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Sperger-bogen/ Klassik-bogen

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Zugeordnete Kategorien: Bogen & Streichtechnik

Bassta7 Profilseite von Bassta7, 25.06.2011, 00:43:20
Sperger-bogen/ Klassik-bogen
Liebe Kollegen,


Seit vielen Jahren bin ich mit der Wiener Stimmung und mit der Musik der Wiener Klassik beschäftigt.
Einen geeigneten Bogen habe ich noch nicht gefunden. Meistens benutze ich entweder Barockbögen oder Bögen aus der nach-klassischen Periode. Echte Klassikbögen oder Kopien von solchen sind sehr schwer zu finden.
Wer hat mit solchen Bögen Erfahrung, wer baut sie, wer verkauft so was ?
Der sogenannte Spergerbogen, besteht der wirklich ?

Vielen Dank !


Bassta7
Frank Profilseite von Frank, 25.06.2011, 18:36:50

 Hallo Basta,

das Problem ist mir bekannt. Der sog. Spergerbogen (den Klaus Trumpf in Schwerin zusammen mit dem Nachlass gefunden hat) eignet sich wegen des extrem unhandlichen Frosches nicht zum Solospiel. Diesen Bogen haben sowohl Scott Wallace und Günther Hoyer kopiert.

Zur Zeit spiel ich hauptsächlichen einen Dragonetti Bogen aus Fernambuk, wissenlich daß dies nicht ganz korrekt ist, hab mir aber schon eine Kopie eines Dodd Bogens bestellt. Ich glaube, daß gerade Stangen einfach besser funktionieren (für Solo). Dragonetti Modelle sind eher fürs Orchesterspiel (repitierende Achtel) gut.

Schau mal die youtube Aufnahmen von Edicson Ruiz, er hat auch eine Kopie des Dodds, von Muthesius aus Berlin.

VG

Frank

 

Bassta7 Profilseite von Bassta7, 25.06.2011, 22:16:24
Danke, Frank. Ja, das ist so was mit diesem "Spergerbogen"... Mir scheint das eigentlich ziemlich unwahrscheinlich, dass Sperger einen Bogen benutzt hätte, mit dem man nicht richtig spielen kann...
Ubrigens stelle ich mir seit langem die Frage ob Sperger mit deutscher Bogenhaltung gespielt hat. Man geht einfach davon aus, aber Beweise dafür gibt's nicht. Der unhandliche Frosch is vielleicht nur unhandlich weil man den Bogen falsch hält.
Ich hatte mal eine Kopie eines Dodd-bogens von Wallace, klanglich fand ich den nicht so toll, und der Frosch, obwohl er sich "auf deutsch" gut spielen liess, schien mir doch eher französisch zu sein. Klar, Dodd war auch kein Wiener, und ob diese Bögen klanglich für den Wiener Bass mit Darnmsaiten geeignet sind bin ich mir nicht so sicher.
Bei Focht liest man, dass die Wiener Bassbögen aus einheimischen Hölzern gefertigt wurden. Tatsächlich klingen die Bögen die ich haupsächlich für Wiener Klassik spiele und die aus sehr leichten Hölzern gefertigt sind, sehr gut mit dieser Stimmung. Leider sehen die nicht "Zeitgemäss" aus mit Ihren Hammerköpfen à la Dragonetti...
Komisch doch, dass sogenannte Barockbögen überall zu finden sind, und "nach-klassische" ebenso. Aber genau die Wiener Klassik-Bögen, die gibt es einfach nicht.
Die Ruiz-aufnahmen habe ich natürlich gesehen, das ist absolute Weltklasse und er hat die Wiener Stimmung sehr gut verstanden (Lagenspiel usw), Hut ab ! Aus eigener Erfahrung aber weiss ich dass es doch noch sehr viel anders ist wenn man auf Darm und mit Bünden spielt und ich bin sehr neugierig zu wissen was man da mit einem "richtigen" Bogen noch alles verbessern oder entdecken könnte.

Auf alle Fälle herzlichen Dank, und noch viel Spass mit dem Bass !

Bassta7
Frank Profilseite von Frank, 25.06.2011, 22:45:30

 daß Sperger französisch gespielt hab, scheint mir durchaus plausibel. gab nämlich ZWEI Bögen in Schwerin. und dieser, etwas einfachere Bogen weist an der Stelle, wo der der Zeigefinger in der franz. Haltung liegt, eine Abnutzungsstelle auf. David hat diesen Bogen kopiert.

Aufgrund der Tatsache, daß der Wiener Bass doch sehr an der Gambentradition verhaftet ist, (Stimmung, Bünde) und auch die Musik eher ihrer Zeit hinterher war, scheint es mir sehr legitim, einen Barockbogen zu verwenden.P3230031

Beide Bögen sind von David gemacht. Der untere ist eine Kopie des zweiten Sperger-Bogens.

Frank

Bassta7 Profilseite von Bassta7, 26.06.2011, 17:06:28
Faszinierend...
Auch mit dem Violone-bogen, mit Gamba-bogenhaltung, klingt diese Musik sehr überzeugend! Die Artikulationen, die in der Wiener Klassik so wichtig sind, kommen feiner, detallierter, filigraner und es klingt dann wirklich nach Gambe. Herrlich finde ich diese Klangerfahrung. Vor allem in Solo-kammermusik wie die Sperger-duos für Bratsche und Kontrabass wirkt das wirklich sehr gut. Für ein Solo-konzert wie Vanhal wäre es vielleicht nicht krâftig genug, aber das spiel mit veschiedenen Bögen gibt einem immer sehr viel "feedback", und die erneuerte Inspiration kann man dann im "üblichen" Spiel integrieren.
Vielen Dank für die Bilder. Den zweiten Bogen hatte ich mal zum ausprobieren von Dane Roberts.In meiner Erinnerung war der sehr leicht.
Ein Bild vom "unspielbaren" Spergerbogen wäre auch super, wenn jemand sowas hat !
Ich warte auf meinem neuen Wiener Bass, der von Stefan Krattenmacher gebaut wird, bin ganz gespannt wie das dann mit den verschiedenen Bögen klingt...

Viele Grüsse

Bassta
Neuester Beitrag Frank Profilseite von Frank, 26.06.2011, 18:40:17

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