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Rubner Bässe

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Zugeordnete Kategorien: Bassbauer

Andreas Kruse Profilseite von , 30.12.2004, 19:35:05
Rubner Bässe
Sehr geehrtes Forum,
Ich benötige Informationen über die Dynastien der
(alten) Kontrabassbaumeister,speziell Rubner Bässe.
Ich habe einen "Rubner" erworben,der seinen Namen
mit einem Schnörkel eingebrannt auf seinem Rückenboden,etwas unterhalb des Halsansatzes trägt.Das Instrument ist nachweislich alt,jedoch ist es mir nicht möglich,seine Herkunft sicher zu bestimmen.Wer kann helfen? Gibt es vielleicht ein
Enzyklopädie?

Grüße und Dank an das Forum
Andreas
Jonas Lohse Profilseite von , 30.12.2004, 22:24:19
Die Bandbreite bei alten Bässen mit "Rubner"-Brandstempel ist recht groß: es gibt sowohl Bässe aus "Meisterhand", als auch einfache Sperrholzbässe, die zu DDR-Zeiten zur Wertsteigerung den volkseigenen Rubner-Brandstempel aufgedrückt bekamen.
Soweit ich weiß, gibt es die Rubner-Werkstätte noch (Region Marktneukirchen), vielleicht fragst Du da mal nach. Eine Website haben die aber glaube ich nicht; der Vertrieb ist GEWA in Mittenwald.
Andreas Kruse Profilseite von , 31.12.2004, 16:24:25
Hallo,Jonas,

Vielen Dank für Deine-wie immer-profunde Hilfe.
Ich werde der Sache im einzelnen nachgehen und dann für
das interessierte Forum weiter berichten.

Ein gutes neues Jahr !

Andreas
Tony Rocky Horror Profilseite von , 30.12.2004, 22:43:44
Nur so aus dem Gedächtnis, es muss nicht stimmen:

1. Josef Rubner, Bässe gebaut so etwa von 1910 bis 1940, zunächst gemeinsam mit Pöllmann. Die Bässe von Josef, die ich kenne, sind sehr gut.

2. Otto Rubner, der Sohn, so in etwa ab Mitte 30er bis Mitte 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gewirkt. Otto hat also zunächst Führer´s Bassisten versorgt, nach dem Krieg wurde er Teil der Tätärräää und dadurch irgendwann zwangsweise Teil von MUSIMA. Die Vor-DDR-Kisten sind in der Regel sehr gut, dann haben die Russen das Tonholz als Reparation einkassiert und so gibt es etliche Rubners aus den 50ern, die aus miserablen Hölzern gebaut wurden. Zu dieser Zeit kam auch Sperrholz notgedrungen in Mode. Otto hat in den 60ern den Freitod gewählt, wie es heisst, hatte er wenig Spass am System.

3. Johannes R., bis 1990 DDR-Bässe, seitdem versucht man, an den eigentlich guten Namen von ganz früher anzuknüpfen. Ich kenne ein paar Bässe aus den 70ern, sie sind nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut.


Aber: wie klingt dein Bass? Wie spielt er sich? Hast du ihn zu einem anständigen Kurs erwerben können? Wurde er sehr häufig repariert? Befindet er sich in einem guten Zustand?

Wenn du dir auf diese Fragen eine dich befriedigende Antwort geben kannst, ist es scheissegal, wer deinen Bass gebaut hat. Es ist so egal wie die Frage nach Hautfarbe und Staatsangehörigkeit.
Meyer-Eppler Profilseite von Meyer-Eppler, 31.12.2004, 12:57:43
Hallo Tony, ich habe Deine Rubner-Lebensläufe als Ausgangspunkt für den Eintrag "Rubner" in unserem Lexikon genommen. Falls Du oder ein anderer Leser im Forum noch weitere Details zu Rubner beisteuern kann: Bitte einfach eine Rezension / Kommentar hinterlassen. Guten Rutsch, Mark von GEBA-online
Andreas Kruse Profilseite von , 31.12.2004, 16:49:21
Hallo Tony,

Da hast Du Dich aber mächtig ins Zeug gelegt!Dank dafür!
Du bist offensichtlich Kenner,deswegen erlaube mir-auch
unter Hinweis auf den Tip von Jonas Lohse- einige weitere
Fragen: Zunächst gebe ich Deinem statement völlig Recht!
Egal welcher Herkunft,Hauptsache es spielt und brummt sich
gut.Das ist bei mir der Fall.Mein Bass hat eine Fichtenholzdecke,die aus min.100 Jahre altem Holz gefertigt
ist.Da ein Baum ein sogenanntes Sommer-wie auch Winterwachstum aufweist,kann man an den Abständen der Wachstumsstreifen recht gut das Alter der Decke bestimmen.
Der Korpus ist Massivholz,leicht zu erkennen an der Maserung,insbesondere innen.Die Verarbeitung des Instruments ist hochwertig exakt,der Rubner Schriftzug ist
schwarz eingefärbt.Ob es sich um eine Gravur handelt ,kann
ich nicht sicher sagen;vielleicht eher nein.
Was mich wundert ist die Tatsache,dass es im Inneren des Basses,anders als bei Violinen,keinen Zettel oder einen
anderen Hinweis auf den Urheber des Instrumentes gibt.
Dazu hätte doch nach Deinen Hinweisen aller Anlaß bestanden,gab es doch Rubner Bässe unterschiedlicher Herkunft.Gibt es -nun also meine Frage-Deiner Kenntnis nach
sichere Unterscheidungsmerkmale für diese Bässe?Mit anderen
Worten:Gibt es ein untrügliches Merkmal für die eine oder
andere(vielleicht bessere DDR-Herkunft)einerseits,für die
-lass es mich als Ursprüngliche Herkunft ausdrücken-andererseits!?Sind bei den veschiedenen Bässen die jeweiligen Schriftzüge des Namens identisch?

Vielleicht fällt Dir ja noch etwas dazu ein.
Wie auch immer:Nochmals Dank für Deine Hilfe und ei gutes
neues Jahr

Andreas
Tony Rocky Horror Profilseite von , 01.01.2005, 19:50:15
Hallo Andreas,

Danke für die Blumen, aber ein Rubner-Kenner oder überhaupt ein Kenner von Kontrabässen bin ich nicht.

Es sind viele Rubner im Umlauf, deshalb sind mir schon viele begegnet, und es gibt ein klares Erkennungszeichen für alle Rubners: die Decke ragt zwar - wie bei vielen anderen Bässen auch - über die Zarge hinaus, jedoch wird dieser "Überstand" von einer ca. 15 mm breiten Leiste auf der Zarge unterfüttert und erst danach kommt der Übergang zur Zarge. Oder anders formuliert: auf den ersten flüchtigen Blick sehen Rubner-Decken viel dicker aus als andere. Jeder, der schon mal einen Rubner gesehen hat weiss, was ich mit dieser etwas umständlichen Formulierung meine. Sowas habe ich bis dato bei keinem anderen Bass gesehen, es ist sozusagen das Rubner-Markenzeichen.

Zum Brandstempel kann ich nur sagen: manche haben einen, manche haben keinen. Genau wie beim Zettel: manchmal gibt es einen, und manchmal nicht. Oftmals lösen sie sich und fallen raus. Manchmal findet man sie im Inneren des Basses mit Lampe und Spiegel an anderer Stelle wieder. Und es kann sein, dass ein Reparateur ihn absichtlich rausgenommen hat. Wie bei allen "Vintage"-Instrumenten kann es sinnvoll sein, die Herkunft ein wenig zu verschleiern. Wenn du z.B. einen sehr guten Johannes R. erwischt hast, der mit etwas Fantasie zu einem gut erhaltenen Josef R. umdeklariert wurde durch Entfernen des Zettels, dann wurde er dadurch auch etwas teurer. Aber das ist natürlich pure Spekulation.

Ein Geigenbauer kann dir eventuell weiterhelfen, sie haben spezielle Bücher zur Taxierung, und sie schaffen es meist auch, das Alter eines Instrumentes zu bestimmen.

mfG und happy new year
Neuester Beitrag Meyer-Eppler Profilseite von Meyer-Eppler, 22.01.2005, 18:26:33
Hallo zusammen, Andreas Kruse hat mir ein paar Korrekturen zum Rubner-Beitrag geschickt. Den Eintrag im Lexikon habe ich angepasst. Viele Grüße Mark von GEBA-onlie
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