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EU312 Profilseite von EU312, 04.03.2019, 17:41:33
Kontrabass bauen lassen

Interessiere mich für einen E. Wilfer Bass aus seiner Einsteiger-Kategorie. Mir wurde empfohlen, mir direkt bei ihm einen Bass nach meinen Vorstellungen bauen zu lassen (Klangvorstellung, Körpergröße, Handprofil usw. sollen ebenso berücksichtigt werden wie technische Details in der Ausstattung) Das ganze auch noch zu preislich erträglichen Bedingungen. Konkrete Frage: hat jemand mit seiner Werkstatt selbst Erfahrungen gemacht und möchte sie mit mir teilen? Danke für hilfreiche Rückmeldungen.

midioma Profilseite von midioma, 05.03.2019, 16:08:05

Ja, ich habe mir da auch einen bauen lassen.

4/4 5-saiter (wollte eigentlich einen 3/4 5-Saiten mit hoher C-Saite, man hat mir davon abgeraten, war mehr im Intersse der Firma als in meinem), einfaches Modell (10).

Man muss ein paar Abstriche machen. Mein Griffbrett hat einen Ast, das merkt man nicht beim Spielen aber beim Abrichten des Griffbretts. Meines war auch nicht so gut abgerichtet, da habe ich später einen anderen Bassbauer dran gelassen und später noch selbst langsam nachkorrigiert. 

Was mich aber bis heute ärgert ist, dass der neue Firmenchef nicht die Verantwortung für Fehler beim Bau des Instruments übernehmen will (jedenfalls nicht wenn es ins Geld geht). Bei meinem Bass ist die Decke nicht stark genug gewölbt (das wußte ich damals natürlich nicht), so dass die langsam einsinkt. Sehr langsam, aber mit jedem einsinken nimmt de Stabilität ab und das Einsinken beschleunigt sich. Einzig sinnvolle Maßnahme ist eine neue Decke. Bei mir nach ca. 30 Jahren 8mm am F-Loch. Ich habe nun selbst einen verstellbaren Untersattel angebracht und etwas schwächer gespannte Saiten (ca. 10% weniger Zugspannung) aufgespannt und hoffe, dass der Bass mich noch überlebt. 

Ich würde dort aufgrund meiner Erfahrungen (mit der Geschäftsführung) dort wohl kein Instrument mehr bestellen. Der Fehler ist dort bekannt, kommt alle paar Jahre einmal vor, wird aber nicht in die Kalkulation mit eingerechnet, denn sonst könnten die das auf Kulanz oder mit geringer Zuzahlung beheben. 

Ich würde auch nur dann einen Bass bestellen, wenn ich besondere Eigenschaften unbedingt haben möchte (bei mir der 5-Saiter zu bezahlbarem Preis). Sonst besser auf dem Markt nach gebrauchten Instrumenten, meist bei Bassbauern, umschauen. Auf jeden Fall einem Bass-Experten (Lehrer?) mitnehmen, wenn man selbst nicht so viel Ahnung hat.

EU312 Profilseite von EU312, 05.03.2019, 17:26:21

Hallo midioma,

danke für die geteilten Erfahrungen. Nach 30 Jahren 8mm Veränderung scheint mir erst einmal nicht so beängstigend. Vor allem weil inzwischen da sicher die Verantwortlichen nicht mehr die gleichen sind. Es sei denn, es ist ein Schreibfehler und es sind 3 Jahre - das wäre schön etwas anderes.

bassanova Profilseite von bassanova, 09.03.2019, 12:41:59

Hallo Eu312,

die von Midioma gemachten Erfahrungen kann ich in keiner Weise bestätigen. Ich habe mir vor 3 Jahren bei Emmanuel Wilfer, sprich Roland Wilfer, dem jetzigen Firmenleiter, einen 4/4  Bass (violinform) in der Qualitätsstufe 10 bestellt. Nach ca. 10 Monaten Bau/Wartezeit war der dann zur Abholung bereit, alle meine Vorgaben waren aufs beste erfüllt worden, ich konnte mir zusätzlich die Stimmmechanik frei aussuchen (war garnicht vorbesprochen) und der Bass ist mir zu einem super-günstigen Preis angeboten worden den man für ein in Deutschland hergestelltes Meisterinstrument lange suchen muss. Mein Griffbrett ist tadellos sowohl was Einrichtung wie Holzqualität angeht. Die verwendeten Korpus-Hölzer sind eher Qualitätsstufe 11-12 also schon leicht geflammt. Die Decke besteht aus nicht besonders feinjähriger Fichte, ist aber ohne Fehler, sehr gleichmässig gemasert und stellt sich nach wie vor absolut stabil dar, die verwendeten Mechaniken sind Sondermodelle von R. Wilfer. Nach einem Jahr Spielzeit wurde mir ein kostenloser Check angeboten den ich auch in Anspruch genommen habe. Dabei wurde der Steg (hatte sich leicht gebogen) kostenlos ersetzt, ein Lackschaden den ich selber verursacht hatte kostenlos repariert und das ganze Instrument nochmal durchgesehen und poliert. Kam absolut frisch aus der Werkstatt zurück. Nach wie vor spiele ich den Bass sehr gerne und setze ihn sowohl im Jazz als auch im klassischen Bereich ein. Mein Fazit zu E. Wilfer lautet daher ganz anders als das von midioma und geht in Richtung "sehr empfehlenswert". Wer natürlich glaubt für 5000 - 8000 Euro einen Bass der Qualität zu 20000 bis 25000 kaufen zu können liegt hier falsch. Wer Bässe in letzterer Qualität sucht dem kann ich reinen Gewissens Mike und Ralph Kramer von E.Pöllmann empfehlen bei denen ich mir ebenfalls einen Bass bauen liess der allerdings tatsächlich in einer anderen Kategorie angesiedelt ist. Und nein, ich bin weder bei dem einen noch dem anderen Endorser.

 

midioma Profilseite von midioma, 16.03.2019, 23:07:18

Was ich bemängele ist, dass für Fehler, auch wenn diese nicht oder nur ansatzweise erkennbar waren, die Verantwortung vom Hersteller nicht übernommen wird. Und da dies, wie schon zuvor sagte, wohl nur alle paar Jahre einmal vorkommt (sofern diese Aussage von Roland Wilfer den Tatsachen entspricht), könnten am bei leicht erhöhten Preisen so etwas auf Kulanz reparieren. Dazu war Herr Wilfer aber nicht bereit.

Es geht mir mehr um die Haltung des Unternehmens bei teuren Reparaturen, die aufgrund bereits bei Auslieferung vorhandener, wenn auch nicht oder nicht klar erkennbarer Fehler erforderlich werden. 

Der Bassbauer mit dem ich das angeschaut und diskutiert habe hat übrigens selbst mal bei Pöllmann gelernt und die meisten eingefallenen Decken (noch weitaus schlimmer als meine, die man vorerst bei reduziertem Deckendruck noch (!) benutzen kann), die er ersetzen musste, sind von Pöllmann-Instrumenten. 

Bei einem Instrument, das schon 10 oder mehr Jahre alt ist und das noch in Ordnung ist, ist das Risiko einfach geringer, dass sich da noch Probleme entwickeln. Bei einem neuen Instrument ist es OK, wenn der Hersteller das dann auf Kulanz repariert, aber wenn nicht hast Du großes Pech und der Hersteller behält das Geld.

Ich bin mit meinem Instrument ansonsten auch recht zufrieden, bis auf das Abrichten des Griffbretts, die Position des Stimmstocks (zu nah am Steg und zu fest) und die minimale Höhe des verstellbaren Steges, die zu hoch war, was sich aber alles problemlos und ohne allzugroßen Aufwand beheben ließ. 

Es ging mir darum aufzuzeigen, dass man u.U. sehr in der Patsche sitzen kann, wenn durch schwaches Holz oder falsche Bearbeitung (Deckenkrümmung zu gering) die Decke mit der Zeit einsinkt und sich der Hersteller aus der Verantwortung stiehlt. Da würde ich in Zukunft doch einen Hersteller bevorzugen, der solche Schäden, die durch Probleme bei der Herstellung entstanden sind, übernimmt. Ist natürlich jedem selbst überlassen ein solches Risiko einzugehen.

8 mm eingesunkene Decke am F-Loch ist schon eine ganze Menge. Man muss dabei ja auch bedenken, dass die Decke durch das Einsinken immer schwächer wird und immer schneller einsinkt. Deshalb ja auch jetzt der verstellbare Untersattel. In der höchsten Position ist der Bass aber schon sehr leise und kraftlos, daher steht der jetzt auf mittlerer Position. Das ist ein erträglicher Kompromiss. Ich habe das aber selbst gemacht, war nicht so teuer. Als Übergangslösung hätte Herr Wilfer mir so etwas aber auch anbieten können, hat er aber nicht.

bassanova Profilseite von bassanova, 17.03.2019, 14:41:35

Hallo Midioma,

tut mir Leid das du so ein Pech hast mit deinen Bässen (anscheinend Pöllmann und Wilfer). Ich hab hier nur meine persönlichen Erfahrungen mit Bässen aus diesen Werkstätten beschrieben die neueren Datums sind (2015+2016)  und kann von beiden nur das beste bereichten. Sowohl was Kulanz als auch Haltbarkkeit der Decke(n) und Qualität der Instrumente insgesamt angeht. Übrigens wurden auch bei Pöllmann alle fällige Reparaturen / Einstellungen bisher alle auf Kulanz für mich erledigt, teilweise sogar mit Transportübernahme.

 

Neuester Beitrag midioma Profilseite von midioma, 17.03.2019, 19:52:06

Ich habe nur den einen Wilfer-Bass, die Pöllmann-Decken hängen beim Bassbauer den ich konsultiert habe. Das hatte ich aber schon so geschrieben.

Mit meinem Bass habe ich doppelt Pech, einmal, weil die Decke einfällt, was nicht passieren sollte, und zum zweiten weil ich die Reparaturkosten vollständig übernehmen sollte obwohl der Fehler bei der Übergabe latent schon vorhanden war.

Natürlich sind die meisten Instrumente, die dort gebaut werden in Ordnung, sonst käme das ja auch öfter als nur alle paar Jahre einmal vor. Aber wenn das so selten vorkommt, dann kann man das als Hersteller in die Kalkulation einbeziehen und auf Kulanz ersetzen. Für mich ist das eine enorme Geldsumme, die ich aufbringen müßte, um den Schaden zu reparieren. Das ist eine Abwälzung des Risikos auf den Verbraucher das mir gar nicht gefällt. Und genau davor, einem erhöhten Risiko bei teuren baubedingten Schäden will ich warnen. Wer dieses Risiko nicht scheuen möchte, kann natürlich trotzdem dort ordern.

Ich kaufe ja auch nicht bei Online-Händlern, die ihre Kunden im Problemfall im Regen stehen lassen. Wer das trotzdem tut und dann der Dumme ist hat es dann auch verdient und wenn der Fall eines Problems nicht auftritt, dann wir der sonst schlecht bewertete Händler damit nicht seriöser.

Damit können wir es jetzt aber auch gut sein lassen. 

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