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kontrabass ohne mittelfinger?

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Zugeordnete Kategorien: Gesundheit

ghost Profilseite von , 30.01.2008, 12:33:48
kontrabass ohne mittelfinger?
hallo, ich hätte mal ne frage an die fortgeschrittenen in diesem forum:
glaubt ihr, es ist möglich, kontrabass ohne mittelfinger an der greifhand erlenen zu können? ich habe über 15 jahre ebass gespielt und auch den kontrabass zu erlernen hätte mich gereizt.... leider hab ich vor etwa 1,5 jahren unfallbedingt ein stück meines mittelfingers an der greifhand verloren. mit dem ebass hab ich seitdem starke umgewöhnungsprobleme. als ich bei einem freund mal auf seinem kontrabass geklimpert habe hatte ich den eindruck damit besser zurecht zu kommen, weil die abstände zwischen den halbtönen grösser sind und ich da auf den mittelfinger verzichtet habe. also, ich habe nicht den anspruch dieses instrument virtuos spielen zu können, aber glaubt ihr, es wäre möglich, kbass zu erlernen ohne das ich eine totale "technik-schlampe" würde?
bassknecht Profilseite von bassknecht, 30.01.2008, 13:03:15

Ich glaube das kann funktionieren, es hätte  sicher Auswirkungen auf Art und Häufigkeit der Lagenwechsel, zu gewissen Zeiten haben Leute mit Fausthandschuhen KB gespielt. Wenn Du wirklich keinen Anspruch hast mal  virtuos zu  spielen und damit leben kannst ,dass manches überhaupt nicht geht, dann sehe ich kein Problem, Ciao Roland 

willo Profilseite von willo, 30.01.2008, 13:19:40

Die meisten Bassisten spielen ja eine Drei-Finger-Technik (Stichwort "Simandl"), wobei der Ringfinger immer gleichzeitig mit dem kleinen Finger aufgelegt wird und selbst keine Töne greift.  Den Part des Mittelfingers muss dann bei dir halt der Ringfinger übernehmen und der kleine Finger alleine greifen. Wenn du leicht zu spielende Saiten mit geringer Spannung verwendest, sollte das aber gut funktionieren. Es gibt außerdem viele Bassisten, z.B. Autodidakten , die nur mit zwei Fingern spielen und das klappt auch. Und wenn die Töne kommen, wen interressiert dann die Tehnik?

ghost Profilseite von , 30.01.2008, 13:26:26
das klingt doch mal halwegs ermutigend! :)
danke schonmal!
Basstölpel Profilseite von Basstölpel, 30.01.2008, 13:38:01

Muesste moeglich sein - Du wirst eine persoenliche Technik entwickeln. Django Reinhard setzte links auch nur zwei finger  ein.

was ich allerdings nicht glaube ist dass es einfacher auf einem KB ist als auf dem E-Bass. Bei KB brauchst du deutlich mehr Kraft, dazu kommt der Aspekt der Intonation. Vielleicht hast du auf dem E-Bass Probleme, weil alte Koordinations-Muster nicht mehr funktionieren?

Abgesehen davon kannst du bei KB natuerlich einiges durch das geschickte Einsetzen von Leersaiten reissen - ist bei Ebass  soundmaessig z.T. problematisch (bei guter Technik der rechten Hand laesst es sich teilweise machen)

Bon Courage!!

ghost Profilseite von , 30.01.2008, 13:50:51
nun, ich bin von natur aus nicht gerade schmächtig, mit dem kraftaspekt hatte ich nicht so grosse probleme, die intonation ist sicher z.t. eine technische gewöhnung aber zum grossteil sollte das wohl eine sache des gehörs sein - ich habe auch vorher unbundierte instrumente gespielt (geige und singende säge *lach*) und glaube, das mein gehör da halbwegs zuverlässig ist! :D
leider fällt die geige als instrument mittlerweile flach, mich bei der filigranen handhabung nochmal auf mein handicap umzugewöhnen scheint mir zu zeitaufwendig wenn überhaupt möglich....
mattes Profilseite von mattes, 30.01.2008, 14:34:08

Nur Mut!

So weit ich weiss war in Italien mal der Standard-Fingersatz 1-3-4 anstatt 1-2-4 verbreitet. Warum und wann das so war weiss ich leider nicht.

Also los!

Gruß Mattes

alexhaas Profilseite von alexhaas, 30.01.2008, 15:37:57
Nur Mut! Kann ich nur bekräftigen...

So unschön das mit dem Finger ist, so wenig solltest Du Dich entmutigen lassen...
Technikschlampen wie Django Reinhard und Jimi Hendrix haben ja auch was daraus gemacht, daß sie alles andere als schulmäßig gespielt haben. Django hat mit seinen zwei Fingern das Gitarrespiel ganz schön aufgemischt und nach vorne gebracht und so eben mal eine wirklich europäische Form des Jazz kreiert und wer versucht, Hendrix ohne Daumen in der Greifhand zu spielen, kommt schwer ins Hudeln. Ich finde, wenns gut klingt, darfst Du machen was Du willst.
Auf der Seite von Silvio dalla Torre steht übrigens einiges wissenswertes zu Greifschemata im Wandel der Zeiten...

Und es gibt wohl Beispiele für Unfall-oder krankheitsbedingtes Greifen: Ich habe einen Freund, der als Schlagzeuger mit dem Bassklarinettisten Petras Visniauskas gespielt hat. In dessen Trio hat ein Kölner Bassist mit Namen Christian Ramold (oder Ramond?) gespielt, der aus Krankheits- oder Unfallgründen ohne Mittelfinger gespielt hat und dies wohl immer noch tut... Und das Trio war nicht eine Übeband, sondern die Jungs haben auf höchstem internationalem Niveau - und auch mit höchster Virtuosität - gespielt.
Und dann gibt es in München den Gitarristen (zugegeben, kein Bassist, tut aber hier nichts zur Sache, finde ich) Gunnar Geisse, der bei einem Unfall den Mittel- und Ringfinger der rechten Hand verloren hat. Mit normalem Zupfen (wenn das mal gefragt ist) geht nix mehr, er hat aber schlicht und einfach neue Techniken erfunden - und ist einer der besten wo gibt...

...es dauert halt einige Zeit, bis man sich alles so zurechtgelegt hat, daß der Körper und die Hand mitmachen. Den Gedanken "Wie vorher" sollte man wohl wegschieben, da habe ich mal einen Gitarristen kennengelernt, der sich ein Stück Fingerkuppe weggeschnitten hat und ohne Umstellung der Technik ewig nicht mehr spielen konnte, weil halt was fehlte und er immer mit dem Finger in der Luft über dem Griffbrett stehenblieb. Als er was am System geändert hat (andere Griffschemata, Skalen neu einüben und wasweißichnichtnochalles), ging es besser...

alles Gute,
Alex
ghost Profilseite von , 30.01.2008, 16:05:56
super leute, das freut mich zu hören und ermutigt mich sehr!
um ehrlich zu sein, wären gegenteilige meinungen gekommen, hätte ich es wahrscheinlich trotzdem versucht - bin da ein bisschen stur und die nach dem unfall anfängliche resignation hat sich mittlerweile aufgelöst.... vielleicht geht's verschiedenen anderen unter euch ähnlich: in der ganzen zeit in der ich saiteninstrumente spielte (geige, ebass, gitarre) habe ich manchmal nachts albträme gehabt, das ich mal nen finger an der greifhand verlieren könnte.... bis sowas mal wirklich passiert, ist das für jeden instrumentalisten sicher DIE katastrophe! aber irgendwie is es jetzt im nachhinein ja fast eine erlösung und ich kann wieder nach vorne blicke, auch wenn's ne umgewöhnung wird!
danke für euer feedback!
Langisch Profilseite von Langisch, 30.01.2008, 17:27:46

Also, in italienischen Schulen ist auch heute die Griffart 1-3-4 durchaus verbreitet.

In den technischen Schulen von Francesco Petracchi z.B. werden sowohl Fingersätze für 1-2-4 als auch 1-3-4 angegeben. also, wenn Dein ringfinger das entsprechend ergonomisch hergibt, ist das doch ne absolut legitime Angelegenheit.

Wie das dann natürlich in der Daumenlage ausschaut, ist ne andere Frage, aber eher wegen des dort schwer bis gar nicht einsetzbaren kleinen Fingers (vorausgesetzt, Du willst auch nach da oben ins Nirwana)

Keine sorge wegen irgendwelcher blöden Sprüche bezüglich Technikschlampe, Kontrabaßtechnik hat immer auch einen hohen Anteil an individuellen Lösungen.

Also, ran an den Speck, und viel Spaß

DEKA Profilseite von DEKA, 30.01.2008, 20:48:38

Hallo,

wenn es Spaß macht und gut klingt ! - Let`s go - und zwar ohne wenn und aber ! Ich halte nicht viel von der "Verwissenschaftlichung" des Kontrabassspiels. Es muss einfach nur dir und den Leuten die zuhören Spaß machen - alles andere ist Makulatur !

Gruß

DEKA

bassau Profilseite von , 31.01.2008, 08:46:14
Ich weiß von Markus Schieferdecker - ein Super Jazz-Kontrabassist, hat früher viel in der Nürnberger Jazz-Szene gespielt (incl. Sunday Night Orchestra), mittlerweile ist er in Köln tätig. Er spielt, wahrscheinlich unfallbedingt, auch ohne Mittelfinger.
Jörn Profilseite von , 11.02.2008, 17:00:00
Ein Bassist aus dem Rheinland, Christian Ramon o.ä., hat auch nur drei Finger an der Greifhand und ist sehr gut.

Es gab im Forum doch auch schon die Debatte um die Links-Rechts-Zuordnung der Aufgaben. Vielleicht ist bei Bedarf der Seitenwechsel des Basses auch eine Möglichkeit. Ich glaube nicht, daß das so schwer ist, auch wenn Du Dich am Anfang selbstverständlich umgewöhnen mußt.
Ute Rabe Profilseite von , 18.03.2008, 14:41:52
Hallo,

ich kann Kontrabässen nur zuhören, aber diese Diskussion find ich einfach klasse. Also, lieber ghost, wenn Du jetzt nicht loslegst! Ich kann mir sogar vorstellen, dass der eine Beitrag recht hat, der behauptet, dass Du mit Deinem E-Bass nicht so gut zu rechtkommst, weil Deine gewohnten Fingersätzt nicht mehr stimmen. Wenn Du Dich von denen erst mal komplett verabschiedest, geht es sogar damit.

Viel Erfolg.
Neuester Beitrag ghost Profilseite von , 18.03.2008, 18:00:25
hallo ute,

ja is schon geschehen - da bin ich fix: hab schon ein instrument und 2 unterrichtsstunden hinter mir und es funktioniert sehr gut! und auch am ebass hab ich mich wieder mit ruhe versucht und auch das hat wieder ganz gut funktioniert..... ich denke, da war anfangs einfach ne menge frust dabei, das ich resigniert habe - aber jetzt, nach über 1,5 jahren bin ich wieder guter dinge und kann jedem nur mutmachen, dem was ähnliches passiert ist! danke für die vielen antworten!
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