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alter DDR-Kontrabass. Restauration lohnenswert?

> Kontrabass-Schule von Gerd Reinke

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Erwins_Cat Profilseite von Erwins_Cat, 03.04.2015, 16:33:53
alter DDR-Kontrabass. Restauration lohnenswert?
Hallo!

ich bin in Besitz eines alten, wahrscheinlich DDR-Kontrabasses gekommen von meinem Nachbarn. Er stand vorher rund 25 Jahre im Flur rum und er ist mir das erste Mal als Kind aufgefallen, als meine Familie bei ihm Urlaub gemacht hat.
Wie auch immer. vor zwei Wochen ist mir die Kindheitserinnerung wieder in den Kopf gekommen und ich habe meinen Nachbarn nach dem Verbleib dessen gefragt. Der Kontrabass lebt noch und stand nur rum. Er hat ihn damals zur Wende von einem Freund zum runden Geburtstag bekommen. Und der Freund wiederum hat ihn von einem Freund der beim Polizeimusikkorps Karl-Marx-Stadt musiziert hat. Zwischen den Zeilen würde ich raten, dass der Kontrabass im Chaos der Wende aus dem Inventar des Polizeikorps "gestrichen" wurde. Zumindestens können beide kein Instrument spielen und ein Kontrabass ist schon ein eher exotisches Geburtstagsgeschenk.

Zum Kontrabass: In ihm klebt kein Zettel und ich habe auch sonst nix gefunden was auf seine Herkunft schließen lässt. Da er wahrscheinlich aus dem Inventar des ehem. Musikkorps stammt und das Vogtland, und somit der Musikwinkel gleich um die Ecke von Chemnitz ist, würde ich raten, dass er dort gebaut worden ist. Über den Qualitätsverfall der Instrumente in der DDR aufgrund von einkassierten Reparationen der russ. Besatzung kennt man ja ein paar Geschichten, auch wenn es nicht auf alle Instrumente der DDR zutrifft. Daher kann ich als Laie erst recht nicht sagen was der wert ist und ob die Reparationskosten den Wert eines Neuinstruments nicht übersteigen. Mein Nachbar hat ihn mir sofort geschenkt und war froh, dass er ihn los war. Auch auf meine Frage hin ob er wirklich nix dafür haben will, hat er abgewunken. Dorfleben eben, hier kennt jeder jeden und Geld spielt hier keine Rolle. Man bezahlt eben mit Vertrauen, Wohlwollen etc. Ich habe aber dennoch ein schlechtes Gewissen so ein Geschenk einfach anzunehmen und möchte ihn über anderen Wege (wenigstens für die Lagerkosten für die lange Zeit :D ) entschädigen.

Der Blick des Laien (ich): Der Kontrabass ist noch ziemlich gut im Schuss auf den ersten Blick. Ich kann keine großen Beschädigungen sehen, die die Spielbarkeit beeinflussen sollten. Der Steg ist verrutscht und hat Lackkratzer hinterlassen, Der Stachel ist verrostet. Die Saiten sind logischerweise nach 25 Jahren schrott. Das Griffbrett ist nicht wirklich abgenutzt, hat noch eine C-Kante. Die Mechaniken drehen sich noch (gut). Der Stimmstock steht noch und der Bassbalken lebt auch noch. Kein erkennbaren Riss im Hals oder im Korpus. Allerdings sieht es an einer Stelle im Innenraum aus als wenn man ein Stück Holz drübergeklebt hätte, lässt sich aber schwer sagen, könnte auch eine starke Maserung sein.

Zu meiner eigentlichen Frage: Können noch "versteckte" Sachen an dem Kontrabass kaputt gehen, die große Reparaturkosten erzeugen könnten? Lässt sich irgendwie einfach herausfinden ob der Kontrabass gesperrt und furniert oder aus Vollholz ist? Kann ich einfach so neue Saiten draufziehen? Was sollte ich beachten wenn ich neue Saiten auf den Senioren aufziehe (den Kontrabass, nicht dem Nachbarn!)?
Ich würde evtl. in nächster Zeit ein paar Bilder hochladen (geht das hier im Forum? ist das hier erlaubt?). Viele Augen sehen mehr als zwei. Gibt es im Raum Leipzig (auch Raum Chemnitz wäre möglich) einen Geigenbauer der sich auch Kontrabässe (gerne und nicht notgedrungen) anschauen könnte und evtl. gleich reparieren könnte? Abschließend wäre ich an dem Wert des Kontrabasses interressiert, auch wenn er sich mit fehlenden Details schlecht schätzen lässt (Bilder kommen demnächst).
Der gute Herr Nachbar will zwar kein Geld, aber er hat demnächst Geburtstag und ist vor kurzem Opa geworden. Und gegen ein Geburtstagsgeschenk kann man sich schlecht wehren.

Für eure Unterschtützung danke ich euch schon im Voraus!
Bigsby Profilseite von Bigsby, 03.04.2015, 17:10:09

Hallo,

die Bassbauer-Liste hat auch einen Eintrag in Leipzig http://geba-online.de/4-646-Friebe-Ekkehard

Ob es sich im einen (teil)massiven Bass handelt, sieht man an den Kanten von Decke und Boden. Bei meinem DDR Bass ist am Boden sehr gut zu sehen, dass er aus mehreren Schichten zusammengeleimt wurde.

Den Stachel und die Saiten solltest du tauschen. Der dicke Draht am Saitenhalter kann gegen ein Synthetikseil getauscht werden, das hat bei meinem halbmassiven Musima Bass den Klang und die Ansprache für ein paar Euro deutlich verbessert. Alles Weitere kann nur der Bassbauer beurteilen, der sich den Bass vor Ort anschaut.

Viel Spaß mit dem Bass!

Uli Profilseite von Uli, 03.04.2015, 22:27:19

Wenn die Oberfläche wie geschnittener Lachs gemasert ist, wirds wohl Sperrholz sein.

Grüße, Uli

kolo Profilseite von kolo, 05.04.2015, 15:14:30

Hallo,

Kar.l-Marx-Stadt ist ja mein Revier ;-) und hier im Bezirk ist Björn Stoll zu empfehlen. Sein Vater ist ein wirklich alter Fuchs und kann da bestimmt eine Meinung abgeben. Reparieren sowieso, was nötig.

Auf dem Weg dahin kannste mich ja mit dem Schätzchen besuchen und wir beschnarchen es gemeinsam ;-) Ist vielleicht ein altes Musima Teil.

Gruß

kolo

 

 

Erwins_Cat Profilseite von Erwins_Cat, 05.04.2015, 23:28:36

Hallo,

ich habe den Kontrabass erstmal wieder meinem Nachbarn zurückgegeben. Das Geschenk konnte ich wirklich nicht so annehmen ohne schlechtes Gewissen. Der Kontrabass sieht nicht wie "geschnittener Lachs" aus und an den Rändern kann man nicht die gesperrten Schichten sehen. Er sollte also massiv sein. Decke und Boden sind zudem gewölbt. Wenn ich das mit den Kontrabässen vom "blauen T" vergleiche, dann habe ich schon eine grobe Abschätzung was der wert sein sollte (minus Reparaturkosten). Ich habe noch andere Musiker gefragt. Die meisten sagten sofort "keine Ahnung". Einer sagte pauschal, dass ohne Stempel und bei den Lagerbedingungen auf dem Dachboden (über 40°C im Hochsommer, bis -10°C im Winter)  das ganze "wie Lotto" ist. Mit etwas Glück ein guter Rohling, mit Pech ein schlechter. Wahrscheinlich wären Reparaturkosten durch Bassbauer plus Wert des Basses teurer als ein neuer brauchbarer vom "blauen T", und die Klangqualität des DDR-Basses evtl. auch nicht besser. Er sagte pauschal zum Wert des Basses "Ersatzteillager", was er auf Wert des Hals, Griffbrett und Mechaniken reduziert. Meiner Meinung nicht gerade eine brauchbare Wertschätzung, aber sein Argument mit den Lotto, Reparaturkosten und Preis eines neuen Basses kann ich nachvollziehen wenn er sagt, dass man mit einem neuen auf der sicheren Seite ist.

Mein Nachbar machte leider nicht den Eindruck, dass er für den Kontrabass so "weit" fahren würde bzw. allg. Aufwand betreiben will. Er war ja im grunde froh, dass er ihn los war und als frischer Opa hätte ich wahrscheinlich auch keine Lust. Er wollte nochmal einen Bekannten fragen der mit Antiquitäten handelt, aber ich bin skeptisch, dass dabei eine brauchbare Wertschätzung dabei rumkommt. Ich befürchte, dass der KBass ein weiteres viertel Jahrhundert auf seinem Dachboden die Zeit überdauern wird ...

Ich versuche ihn mal davon zu überzeugen, dass der ungenutzte Kontrabass "totes Kapital" ist und die Lagerung des KBasses in einem nicht-klimatisierten Raum (Dachboden, siehe oben) ihn nicht besser machen wird. Ich glaube ich hätte in dem Fall ein schlechteres Gewissen den KBass so verenden zu lassen als ihn geschenkt anzunehmen ...

janski Profilseite von janski, 06.04.2015, 19:35:52

hi, stell mal ein paar fotos ein, dann kann man vll was erkennen. er muss aber nicht unbedingt nach lachs aussehen, wenn es ein sperrholzbass ist. es gibt auch furnierte, da ist es nicht soo leicht zu unterscheiden. fotografier mal die kanten von schön nahe dran, dann sieht man vll was. die temperaturen müssen auch nicht zwangsläufig zu schäden geführt haben. wenn keine risse oder sonstwelche probleme zu erkennen sind, eifach mal den steg gerade rücken, stimmen und schauen ob er sich spielen lässt und irgendwie klingt. dann kann man weitersehen. - lg janek

Neuester Beitrag Parker1 Profilseite von Parker1, 13.04.2015, 07:40:03

Mein Nachbar machte leider nicht den Eindruck, dass er für den Kontrabass so "weit" fahren würde bzw. allg. Aufwand betreiben will. Er war ja im grunde froh, dass er ihn los war und als frischer Opa hätte ich wahrscheinlich auch keine Lust. Er wollte nochmal einen Bekannten fragen der mit Antiquitäten handelt, aber ich bin skeptisch, dass dabei eine brauchbare Wertschätzung dabei rumkommt. Ich befürchte, dass der KBass ein weiteres viertel Jahrhundert auf seinem Dachboden die Zeit überdauern wird ...

 

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