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Saitenhalter

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Zugeordnete Kategorien: Bassbau

Bassella Profilseite von Bassella, 19.06.2014, 11:37:05
Saitenhalter

Der Vorbesitzer meines Kontrabasses meinte, er hätte als nächstes einen anderen Saitenhalter eingebaut...einen leichteren.

Nun, wieso also nicht? Oder?

Gibt es denn auch leichte Saitenhalter, die NICHT schwarz sind?

Was ist von den Harfenförmigen zu halten?

Ist ein synthetisches Seil von Vorteil?

Wie baue ich das ein, ohne dass der Stimmstock umfällt?

Mein Bass ist massiv, von Musima, Meister Irgendwas, Meinel oder so.

Ich spiele nur pizz, also Jazzartiges..

Fragen über Fragen, ich weiß ja, und dann ist ja auch alles immer relativ...trotzdem: Antworten?

Falls; Danke :-)

 

B.

midioma Profilseite von midioma, 19.06.2014, 13:08:30

Ich habe gerade gestern in einer älteren Ausgabe von Bass Gear Magazine (die kann man sich als APP runterladen) einen Artikel von Arnold Schnitzer gelesen, der meinte, dass 

a) leichtere Saitenhalter für pizzicato von Vorteil sind, schwerere für arco,
b) eine synthetische Hängelsaite nicht besser ist als gedrehtes Stahlseil, aber beides um Längen besser als massiver Draht,
c) Harfenförmige Saitenhalter durchaus nützlich sein können.

Ich habe zwar keinen solchen Saitenhalter, aber da die tiefen Saiten recht steif sind (im Vergleich zu den höheren) kann meiner Meinung nach eine Verlängerung der Unterlängen bei den tiefen Saiten nützlich sein um die (Kipp-)Beweglichkeit der Saite auf dem Steg zu unterstützen.

Ob der Stimmstock umfällt merkt man erst, wenn man es versucht. Lege aber den Bass auf ein Bett oder einen Teppich, dann steht der Stimmstock aufrecht und die Gefahr des Kippens ist geringer. Mache es an einem Tag, an dem Du, falls der Stimmstock doch fällt noch zu einem Geigenbauer fahren kannst, der Dir den Stimmstock wieder setzt. (Möglichst der, der Deinen Bass schon kennt, den die Position des Stimmstocks beeinflußt Klang und Spielverhalten des Basses recht stark.) Ich habe schon öfter meine Stege und Tonabnehmer ein- und ausgebaut, da ist noch nie der Stimmstock umgefallen, aber das mus bei Deinem nicht genauso sein. Versuche halt alles, damit die Gefahr des Umfallens so gering wie möglich gehalten wird (z.B. Zimmer abschließen wenn noch Kinder oder sorglose Ehefrau/Freundin in der Wohnung sind, Erschütterungen vermeiden etc.). 

Beim EInbau eines neuen Saitenhalters mußt Du aber beachten, dass die Unterlängen typischerweise zwei Oktaven und eine Quarte höher klingen sollen als die leere Saite. D.h. Du mußt die Länge der Hängelsaite entsprechend einstellen. Bei synthetischem Seil kann dann der Knoten schon nach dem ersten ausprobieren recht fest sitzen und sich kaum mehr lösen lassen (OK, man könnte erst mal eine Schleife zum Lösen setzen, die man durch Öffnen der Schlaufe zu einem Knoten werden läßt, wenn die Einstellung OK ist. Vielleicht aber doch eher eine Aufgabe für einen Geigenbauer, der damit schon mehr Erfahrung hat. 

Ich denke, dass eine Justierung des Stimmstocks mehr Einfluß auf den Klang hat, als die Hängelsaite oder der Saitenhalter. Bei der (Bogen-)Ansprache, Wolfstönen etc. gehe ich mal davon aus, dass der Saitenhalter schon einen wesentlichen Einfluß hat. 

Und natürlich gibt es auch Saitenhalter, die nicht schwarz sind. Die leichten sind oft nur schwarz lackiert, es gibt aber auch schöne aus Rosenholz und Buchsbaum. Die werden meist in Kombination mit Griffbrettern aus gleichem oder ähnlich farbigen Holz verwendet. 

Vielleicht gibt Dir Jonas dazu auch noch einen Kommentar, der kennt sich da ja gut aus.

jlohse Profilseite von jlohse, 23.06.2014, 10:48:06

midioma, weißt du noch in welcher Ausgabe der Artikel von Arnie war? Die Hefte sind eher unübersichtlich, und auf lange Suchen hatte ich dann keine Lust mehr …

Neuester Beitrag midioma Profilseite von midioma, 23.06.2014, 12:51:40

War eine Fortsetzungserie, die bei Issue 4 angefangen hat (hab' ich aber nicht). In Issue 5 ist dann Teil 2 Sattel und Steg, weitergeführt in Issue 6 mit Teil 3. Dieses Thema endet in Issue 7 auf Seite 108/109 ist Teil 4 mit Saiten, Saitenhalter, Hängelsaite und Untersattel. Immer unter der Rubrik "The Upright Perspective".

Chris Fitzgerald hat auch immer eine Rubrik zm Thema Kontrabass unter "In the Doghouse" und in Issue 11 gibt es ein recht interessantes längeres Interview mit Miles Mosley (S. 66-75). Wer den noch nicht gehört hat: mal unter YouTube suchen ...

LowB Profilseite von LowB, 19.06.2014, 16:05:52

Hi Bassella!

Zu 1. und 2.: Helle harfenförmige SH gibt's z.B. bei Heiner Windelband und Jonas, Kontrabaßatelier. Ich spiele auf meinem 4-Saiter den von Jonas, Buchsbaumausführung. Wie von midioma erwähnt ist es bestimmt kein Nachteil, wenn die tieferen Untersaiten zwischen Steg und SH etwas länger sind. Außerdem finde ich solche SH auch optisch sehr schön, gerade auf einem dunkel lackierten Baß - was meiner nicht ist, trotzdem...

3. Wenn ein steifer Messingdraht den SH am Schwingen hindert wird von vorne herein Potential des Basses vernichtet. Insofern: Nur geflochtenen Stahldraht oder ein Synthetikseil verwenden. Ich selbst nehme ein 3mm Kunststoffseil, 190kg Zugfestigkeit, aus dem Seglerbedarf, kann damit auch einen kleinen Farbakzent setzen, z.B. rot-gelb. Kostet pro Meter (für knapp zwei Bässe) 1,--€.

4. Wenn man ganz, ganz vorsichtig sein möchte: Baß horizontal "entsaiten", um den Mittelbug ein paar Badetücher wickeln, mittig auf die Decke ein Styroporstück mit mindestens 3x6x12cm HxBxL legen und mit einem Spanngurt ein wenig (!) Spannung geben, Ratschenteil liegt auf dem Styropor. Wenn der Stimmstock zu kurz ist fällt er allerdings trotzdem um, dann sollte eh ein neuer angepaßt werden.

Leichter oder schwerer SH? Es kommt immer aufs Gesamtsystem und eigene Vorlieben an, generell tendiere ich aber auch für arco zu leichten SH. Bei meinem 5-Saiter z.B. ist fast alles schwer: Instrument, Saiten, Mechaniken und Bogen. Möglichst leicht sind dagegen der Steg und der SH.

Grüße

Thomas

Bassella Profilseite von Bassella, 20.06.2014, 08:56:13

Vielen Dank euch beiden, das nenne ich mal eine umfassende Beratung!!  :-)

mattes Profilseite von mattes, 20.06.2014, 15:28:47

Generell und vielleicht vereinfacht kann man sagen, dass ein schwerer Saitenhalter etwas dämpft bzw bassiger klingt. Ähnlich wie beim Steg, das wurde hier auch angesprochen. Ein eher dumpf klingender Bass kan also gut einen leichten Saitenhalter wie auch einen eher schlank gebauten Steg vertragen, bekommt dadurch mehr Obertöne und Klarheit im Ton. Ein Orchesterbass oder ein Bass mit übermässig stark ausgeprägten Obertönen verträgt mehr Gewicht, dann mehr 

Schwer ist z.B. ein Saitenhalter aus Hartholz, z.B aus einem alten Griffbrett. Auf meinem Bass habe ich einen sehr leichten Wittner Kunststoff Saitenhalter, das ist eher das leichte Extrem.

Auch die Länge des Seils, mit dem der Saitenhalter befestigt ist, macht was aus. Je länger dieses Seil, desto stärker ist der dämpfende Effekt des Saitenhalters, besonders bei einem schweren Saitenhalter macht sich das bemerkbar. Meist hat das Seil eine Länge von ungefähr 2-6cm zwischen Unterkante Decke und Saitenhalter. 

Gruß Mattes

midioma Profilseite von midioma, 20.06.2014, 18:23:17

Rein physikalisch betrachtet ist das Sytem aus Unterlängen und Saitenhalter ein gekoppeltes Schwingungssystem. Je schwerer der Saitenhalter, desto höher ist der Grad an Reflektion der Unterlänge am Saitenhalter und desto weniger koppelt eine Saite zu den anderen. Im Extremfall (kein Saitenhalter, z.B. bei vielen elektrischen Kontrabässen) ist das aber nicht gut, da dann eine höhere Resonanz der Unterlänge, die sich störend als Ton bemerkbar macht. Zu leicht und die Kopplung auf die Nachbarsaiten kann recht stark werden, so dass die leeren Saiten zum Schwingen angeregt werden. 

Die Länge der Hängelsaite bestimmt wo die größte Masse sitzt und damit auch die Resonanzfrequenz, genauso wie die Masse des Saitenhalters. Außerdem beeinflußt sie natürlich die Länge der Unterlängen und damit deren Resonanzfrequenz. Ist halt ein (im Gesamtverhalten) nicht so triviales gekoppeltes System...

LowB Profilseite von LowB, 20.06.2014, 19:34:02

Hi!

Zunachst mal ein kurzer Nachtrag: Darm ist natürlich auch ein gutes Material für Hengelsaiten, leider relativ teuer und störrisch bei der Montage.

Ein paar ganz interessante Links zu SH findet man in den ersten beiden Beiträgen unter " "weird" tailpieces talkbass" - bitte googeln. Besonders interessant sind technisch die SH von Artubus Fittings -> How it Works und -> Telling Tails (pdf) mit einem verschiebaren Gewicht an der Unterseite des SH, leider (noch) nicht für KB erhältlich.

Grüße von Thomas, dem z.Zt. Nichtverlinkenkönner 

jlohse Profilseite von jlohse, 22.06.2014, 11:12:57

Hallo, Bassella!

Wie hier schon beschrieben: wenn leichte oder schwere Saitenhalter generell von Vorteil wären, würden sie wahrscheinlich ausschließlich benutzt. Es kommt tatsächlich auf den Bass und die Anforderungen an!

Bei den Formen kann man das so nicht sagen, da hat sich eben die klassische Form durchgesetzt, und speziellere Formen sind nicht so einfach und günstig verfügbar. So wird eben oft das verbaut, was da ist … womit dann für den Bassisten noch Raum für eigene Experimente und Optimierungen bleibt.

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