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Bemerkung zu ahnungslosen Ebay-Verkäufern

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Zugeordnete Kategorien: Kauf & Verkauf

Jörn Profilseite von fetti, 24.06.2007, 23:49:00
Bemerkung zu ahnungslosen Ebay-Verkäufern

Liebe Kollegen,

anläßlich einer heutigen Baßbesichtigung in Berlin, die ich aufgrund einer ebay-Anzeige vorgenommen habe, möchte ich von zwei meiner ebay-Erfahrungen schreiben.

Ich habe vor mehreren Jahren einmal einen Baß über ebay gekauft, der mit 450 Euro zur Ersteigerung und mit 500 Euro zum Sofortkauf angesetzt war. Der Baß hatte seinen Frühling hinter sich, das war auf den Bildern zu sehen. Er wurde aber mit ca. 100 Jahren angepriesen und ich dachte, da könnte ich nichts falsch machen. Der Baß wurde mir dann mit einer Spedition geliefert und als ich ihn auspackte, habe ich schief geguckt. Der Baß war ca. 40 Jahre und halbmassiv, eine Bauart, die meines Wissens im Widerspruch zur Altersangabe steht. Das Alter war wohl deshalb angenommen worden, weil der Baß in einem noch schlechteren Zustand war, als die Bilder es haben erwarten lassen. Insgesamt war der Kauf aber noch zumutbar und ich hatte einen Drittbaß. Nach der Lieferung hatte sich die Verkäuferin nochmal bei mir gemeldet, weil der Preis für die Speditionskosten zu hoch war und ich Geld zurück erstattet bekommen sollte. Damit war klar, daß ich nicht übers Ohr gehauen werden sollte. Das Telephonat mit der Dame hatte ich als Gelegenheit genutzt, sie auf die Fehlinformationen und die prinzipielle Unrechtmäßigkeit des Verkaufs hinzuweisen. Es handelte sich um ein älteres Ehepaar, das in Südbayern Haushaltsauflösungen vornimmt und auch nach eigener Auskunft von Instrumenten keinerlei Ahnung hat. Das ganze war ihr spürbar peinlich und ich hätte den Kauf rückgängig machen können, ich hatte aber keine Lust auf Streß.

Heute morgen war ich in Berlin-Spandau und habe mir den Baß angeguckt, der gerade bei ebay als 4/4-Baß angeboten ist:

http://cgi.ebay.de/4-4-Kontrabass-vollmassiv- ... goryZ84680QQrdZ1QQcmdZViewItem

Der Verkäufer räumt in der Anzeige ein, von Bässen nicht viel zu verstehen. Ich habe die Mensur gemessen, die bei 108 lag. Als ich den Baß nach einem Stimmton  stimmen wollte, riß die G-Saite. Mir war das natürlich höchst unangenehm. Dann habe ich gesehen, daß der Steg ca. 4-5 Zentimeter zu tief sitzt (siehe Originalphoto), was ich nicht beim ersten Blick bemerkt hatte. Man konnte den Baß, der einen billigen China-Satz drauf hat, nicht am 440-A stimmen, ohne daß die Saiten reißen. Der Baß ist ein 3/4-Baß. Offensichtlich hatte der Verkäufer gehört, daß die Mensur das Kriterium der Größe ist, was ja nicht falsch ist, aber selbstverständlich eine korrekte Positionierung des Stegs erfordert.

Von beiden Verkäufern hatte ich persönlich einen guten Eindruck: eine bayerische Omma und ein Spandauer Familienvater. Ich glaube, daß man sich klar machen muß, daß bei einem Bekenntnis zur Ahnungslosigkeit seitens eines Verkäufers nicht nur Qualitätseinstufungen wie "echt Superteil", "geiler Sound", "sofort spielfertig" oder "voll edles Speerholz" (siehe den ebay-thread), sondern auch die angegebenen Details hochgradig unzuverlässig sind. - In einem Physik-Propädeutikum habe ich mal gelesen, daß Professores von den Studenten eine hohe Meinung haben: Sie können sich nicht vorstellen, daß jene die Trigonometrie nicht beherrschten. - Unsere Alltagsbegriffe und Standardinformationen wie Größe, Sperr- oder Massivholz, Alter, Saitenart etc. stehen einem Laien nicht ohne Hilfe zur Beurteilung offen. Ich meine das nicht böse: Solche Leute haben so wenig Ahnung, daß sie die jeweiligen Angaben gar nicht machen dürften; Fachleute werden in die Irre geführt: Ich wäre nie auf die Idee gekommen, daß es sich bei den Angaben 4/4-Baß und 108 cm Mensur um einen 3/4-Baß mit verrutschtem Steg handeln könnte. Im Fall z. B. einer Speditionslieferung bei einem Sofortkauf können durch die Fehlinformationen unangenehme Streitereien entstehen. Ein Laie kann nicht besser, wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir dessen Informationen wörtlich nehmen.

Gruß
Jörn

zwengelmann Profilseite von zwengelmann, 06.07.2007, 10:38:54

Hallo Jörn,

"Ahnungslosigkeit" wird gerne als Argument vorgeschoben, um irgendeinen Schrott loszuwerden und um sich hinterher darauf berufen zu können, dass man ja vorher gewarnt hat, dass die Aussagen u.U. nicht ganz richtig sind.

Ich habe die Nase voll von "Dachbodenfunden" und "hat beim Vorbesitzer funktioniert, ich kann es nicht ausprobieren" oder "funktioniert, soweit ich es ausprobieren kann, da ich mich aber nicht auskenne ist das ein Verkauf als defekt". Bei technischen Geräten hat man oft die Wahl zwischen "funktioniert" und "nicht geprüft". Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Ich wurde zwar selbst noch nicht geschädigt, aber Freunde von mir haben schon ordentlich Lehrgeld bezahlt.

Bei ebay kauft man die Katze im Sack. Hinterher sein Recht zu bekommen, ist schwierig. Wenn also der Verkäufer mit solch schwammigen Formulierungen kommt, nicht gewährleisten will (was er vom Gesetz her auch als Privatverkäufer muss), dann Finger weg!

Ach ja, ein Musikinstrument würde ich immer vorher ausprobieren wollen. Ein Kontrabass muss einfach passen, der Sound muss stimmen (bei eBay haben natürlich alle einen "warmen, vollen Klang") und ist auch schon rein finanziell eine derartige Anschaffung, dass man __VORHER__ __AUSGIEBIG__ testen sollte.

 

Viele Grüße
Zwengelmann

jonas Lohse Profilseite von , 06.07.2007, 11:03:23
Off topic: Ich habe jüngst ein strahlungsarmes DECT-Telefon ersteigert. Mein größter ebay-Reinfall bisher. Vier Wochen nach Überweisung war es immer noch nicht da, aber der Händler hat sich einfach für nicht zuständig erklärt. Er hätte es abgeschickt, mehr könne er nicht für micht tun. Eine Tracking-Nummer des versicherten Versands (9,50 €!) gab's allerdings auch keine. Irgendwann kam's dann an, war aber kaputt. Undsoweiterundsofort .... das Geld habe ich bis heute nicht wiedergesehen. Mein Verhältnis zu ebay-Käufen ist seitdem stark eingetrübt.
(Das hat zwar alles nichts mit "Kontrabass" zu tun, aber ich musste es einfach mal loswerden ;-)
Lu Profilseite von , 07.07.2007, 07:48:34
Bei einigen EBay Angeboten kommt mir der Gedanke, das dieses Auktionshaus auch als Müllhalde verwendet wird. Statt einen Artikel zu entsorgen, wird er bei EBay versteigert, irgendjemand bietet schon ein paar Euro dafür und den Versand muß er ja dann auch bezahlen. Ich bin in den letzten fünf Jahren auch mindestens ebenso oft hereingefallen: einmal nichts bekommen, Verkäufer nicht zu erreichen, wurde kurz nach der Auktion auch von EBay wegen nicht gezahlter Gebühren gesperrt. Dann einen Artikel ersteigert, einen ähnlichen mit Fehlern zugesandt bekommen. Dann einen Artikel ersteigert mit einer Beschädigung, die weder auf den Bildern noch in der Beschreibung auftauchte. Elektronik-Artikel zu ersteigern, scheint nur ein Glückspiel zu sein, bei einem ersteigerten PC gab es immer wieder sporadische Aussetzer. Eine Mandoline ("Dachbodenfund") war absolut unbrauchbar, sie war wohl nass geworden und der Korpus total verquollen, Mechanik verrostet. Wenn der Preis des Artikels gering war, lohnt sich in den meisten Fällen ausser einer entsprechenden Bewertung nichts dagegen zu tun. Vor allem bei Auslandsartikeln (z.B. aus China oder Indien) kann ich nur raten: Finger weg, man hat nur zusätzlichen Ärger mit dem Zoll und auch wenig Handhabe gegen die Versender. Falls es Probleme mit dem Artikel gibt, sind die Versandkosten oft so hoch, das sich die Rücksendung nicht lohnt, auch wenn der Verkäufer dies anbietet (Querflöte in C ersteigert für 60 Euro, "versehentlich" Querflöte in Es bekommen, Versandkosten 45 Euro, Rücksendung auf eigene Gefahr und Kosten. Bogen ersteigert für 35 Euro, für Zoll und Lagerung 30 Euro zusätzlich).
Inzwischen habe ich mich bei EBay abgemeldet, ich habe zwar einige nette Dinge, mit denen ich auch zufrieden war, ersteigern können, aber irgendwann reicht einem der Ärger, den man hat, doch.
Jörn Profilseite von , 07.07.2007, 13:51:38
So polemisch meinte ich das gar nicht, wie es aufgenommen wurde. Der vermeintliche 4/4-Baß war nicht Schrott und ging für wenig über 600 Euro über den virtuellen Tisch. Das war definitiv ein Schnäppchen; der Baß war o.k. Er entsprach aber in einer für Fachleute wesentlichen Kategorie nicht der Beschreibung, weil der Verkäufer es bei gutem Willen nicht besser wußte. Unbewußte Fehlinformationen sehe ich viel eher als Problem als Schrott, den man auf Bildern schnell erkennt. Wenn für 500 Euro Sofortkauf ein alter 4/4-Baß in Massivholz angeboten wird, hätte ich keine allzu großen Sorgen, den Baß blind zu kaufen und Ihnen, werte Leser, zuvor zu kommen :-) Ich würde nur mit meinen Erfahrungen den Informationen nicht mehr glauben. Wie gesagt: Eine um 5 cm fehlerhafte Mensurangabe wegen eines falsch plazierten Stegs hätte ich im Leben nicht ersonnen.
balzambass Profilseite von balzambass, 09.07.2007, 22:47:48

Ebay: was ist vom Schertler dyn-b zu halten, der grad in Konstanz feil ist? da kann ja wirklich nicht viel schief gehen

(aber nicht, dass nun alle hingehen und mir den Preis hochtreibt!)

zwengelmann Profilseite von zwengelmann, 09.07.2007, 23:15:50

Oho, die Frage der Fragen. Du stellst das Forum auf eine harte Probe!

  • Wir sagen "kaufen", das Ding taugt aber nichts oder der Verkäufer ein Betrüger, bist Du auf den Tippgeber böse.
  • Wir sagen "Finger weg!" und Du bist der Verkäufer, bist Du auf den Tippgeber böse.
  • Kriegst Du keine Antwort, bist Du auf alle Forumsmitglieder böse.
  • Kriegst Du eine blöde Antwort wie "42" oder wie dieses Posting, bist Du auf den Schreiber böse.

Was also tun?

Merke:

Auf hoher See, vor Gericht und bei e-Bay-Geschäften sind wir alle in Gottes Hand.

Howgh und bässte Grüße - Zwengelmann

balzambass Profilseite von balzambass, 09.07.2007, 23:54:35
Alles klar, bin schon ruhig (und auf niemanden böse), ihr könnt alle weiterbieten :-D
Da ist ja noch etwas Zeit zum überlegen.
Jörn Profilseite von , 14.08.2007, 18:08:00
Es gibt mal wieder einen Fall von wohlwollender Ahnungslosigkeit. Es wird ein Baß verkauft und der Verkäufer gibt sein Unvermögen und dem völlig angemessen keine weiteren Informationen an. Mit einem Interessenten kam folgender Dialog zustande:

"Fragen von anderen Mitgliedern

Fragen & Antworten Beantwortet am
Frage: Hallo und guten Tag, wie groß ist denn der Bass (Gesamthöhe und Länge der Saiten)? Gibt es ersichtliche Beschädigungen, Reparaturen, etc.? Wissen...
12.08.07
Antwort: HaLLO Ebayer Noch ein paar angaben zum Kontrabass es ist ca. 188cm groß und 65cm breit die Saiten sind ca.166cm lang .Über das Alter des Kontrabass kann..."

Vermutlich ist das Ziel der Anfrage die Mensur, nicht die Saitenlänge von ca. 166 cm.
StefanG Profilseite von StefanG, 22.08.2007, 19:24:33

Hm, dass der Steg nicht richtig sitzt, sieht man auf 2 der Bilder.

Die Frage ist nur, ob man das auch sofort erkennt, ohne den Thread vorher zu lesen. Wahrscheinlich eher nicht. Aber gut, ich habe noch ein ungeübtes Auge, da Anfänger :-)

LauraR Profilseite von , 01.10.2007, 21:01:56
Hallo. Ich habe es gewagt und bei Ebay einen bass zur Miete gekauft, also Mietpreis 25Euro im Monat, vorher habe ich bei mastri 40Euro gezahlt der aber gut war, nur wollte ich jetzt sparsamer sein (musste ein halbes Jahr Bass aussetzten). Heute kam denn der Bass und erstmal hab ich mich gefreut das es diesem ein "Rucksack" als Bass Tasche ist, doch als ich es aufmachte sah ich das der Steh erst noch rangemacht werden muss bzw. die Saiten icht richtig drin sind oben... bin jetzt voll sauer irgendwie, weil ich Angst hab aus Sparsamkeiot wirklich die Katze im Sack gekauft bzw. gemietet zu haben. Jetzt ist seit heute auch noch eine sehr negative Bewertun#g drin das es ein Betrüger sein soll doch als ich den bestellt habe waren es noch 99% sehr postitiv. Ich bin jetzt echt irgendwie voll verärgert da ich mich gefreut habe gleich zu spielen und nun möchte ich das erst alles mit meiner Bass Lehrerin machen aus Angst, was kaputt zu machen.... ahhh.
Neuester Beitrag Bassist14 Profilseite von Bassist14, 01.10.2007, 21:11:07

laura,

daß ein bass mit heruntergenommenem steg+ saiten verschickt wird ist nichts ungewöhliches, keine panik. das macht man schon mal aus gründen der transportsicherheit.

behalte die nerven und zeig das instrument erstmal deiner lehrerin oder einem geigenbauer. (erst recht bevor du eine negative bewertung abgibst)

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