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electric uprights von palatino und Harley Benton / Thomann

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Zugeordnete Kategorien: Electric Upright Bass (EUB)

Frank Schlosser Profilseite von , 22.09.2004, 15:33:16
electric uprights von palatino und Harley Benton / Thomann
Hi Folks,
in Sachen electric upright bass bin ich zwar ein Selbstbau-Freak, habe aber zwei solche Bässe aus industrieller Fertigung im web gesehen, die mich schon interessieren:

Zum einen ist das der Palatino VE-500, der für etwa 799 Us-Dollar eine massive Fichtendecke und massive Ahornzargen sowie –boden aufweist. Mit aktiver Klangregelung, Tasche und Bogen, also insgesamt ein gutes Angebot, denke ich.
Zum anderen ist das der bei Thomann erhältliche Harley Benton Bass, der hat auch nette features und kostet ebenfalls deutlich unter 1000 Euronen.
Meine Frage: Hat jemand hier im Forum diese Instrumente schon mal in natura genossen und kann Auskunft darüber geben?
Danke und herzliche Grüsse
Frank / StachlmacherFS
Christian Klein Profilseite von , 20.02.2005, 13:50:32
Hallo im Forum :-)

Den Palatino VE-500 hab ich schon mal ungesehen gekauft - die Lieferung nach Österreich wird aber noch einige Wochen dauern. Dann werde ich hier gerne ausführlich berichten.

Was ich vom Palatino-"Stangl-Bass" _nicht_ erwarte:
* einen Kontrabass-Ersatz

Was ich vom Palatino sehr wohl erwarte/erhoffe, ist ... eine Art "Rache":
Nach über 3 Jahrzehnten des Schleppens und der Unannehmlichkeiten, deren Resultat dann ein verstärkter Ton ist, der weniger im Musik- als im Heimwerker-Bereich liegt (näselnde Kreissäge), schlagen die Kontrabassisten nun zurück - und beantworten den meist geforderten "Kontrabass-Zwang" mit einem Teil, das in Gewicht und Volumen reduziert und auch Taxi-freundlicher ist. Für oben beschriebene Klang-"Qualität" muss kein Meisterbass das quäkende Piezzo-Pickup umgeben ...

Meine Vorurteile den Palatino betreffend:
Der erste Blick auf das meist verbreitete Foto zeigt ein unspielbares Instrument (der Steg ist um fast 1 cm verzogen). Da muss der Geigenbauer ran, aber davon später.

Die Haltung im Stehen beim Jazz-pizz dürfte null Probleme verursachen, denn hier ist die Ein-Punkt-Fixierung mit einem in die linken Leistenbeuge gerammten Bügel sicher ausreichend.
Schwieriger stelle ich mir die Haltung vor bei arco:
Ich beherrsche 2 Steh-Haltungen: die von meinem ersten Lehrer, Ludwig Streicher (aufgestellte linke Fußspitze und linkes Knie für seitliche Stabilisierung bzw. beabsichtigtes Drehen des Instruments bei exzessivem Seitenwechsel). Die zweite Haltung entspricht der traditionellen Instabilität (rechtes Wadel an der Zarge).
Für beide Haltungen fehlen mir beim Palatino die Anhaltspunkte ;-)

Nun zum Geigenbauer:
Ich brauche nicht extra zu erwähnen, dass ich Unsummen an Bestechungsgeldern zahlen muss, damit mein Geigenbauer seine Künstlerfinger an ein Brettl oder Stangl legt (für diese Arbeiten will er mich immer zum Tischler/Schreiner schicken, weil Bretter in deren Fachkompetenz fallen ... :-))
Steg: den Höhenverstellbaren stehe ich sehr skeptisch gegenüber.
Hals: ist garantiert lackiert - weg mit dem Lack.
Griffbrett: sollte nach einigen Wochen eingerichtet werden.
Sattel: individuelle Anpassung nötig.
(Gut, diese 4 Punkte sind nach _jedem_ Instrumentenkauf Pflicht).
Pickup: abwarten und hören ... vielleicht spendiere ich ihm ein Fishman (kombiniert mit einem leichten Delay?).
Saiten: auf allen Kontrabässen habe ich Pirastro Flexocor. Der Witz beim Palatino ist ja, dass ich ihn auch streichen möchte, drum müssen die gewohnten Saiten drauf.

Zum Transport:
Ich schätze den Palatina ein wenig leichter, kürzer und dünner ein als meinen Meisterbass (eines unbekannten Meisters ;-) der als Solobass ein Leichtgewicht ist. Dieses wertvolle Edelteil für o. g. "Klangbild" dem Transport-Risiko, Witterungseinflüssen bei Open Airs etc. auszusetzen, ist mir schon lang ein Dorn im Auge. Und meinem auch nicht sooo wertlosen Sperrholz-Bomber hat der Palatino garantiert einen Größe- u. Gewichtsvorteil voraus.


So viel zur Bass-Vorhersage ;-)
In welchen Punkten mich der Palatino positiv überraschen wird, erzähle ich in einigen Wochen.
kmilf Profilseite von , 21.02.2005, 08:56:59
Hallo,
ich habe mir den palatino bei ebay gekauft um die Nachbarn von meinem Gegeige (Intonation) zu verschonen.
Dazu taugt der VE500 definitiv nicht, denn erstens ist es beim stehend spielen unmöglich die E-Saite zu streichen, zweitens hat die Saitenreaktion auf den Bogen wenig mit der eines Kontrabasses zu tun und drittens ist das Geqäcke jämmerlich.
Um darauf Jazz zu spielen ist das Teil in Ordnung.
Der Palatino ist zwar handlicher als ein Kontrabass aber genauso schwer.
also
viel Spaß damit
Christian Klein Profilseite von , 21.02.2005, 13:27:04
Hallo kmilf,

wirfst du die Flinte bzw. den Palatino zu früh ins Korn? ;-)

In Erwartung des Stangl-Basses versuche ich schon mal, Haltung zu bewahren:
Rechtes KB-Eck (Boden/Zarge) links von meiner Zeugungsfähigkeit eingepflanzt.
Damit ist die E-Saite spielbar (trotz imaginiertem Abzug von 10 bis 15 cm, die dem Palatino an Korpusdicke fehlen), erprobt an meinen täglichen Exerzitien - u. a. einigen Sätzen aus den Chello-Solo-Suiten von Bach.
Natürlich ist diese Haltung instabil, der Daumen führt nicht nur den Saiten- u. Lagenwechsel, sondern muss auch leichte Schwankungen des Instrumentes ausgleichen. In der Daumenlage muss die linke Schulter gegen den Instrumentenhals gepresst werden ...
Aber ich habe ja nicht vor, mit dem Palatino auf der Bühne Literatur zu spielen *g* sondern nur ein paar Funktionsbässe, Dreiklangzerlegungen und ein paar Kantilenen - der Rest ist pizz.

Die Bogentechnik muss sich meiner Erfahrung nach grundlegend ändern, wenn "auf Piezzo-Sound hin" gespielt wird: extrem sanfte Anstriche, hingehauchte Bogenwechsel, ein "Zentimeter-großes Mega-Vibrato" etc.

Über welche Anlage hast du den Palatino gespielt?
(Ich werde ihn über die Ampeg-Portabass-Serie jagen).
kmilf Profilseite von , 23.02.2005, 08:12:10
hallo christian,ich wollte nicht behaupten, daß mit einiger Bastellei die E-Saite nicht spielbar ist, sondern so wie das Ding geliefert wird.
ich selbst hab schon drüber nachgedacht mir Styropor die fehlende Korpusstärke auszugleichen.

da ich das Ding eigentlich zum Üben gekauft habe, habe ich es nur über Kopfhörer gespielt.

nur hätte ich gewußt, wie das Ding zu händeln ist, hätte ich mir lieber eine billige 400euro Sperrholzkiste gekauft und selbige akustisch getötet zB Klangkörper ausschäumen.

mfg
kmilf
philipp Profilseite von , 21.02.2005, 16:52:18
ääähm wenn ich das mal so anmerken darf....
arco durch nen piezo ist echt ne geschichte für sich... meistens ist es allerdings schlicht grausam und furchtbar, irgendwie kommen die meisten piezo nicht damit klar und wenn doch dann fehlen meistens feine nuancen... das phänomen mit dem vibrato kenn ich vom bass eines kollegen auf dem ich mal gesägt hab... feine akzente die unverstärkt gut hörbar und sind sind durch den piezo völlig weg, während bogenwechsel und anstriche tatsächlich so glashart durchstechen das es fast schon wehtut...

mfg
philipp
Christian Klein Profilseite von , 23.02.2005, 12:29:31
Hallo kmilf,

ich fürchte, ich hatte dich schon richtig verstanden *g*

Wie gesagt, Besaitung und Saitenlage sind stets zu modifizieren, aber deinen Aussagen entnehme ich, dass der Palatino im wahrsten Sinn des Wortes "unhaltbar" sein dürfte.

Nur als Allegorie: Keine Cellistin der Welt würde ein E-Cello akzeptieren, das im Auslieferungszustand keinen Stachel hat ... und sich in den Bodensitz begeben, spezielle Meditations-Kissen entwerfen etc. Aber KontrabassistInnen waren ja schon immer vom Schicksal bevorzugt.

Bis ich meinen bestellten (und bezahlten) Palatino in Händen habe (oder eben nicht, weil ihm die wichtigsten "Stützpunkte" fehlen ;-) platze ich natürlich vor Neugierde - drum würde ich dich bitten:
Wenn du ne Digicam bei der Hand hast, würdest du ein Foto schießen (Palatino von rechts hinten) und es ins Forum stellen?

Gruß und Dank
Christian
Harami Profilseite von Harami, 24.02.2005, 23:24:38
Hallo, Leute,

ein Beitrag zum Thomann-Bass: Habe mir den vor einem Vierteljahr gekauft, um die Transportproblematik zu verbessern (und weil ich nicht so viel ausgeben wollte).
Zunächst mal positiv: er klang verstärkt garnicht so schlecht. Streichen ist zwar nicht möglich (flaches Griffbrett und Kiloschwerer Bogen), aber dafür hatte ich ihn nicht gekauft...

Negativ: 1. das mitgelieferte "Kontrabass-förmige" Stützteil oder wie man es nennen sollte ist völlig ungeeignet und sticht einem nur in die Rippen. Ich habe das noch mit einer Bastelarbeit ersetzen können.

2. Die Tasche enthält so viel Luft dass fast ein normaler K-Bass hinein passen würde und muss durch 2 Gürtel eng verschnürt werden. Dadurch relativiert sich der Größenvortel doch beträchtlich).

3. (und am schlimmsten) Nach einiger Zeit (nach der Rücksendephase) begann die G-Saite deutlich zu schnarren, was ich auch mit allmählichem Höherdrehen des Steges nicht ausgleichen konnte. Vor ein paar Tagen bin ich dann zum Geigenbauer (ahnte schon was mich erwartet). Seine Reaktion: das Griffbrett ist offensichtlich aus einem zu weichen Holz, uneben und verzogen. Man könnte es durch Schleifen auf die richtige Form bringen, das Problem träte aber immer wieder aus - oder ein vernünftiges Griffbrett aufleimen. Aber die Kosten stehen eigentlich nicht im Verhältnis zum Preis dieses Teils.

Mein Fazit: ärgerlicher Fehlkauf und rausgeschmissenes Geld - ich rate ab von diesem Ding !!

Schöne Grüße
Harald
bassknecht Profilseite von bassknecht, 26.02.2005, 16:44:45
Ich hatte mir den Harley Benton EUB schicken lassen (ein Produkt der günstigen Hausmarke vom Musikversandhandel Thomann), nach Erhalt habe ich ihn postwendend wieder zurückgeschickt.

In der jüngsten Zeit habe ich öfters über die regionale Ausrichtung meines Konsumverhaltens nachgedacht. Da ich meine Brötchen vom Bäcker kaufe, stets zu deutschen Gemüse greife, Biersorten der Nachbarstadt schätze und "Vectra" fahre (da waren meine Nachbarn an der Herstellung beteiligt) hoffe ich, daß dies anerkannt wird und mich niemand aufforden wird aus Solidarität mit der heimischen Wirtschaft einen "Vektor" auch noch zu spielen.

Vor diesem Hintergrund bin ich, was Musikinstrumente anbelangt, kein grundsätzlicher Feind von Fernostprodukten. Ich habe auch kein Problem damit selbst Hand an ein Instrument zu legen wenn es darum geht es spielfertig einzurichten, soundmässig zu tunen usw.. Dieses "Zurechtbasteln" hat für mich allerdings da seine Grenzen wo ich meine, daß mein Aufwand an Zeit und Material den zu erwartenden Gegenwert überschreitet. Das war hier der Fall.

Um ein spielbereites Instrument zur Verfügung zu haben hätte ich z.B.
A ein komplettes Tonabnehmersystem investieren müssen, da daß eingebaute zum Steinerweichen schlecht war,
B einen neuen rappelfreien Stachel besorgen und einbauen müssen (mit erheblicher Überlänge weil ich 1,87 groß bin und gern die Flexibilität hätte mal im Stehen zu spielen),
C den Schildbürgerstreich von Saitenhalter hätte ich zurechtpfriemeln müssen (durch Konstruktion bedingt stieß er auf die Decke auf),
D brauchbare Saiten,
E Griffbrett abrichten.

Das Instrument hat nicht wie in der Artikelbeschreibung beschrieben einen massiven Ahornkorpus, sondern es ist tatsächlich hohl und hat F Löcher. Ich bin der Meinung daß bei Uprights diese Resonanzräume und das Schwingungsverhalten der Minidecken ziemlich irrelevant für den Klang des elektrisch verstärkten Tones sind, aber eine Gewichtseinsparung ist es schon. Ich hatte ganz stark den Eindruck, daß es sich bei der sehr stark gewölbten Decke um ein in diese Form gebrachtes Presspanteil handelt. Leider konnte ich es nicht zweifelsfrei sehen und wollte der Sache nicht über gebührend auf den Grund gehen, so bleibt dies eine Vermutung. Einen Korpus, bzw. ein Korpusteil aus Presspan zu machen muss aber nicht zwingend ein Negativum sein (Stichwort: Dan Electro Bässe).

Der Steg ist höhenverstellbar, seinen Schwingungseigenschaften scheint keiner seiner Konstrukteure aber irgend eine Bedeutung beigemessen zu haben, er hat weder Herz noch Stegflügel und wirkt wie ein übertrieben grosser Gitarrensteg. Die Saitenabstände untereinander waren riesig und offenbar nach optischen und nicht nach spielpraktischen Gesichtspunkten festgelegt.

Als Zubehör ein brauchbarer Schülerbogen, Geigenkolophonium und eine 9 V Batterie. Offenbar gibt es eine aktive Version, ein Batteriefach ist auch im Korpus vorhanden. Es gibt eine 20 cm zu grosse Tasche, in dieser rutscht das Instrument wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Das Bauteil was die Oberzarge zum Anlehnen ans Instrument simuliert, ist breiter als die Originalzarge meines 4/4 Kontrabasses also sehr klobig. Hierfür gibt es eine Extratasche die man dann wie eine Hutschachtel oder riesen Schminkkoffer separat tragen soll - wahnsinnig praktisch -g.-.

Wenn das Teil aus der Hutschachtel angeschraubt ist (es passte schlecht), erinnerte das Instrument meine Frau und mich ein wenig an die überdachten Kruzefixe und Totenbretterln im Bayerischen Wald. Als Möbel und Urlaubserinnerung wäre der Bass bei uns daher sicher akzeptiert worden aber irgendwo hat der Snobismus bei mir dann doch seine Grenzen, vor allem finanzielle Grenzen.

Thomann reagierte so zügig und korrekt wie ich es bislang immer dort erlebt habe. Umtausch und Geld zurück war kein Thema. Für Kunde und Händler war die ganze Aktion eine reine Luftnummer (Lachnummer) der lachende dritte war zweifellos der Paketdienst.

Roland
Harami Profilseite von Harami, 01.03.2005, 17:27:52
Hallo,

kleiner Nachtrag zum Thomann - Harley Benton: Thomann vertreibt die Teile nicht mehr. Der zuständige Mensch sagte, er habe selbst gemerkt, dass "die Qualität nicht stimmt". Meinen haben sie übrigens wieder zurückgenommen. (kulant, finde ich) Werde mir keinen neuen EUB suchen - seit ich eine gescheite Tasche habe (soundgear), ist mein normaler KB tragbarer als der Thomann je war...

Harald
Christian Klein Profilseite von , 02.03.2005, 00:00:14
Harami hat:
> eine gescheite Tasche (soundgear)

Im Wissen, dass wir uns dem OT-Bereich nähern:
*Bitte um nähere Infos*

Der Grund meiner Begierde:
Mein Kontrabass-Schlafsack ist vom Feinsten, schützt das Instrument nahezu perfekt, hat umgerechnet ca. EUR 800,- gekostet, füllt aber zusammengerollt den halben Kofferraum und wiegt gut die Hälfte (!) eines KB´s.
Nun habe ich verschiedene Standorte und verschiedene KBs, bin also oft auf der Reise - nur (!) mit dem KB-Sack.

Mein Geigenbauer hätte einen leichten Schlafsack um EUR 400,-. Dieser (der Sack, nicht der Bauer) hat aber den Nachteil, dass in die Bogentasche ein Rohr eingearbeitet ist - ergo nur ein französischer Bogen rein passt. Basst.
Harami Profilseite von Harami, 02.03.2005, 11:31:08
Sorry - hatte mich verschrieben: Ich habe eine SoundWEAR-Tasche (Typ Hardwear, glaube ich). Ich habe sie zwar noch nicht gewogen, aber sie schützt gut und mit der Rucksackgarnitur kann man schon mal ein paar hundert Meter vom Parkplatz in der Stadt zur Probe...
Taschen sind natürlich Geschmackssache und eine ganz andere, ewige Diskussion!
Gruß: Harald
Christian Klein Profilseite von , 05.03.2005, 18:01:22
@ Harami: Danke! :-) Palatino, Teil I Vorbemerkungen: 1.) Den versprochenen Bericht kann ich nicht liefern – vielmehr dürfte die "Palatino-Story" zur Fortsetzungsgeschichte werden. 2.) Ich bin der schlechteste Bassist, den ich kenne – aber das Bassieren ist nun mal das Einzige, was ich gelernt habe, drum muss ich meine Brötchen damit verdienen. 3.) Daraus folgt, dass ich überwiegend als Solist (im Duo mit Saxofonistin) tätig bin, und sich mein Bass im Hinblick auf die Gagen nicht in einen Klavier-Drums-Brei mischen kann, sondern exponiert auf weiter Flur steht – als Kombination aus Bass, Rhythmus und Harmonie. Deshalb meine relativ hohen Ansprüche an die Klangqualität. 4.) Ich bin derzeit genau 200 km zu weit von meinem Geigenbauer entfernt – auf Deutsch: ein Achttausender ohne Sauerstoff Dreck dagegen … Nun also zum Palatino VE-500: In den ersten 12 Stunden gab es für mich nur eine Frage: "Sende ich ihn morgen Vormittag zurück oder erst am Nachmittag?" Denn es schien unmöglich, diesem Bass Basstöne zu entlocken. Vier verschiedene Amps scheiterten kläglich daran. Und selbst wenn 250 Watt Bassanhebung endlich ein wenig Fundament schufen, dominierte trotz differenziertem Equalizing die G-Saite (die übrigen Saiten bezeichnete ich als Komplimentärsaiten …). Den ersten Hoffnungsschimmer brachte eine versuchsweise aufgezogene alte A-Saite von Pirastro: plötzlich hat der Bass Bass … Den nach einem überfressenen Cello-Steg aussehenden kleinen Palatino-Steg extrem Richtung Saitenhalter gewinkelt brachte das zweite Aha-Erlebnis. Das aktive PU-Sytem liefert übrigens weniger Saft als passive. A propos: meine anderen Steg-PUs konnte ich nicht verwenden, weil in Saitennähe einfach nichts schwingt, was verstärkt werden könnte, bzw. zu wenig Platz vorhanden ist. Irgendwie aber hatte ich mich schon leicht in den Palatino-Look verliebt … Wie kann ein so hübsches, die Bass- bzw. Gambenformen berücksichtigendes Instrument so grauenvoll klingen? Von Liebe auf den ersten Blick kann also keine Rede sein – aber vor der Scheidung (Rückgabe, Verkauf) wollte ich ihm zumindest ausgiebig unter das Röckchen gucken, ob da nicht tief verborgen Schätze schlummern … 12 Stunden also. Inzwischen sind es 4 Tage … Von Kopf bis Fuß: Die Schnecke (eigentlich ein zu klein geratener Schnecken-Rohling) vermittelt Kontrabass-Gefühle. Die leider schwarz eloxierte Mechanik detto. Leider kann der Palatino nicht auf dem Rücken liegen, weil der Hinterkopf nicht den Boden berührt, sondern die Flügel (Verstimmung und Zerkratzung im besten Fall, Verbiegen oder Bruch im schlimmsten). Der Hals ist erfreulicherweise nicht lackiert. Das sorgt für ein angenehmes Spielgefühl vom ersten Tag an. Solange mensch in den "Orchesterlagen" bleibt, denn die (KB-lange) Mensur ist knallhart: spätestens für das Greifen des 1. Obertons (3. Finger) muss der Daumen seine sichere Position verlassen – was angesichts der Instabilität mangels Berührungspunkten ein riskantes Unterfangen ist. Der Bügel (der den fehlenden Korpus simuliert) wirkt solide und zuverlässig. Der kleine dicke Steg muss viel ertragen, denn der Palatino muss im Liegen wohl oder übel immer wieder mal zur Seite kippen – genau auf den Steg. Autsch. Das PU-System werde ich früher oder später mal modifizieren: Der Kopfhörer-Verstärker ist mehr als entbehrlich – besser wäre es, den winzigen Power-Schalter mit dauerleuchtender LED zu umgehen und das PU-System mit Hilfe der Klinkenbuchse ein- u. auszuschalten (wie bei anderen aktiven Systemen üblich). Sehr lobenswert finde ich, dass der Palatino von Kopf bis Fuß schwingt – und diese Schwingungen kräftig auf alle Finger und die Leistengegend des/der Spielenden überträgt. Korpus, Saitenhalter – alles schwingt. Bis hin zum Stachel. Stachel also: Die überaus kräftige Montage darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Palatino dennoch mit einem Rutsch im Keller sitzt – festes Anziehen empfiehlt sich unbedingt (ich ventiliere eine Art Sicherungs-Splint, denn auf der Bühne im Knien weiter zu spielen erhöht die Gage nicht unbedingt). Der Stachel fungiert aber in erster Linie als Stanze: In kürzester Zeit habe ich es geschafft, in zwei Räumen unzählige tiefe Löcher in den Holzboden zu stanzen. Aber hier ist die Lösung einfacher und billiger als beim Kontrabass: Gummi-Stoppel, die für Krücken verwendet werden, passen haargenau – es gibt sie in vielen Formen und Größen, und sie kosten fast nichts (verglichen mit den US-Kugeln für den KB). Beim Saitenhalter allerdings überfallen mich längst verdrängte Erlebnisse: Mein Meisterbass war ursprünglich mit einigen Novitäten behaftet. Eine dieser glorreichen Neuerungen war ein extrem dünner Saitenhalter und ein extrem dünner Draht. Weil das für die Resonanz gut ist. Das war auch tatsächlich eine gute Resonanz, als der dünne Draht nächtens riss, den dünnen Saitenhalter quer durch´s Zimmer schleuderte und in tausend Stücke brach. Seither schwingt der Meisterbass ohne Meisterdraht – auch ganz gut. Ich hoffe, dass meine Traumata angesichts des Palatino sich nicht wiederholen: An einer dünnen Ausformung der Zarge ist mit einer einzigen dünnen Gewindeschraube ein dünnes Blättchen montiert, das den Saitenhalter hält, der aus dünnem Draht Lyra-ähnlich geformt ist. Die Werks-Saiten haben ja nicht viel Spannung, aber wenn hier mal ein strammerer Bezug … Schutzbrille. Noch schnell zur Tasche: passt wie angegossen, ein großes Außenfach, das auch den Bügel aufnimmt. Die Tragegurte sind leicht kopflastig montiert, was bei Wüstenwanderungen weniger stört, da aber KontrabassistInnen prinzipiell auf engen Wendeltreppen wandeln … Und zur Haltung: Wie oben erwähnt, "übe" ich seit Wochen die "Ein-Punkt-Haltung im Stehen", was sich bezahlt macht, da der Palatino … sagen wir mal so: Beim Stimmen hält eine Hand den Bogen, die zweite Hand dreht an den Wirbeln, und die dritte Hand hält das Instrument. Aber das ist nur Übungssache – ich bin schwer auf dem Weg zur Besserung. Nun also mein vorläufiges Resumee: Was ich bisher verschwiegen habe, ist der Klang beim Arcospiel: Mit Sicherheit habe ich die Mehrzahl der jemals geborenen Tonabnehmer/Mikrofon-Systeme gekauft, gespielt – und wieder verworfen. Der gestrichene Palatino stellt nicht nur alles in den Schatten, was ich mir jemals am Kontrabass erträumt habe, sondern entfaltet unter dem Bogen einen Ton … mit samtig-weichem Timbre reagiert er auf kleinste Nuancen der Finger und der Bogenhand, jede bogentechnische Finesse quittiert er mit sanftem Wohlklang, verdutzt blickt mensch nach unten, ob hier tatsächlich ein körperloses elektrisches Instrument werkt! Das ist unglaublich und sensationell! Das tönt nicht nur, das jubelt! Begeistert kramt mensch nach Literatur, spielt bis zum Ende des Griffbretts, schwelgt jenseits von Raum und Zeit, und lässt die Geige singen. Einschränkungen leider: auf der E-Saite wird wegen des rechten Knies der Bogen auf ein Frosch-Drittel reduziert, wer sich solistisch in die G-Saite verbeißt, streicht den Klinkenstecker mit, zweistimmig, fädelt unter dem Kabel ein, beginnt zu stricken. Aber auch hier meine ich: Übungssache. Dass der Eifer schon mal drei Saiten erwischt, liegt an der unzureichenden Steg-Rundung. Geigenbauersache. Was also ist der Palatino? Liebe auf den ersten Blick? - Sicher nicht. Ein wenig verliebt? - Vielleicht. Eine große Zukunft für die Lebensgemeinschaft? - Vermutlich.
Rolle Profilseite von Rolle, 12.11.2005, 00:44:07
Danke für deinen Beitrag, den ich (auch wenn ein paar Monate zu spät) voll und ganz bestätigen kann. Auch wenn ich bis jetzt noch keine Zeit hatte, verschiedene Verstärker auszuprobieren, ist mein erster Eindruck: Bogen hört sich "amtlich" an - zupfen über diesen Pickup niemals! Ist vielleicht ein Systemfehler, da ich mit dem Teil Blues spielen will ... aber zur Not kommt da ein magnetischer Schaller dran und gut (sorry, ist halt "lauter" Blues).

Weniger gut ist, dass ich meinen Palatino zurücksenden muss, da der Hals "schief" (aus der Flucht) eingesetzt wurde, was bei KB-Mensur logischerweise erheblich unschöne Auswirkungen hat. Ich hoffe, das klappt alles, dass ich mit den "Feintuningarbeiten" beginnen kann.

Hast (bzw. spielst) du diesen Bass noch? Welche Änderungen hast du vorgenommen? Saitenempfehlung?

Bässte Grüße,
Rolle
Christian Klein Profilseite von , 14.11.2005, 00:12:38
Hallo Rolle, ja doch, der Palatino spielt noch mit mir! Er ist inzwischen zu meinem Zweit-Bass avanciert. Mit einem netten KB ist er natürlich nicht zu vergleichen - aber wer vergleicht schon ein Cabrio mit einem Kleinbus? Zu meinen (teils irrwegigen) Modifikationen ist hier ein Wenig zu lesen: http://www.talkbass.com/forum/showthread.php?p=2054891#post2054891 Anmerkung zum PU: Vor vielen Monaten schon habe ich erfolgreich auf das (billige) ebay-Piezzo zurückgegriffen, alle Original-Elektronik entfernt - und die vielen unschönen Löcher im Korpus noch immer nicht gestopft ... Anmerkung zum Bügel: Ich habe ihn vergessen, und vergessen, wo er sich versteckt hält ... Anmerkung zu den Saiten: An der Besaitung (fast 10 Jahre alte Orchester-Schnüre) hat sich bis heute auch noch nix geändert ... Anmerkung zu mir: Ich werde mich bessern ... Anmerkung zu den Anmerkungen: Spielen (also mich öffentlich blamieren und dafür homöopathische Gagen kassieren) ist so zeitraubend, dass diverse Besserungen auf der langen Bank liegen.
Neuester Beitrag Rolle Profilseite von Rolle, 14.11.2005, 21:11:04
Hallo Christian!

Vielen Dank für die Info - hätte nicht gedacht, dass auch der Steg so ein Bösewicht ist (obwohl, Höhenverstellung mit Plastikschrauben war mir schon irgendwie suspekt).

Schaun wir mal, ob meine Reklamation beim Vertrieb Erfolg hat und ich ein -zumindest in Grundzügen- spielbares Instrument erhalte.

Ich denke schon, dass ich meinen Palatino für Blues hinkriege (und als E-Bassist damit sicher auch besser klar komme, als mit meiner "Omma").

Bis dann (und schönen Gruß ans Rest-Forum)

Rolle
AlexderK Profilseite von AlexderK, 13.11.2005, 14:23:38
ach diese beschissenen billigteile. (entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise...)

kann ja echt keiner gebrauchen. um 2000 euros kriegt man gute EUBs aus kleinen werkstätten, handgebaut und sinnvoll.

soviel kostet ein palatino dann auch wenn er erstmal ein gutes griffbrett (min. 1000 euro), neuen steg und stimmstock (300 E) und gewisse feinjustierungen wie Saiten und pickup (300E?) hat.

Also bitte tut euch und den fähigen leuten in den werkstätten einen gefallen und kauft euch was vernünftiges. und bitte keinen yamaha slb, der ist laut meinen infos genausogut durchdacht wie die ganze elektro akustik schine von yamaha.

Also: gleich gut investieren, freude haben und keinen frust.

Alex
bassknecht Profilseite von bassknecht, 13.11.2005, 18:54:16
@ Alex

Das sind alles gut gemeinte Ratschläge, letztendlich aber ebenso pauschale wie subjektive Ansichten und unausgegorene Theorien (Zit:“laut meinen infos...“).

2000 Euro für einen angeblich handgemachten EUB halte ich ebensowenig für angemessen wie 3500 für einen upperclass EUB. Unabhängig von Preisdifferenzen weiß ich, daß die mir bekannten Geräte kleinerer Hersteller mir konstruktionsbedingt nicht zusagen, ich weiß daß, weil ich einen grossen Aufwand an Zeit und Fahrerei investiert habe um mir mein eigenes Bild zu machen. Ich habe die für mich passende Lösung irgendwann gefunden, trotzdem fällt es mir im Traum nicht ein, pauschal ein bestimmtes Marktsegment hervorzuloben oder irgendwovor zu warnen. Ich möchte niemanden in die Versuchung bringen sich die persönliche Erfahrung und künstlerische Entwicklung zu versagen, die die Suche, selbst ein Fehlkauf mit sich bringen kann. Musik machen habe3 ich zeitlebens als teuer und zeitaufwändig erlebt, wie sollte man sonst die astronomischen Musikergagen und horrenden Musiklehrerhonorare erklären?

EUBs die individuell zufrieden stellen und direkt Freude statt Frust machen sind nicht leicht zu finden, das Problem von unangemessener Überteuerung ist permanent präsent, wer sich auf pauschale Aussagen irgend welcher Leute verlässt und sei es hier im Forum, hat schon verloren.


Roland
bigintelligence Profilseite von bigintelligence, 13.11.2005, 20:22:53
Da gibt's doch auch diese unter Musikern sehr häufig (oft in chronischer Form) anzutreffende Krankeit namens "GAS" (Gear Aquisition Syndrom)??!!!, die alle Gagen auffrisst.
Christian Klein Profilseite von , 14.11.2005, 00:21:59
Sollte jemand nicht wissen, was GAS ist - hier die vollzitierte Online-Übersetzung.
Alles klar?


------- Zitat -------

Vermeiden Des ZahnradcErwerbscSyndroms

Durch Brett Ratner

Alle Sie haben den Werbungen gesehen, wo irgendein celebsportin ' ein weißer Mustache sagt "erhaltene Milch?",

Unter meinen musikalisch-geneigten Kohorten haben wir geändert, daß die Phrase, um zu lesen "erhielt GAS?", Zahnraderwerbssyndrom (GAS) ist eine allgemeine Krankheit, die besonders unter gefunden wird, aber nicht zu, Guitarrenspieler begrenzt ist. Eine lose Definition des GASES würde das obsessive und vernunftwidrige Pferd sein, das von der musikalischen in Verbindung stehenden Ausrüstung handelt oder kauft.

GAS ist NICHT die gleiche Sache wie sammelnd. Tatsächlich finden viele Leute, daß das Sammeln der Instrumente so viel eine Freude wie ist, sie spielend (besonders wenn Sie die finanziellen Mittel haben zu sammeln).

GAS unterscheidet sich dadurch, daß die compulsive Notwendigkeit "tweak Ihre Anlage" den Wunsch ersetzt, als Spieler zu verbessern, bestehen Musik, Aufzeichnung, (und wenn Sie Aspirationen von professionell spielen haben), Suchvorganggigs. Ein anderes allgemeines Merkmal einer Gas-zugefügten Einzelperson ist die Tendenz, in einem tadellos guten Stück Ausrüstung für ein scheinbar wünschenswerteres Stück der Ausrüstung (häufig an einem Verlust des Geldes) und der neueren Reue impulsively zu handeln die Verhandlung.

Der Zweck "des Vermeidens des Zahnraderwerbssyndroms" ist, entlang Wissen zu überschreiten, daß dieser Journalist die harte Weise erlernte (mich hatte auch GAS). Das heißt, hoffnungsvoll kann diese Spalte "Versuch und Störungs" Erwerbe und außer Ihnen beseitigen bilden Geld und Streit, indem sie Ihnen helfen, dauernd, erzogene Erwerbe (und bilden Sie sie auf dem ERSTEN VERSUCH). Das Ziel hier ist, Material, daß Sie mit und glücklich sind Marken zu erhalten, die Sie gutes... nicht Material klingen, Sie in sechs Monate leeren wünschen.

Ein anderer Nutzen des gebildetem Kaufens ist, daß Sie eine feste Grundlage für Ihre Instrumenteinstellung erzielen. Dieses gibt Sie bis zum zusätzlichen Zahnrad des Kaufes gerade für den Spaß von ihm frei (gegen ein dringendes Bedürfnis, Ihren Ton bis zur Gleichheit zu erhalten). Z.B. als ich schließlich auf einer einzelnen Guitarre und einem einzelnen Ampere abrechnete, die ich mochte, "brauchte" ich nicht, nichts neu zu erhalten. So wurde ich zum Punkt befreit, in dem ich Spaß gerade haben könnte Pedale (cuz I sammelnd "gewünscht"). Jemand anderes kann eine bestimmte Ampere- und Pedalanordnung andererseits entdecken, die arbeitet und so gibt ihn oder sie frei, um Guitarren zu sammeln. Der entscheidendere Punkt ist, daß, eher Sie darstellen aus was arbeiten für Sie und Stock mit ihm, schneller Sie auf dem Werden an bewegen können ein besserer Spieler.
Harami Profilseite von Harami, 14.11.2005, 10:33:45
Ich liebe den Babelfisch... hier der Original-Link: http://gas.guitarforum.net/avoidinggas.htm
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