß.
Deshalb mein Hinweis auf die A-Saite, da etwas grenzwertig, aber nicht völlig unmöglich.
Dann will man aber natürlich nicht einen Riesen Lagenwechsel für den einen Ton machen und würde die umliegenden Töne auch dort spielen.
Flageoletts auf leeren Saiten und gegriffene haben auch eine etwas andere Klangqualität, zumindest, wenn man kein Superprofi ist, denn die auf leeren Saiten sind immer absolut sauber intoniert, was bei den gegriffenen eher schwierig ist. Dessen sollte man sich zumindest bewusst sein, genauso wie der angepeilten Zielgruppe der Spieler.

Lass Dir von einem Bassisten zeigen wie man was wo greift und probiere es dann selbst aus.
Du musst bei so speziellen Techniken wissen was geht und was nicht. Und das geht am besten, wenn Du die Spielweise in Gedanken nachvollziehen kannst.

Das Zupfen mit der linken Hand geht, aber die Tonqualität ist eher dünn, da man da für einen volleren Ton bestenfalls mit dem Mittelfinger dran kommt. Probiere es selbst mal an einem Bass aus.

Ganz grundsätzlich empfiehlt es sich erweiterte Techniken nur für Instrumente zu schreiben, mit denen man sich gut auskennt (ein Forum ist kein wirklicher Ersatz für einen persönlichen Kontakt). Meine Frau, auch Komponistin, hält es jedenfalls so und fährt gut so. Und wenn ich etwas schreibe, versuche ich mir vorzustellen wie das auf dem Instrument gespielt wird. Bei Blasinstrumenten habe ich vieles selbst probiert und daher einen Eindruck was dort wie schwierig ist. Es hängt natürlich auch von der Zielgruppe ab. Je anspruchsvoller, desto genauer muss man die Grenzen kennen. Man hat's halt nicht leicht...
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