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Geläufigkeit üben

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Zugeordnete Kategorien: Bogen & Streichtechnik - Üben

phil Profilseite von phil, 03.11.2009, 15:14:07
Geläufigkeit üben

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich suche nach Tipps, wie ich meine Geläufigkeit (ergo: Geschwindigkeit) auf dem KB verbessern kann. Bei den Pianisten gibt es da beispielsweise die Czerny Schule, die darauf fokussiert. Für KB habe ich soetwas noch nicht gesehen.

 

Wie geht Ihr da vor - die fraglichen Stellen immer schneller spielen ( z.B. Metronom nach und nach hochdrehen, oder "rhythmische Pyramide")? Systematisch irgendwie unbefriedigend. Welche anderen Möglichkeiten kennt Ihr?

 

Habt Ihr irgendwelche speziellen Vorschläge für die Verbesserung der Koordination zwischen Bogen und linker Hand (das scheint bei mir eine der hauptsächlichen Bremsen zu sein)? Solche Übungen wie "zuerst Greifen und dann spielen" mache ich schon...

 

Ich bin für Tipps und Anregungen sehr dankbar.

 

Bässter Gruß,

Phil

 

Hen Profilseite von Hen, 03.11.2009, 15:57:01

Möglichst die beiden Komponenten, also Bogen und linke Hand, einzeln üben. Also zB. bei einem 16tel-Lauf jede einzelne 16tel anstatt nur einmal zweimal spielen, dann 3mal (quasi Triole), 4mal, etc.. So bleibt die die Geschwindigkeit für die linke Hand gleich aber die der rechten Hand erhöht sich. Das ganze dann umgekehrt, immer mehr Noten auf einen Bogen nehmen, also die Bogengeschwindigkeit gleich lassen und die linke Hand immer schneller werden lassen. So kann man gut die Komponenten einzeln trainieren. Die Vorgreifübung ist sehr sehr gut, man sollte die bei einer schwierigen Stellen täglich machen (dann haben auch erst die Czernyetüden einen Sinn, ich wurde damit als Kind gequält aber es hatte was gebracht) und das Tempo da auch nach und nach erhöhen. Ansonsten mit Metronom immer ein wenig schneller und schneller üben und möglichst viele Variationen, also Punktiert, in 3er-Gruppen, etc..
Mehr fällt mir nicht ein aber eigentlich reicht das für ein ordentliches Übungsprogramm. Richtig speziell muss man das auch nicht üben, mit zunehmender Sicherheit kommt die Virtuosität ganz von alleine. Viel wichtiger ist der Klang, denn schneller Finger helfen nichts wenns bescheiden klingt. Mein alter Klavierlehrer pflegte immer zu sagen: Geschwindigkeit ist ein Nebenprodukt von Präzision. Und Präzision übt man am besten langsam ;-)

So viel von mir, bin selber gespannt auf weitere Tipps.

Bassist14 Profilseite von Bassist14, 03.11.2009, 19:10:59

 kleine ergänzung zu hens tips:

ich finde es immer sehr ergiebig bei der puntkierten variante sowohl kurz/lang als auch lang/kurz zu üben. das wirft dann noch mal ein genaueres licht auf die ggf. fälligen lagenwechsel

Franziskaner Profilseite von Franziskaner, 03.11.2009, 19:18:54

 Rudolf Kreutzer: 18 Etuden Fur Violine (Double Bass Edition)

...und immer "mit Metronom nach und nach hochdrehen".

Jörn Profilseite von fetti, 04.11.2009, 10:38:03

Eine Frage an die Klassiker: Wie ist denn bei Euch das Verhältnis von Saitenlage zu Geschwindigkeit? In der Jazzgeschichte läßt sich sehr gut nachvollziehen, wie mit der Erfindung der Verstärker die Bassisten bei niedrigerer Saitenlage immer virtuoser spielen konnten, dafür waren sie unverstärkt nicht mehr so laut und haben - für meinen Geschmack - nicht mehr den Groove von den früheren Bassisten gehabt. Muß nicht in der Klassik auch jeder seinen eigenen Kompromiß zwischen Bequemlichkeit der Baßeinrichtung und Sound, Virtuosität und Lautstärke finden?

Hen Profilseite von Hen, 04.11.2009, 11:40:10

Grundsätzlich genauso wie bei den Jazzern. Eine geringere Saitenlage ist einfacher zu drücken und daher kann man sich auf der auch schneller bewegen, besonders in der Daumenlage. Gerade in den letzten Jahre hat sich da ein Wandel vollzogen. Wärend Bassisten der alten Schule (ich denke da an einen Ludwig Streicher) noch aus dem Orcheter heraus mit einer recht hohen Saitenlage Solospiel betrieben haben hat man heute mehr und mehr tiefere Saitenlagen. Das hat verschiedene Gründe, auf der einen Seite sind die Anforderung an Virtuosität extrem gestiegen, auf der anderen Seite ist das Klangideal heute teilweise auch ein anderes. Den wuchtigen, fetten Sound eines Basses mit hoher Saitenlage der mit viel Kraft gespielt wird steht heute ein feiner, differenzierter Klang, der mehr an Cello erinnert als an Kontrabass, gegenüber. Zumindestens ist das mein Eindruck wenn man sich moderne Bassisten anschaut (besonders schön zu sehen bei großen Kursen mit vielen Dozenten). Natürlich ist letzteres durch eine tiefe Saitenlage bedingt auch leiser. Das eigentliche Dilemma ist ja das ein moderner klassischer Bassist heute schwer um mehrere Bässe herumkommt wenn er sich verschieden betätigen will. Im Orchester ist Lautstärke gefragt und deswegen spielt man einen Bass, am besten einen 5-Saiter, in Orchesterstimmung mit einer höheren Saitenlage. Will man nebenbei noch Kammermusik und solistisch spielen dann brauch man mindestens einen zweiten Bass mit einer tieferen Saitenlage für das Kammermusikensemble (denn da isLautstärke nicht so wichtig) und einen weiteren Satz Saiten in Solostimmung wenn man mal solistisch spielen möchte. Dazu kommen ggf. eine Satz Darmsaiten für Alte Musik, vielleicht einen Satzt in einer historischen Stimmung wie der Wiener Stimmung oder Quintstimmung, etc...

Jeder muss da seinen eigenen Weg finden, schauen was er macht und für sich dementsprechend ausrüßten und natürlich, wie du richtig sagst, seinen eigenen Kompromiß schließen. Ich leide unter diesem Problem auch. Da ich noch gerne Jazz mache müsste ich eigentlich 4 Kontrabässe haben!! Einen fürs Orchester (5-Saiter), einen fürs Solospiel, einen für Kammermusik/Jazz und einen Outdoorbass für Jazz-Open-Air-Gigs.. Das ist natürlich völlig unrealistisch später diese Anzahl an Instrumenten zu besitzen, ich möchte das auch gar nicht da man ja nie alle spielen kann. Momentan habe ich 2 Bässe, einen Solobass und einen Sperholzbass-Outdoor-Bass und wechsel (mehr oder weniger) gerne Saiten. Da ich im Solobass einen höhenverstellbaren Steg habe (ein Glück das es sowas gibt) kann ich diesen Bass schnell zum Orchesterinstrument/Kammermusik-Instrument umfunktionieren. Saiten in Orchesterstimmung drauf, Saitenlage etwas höher und los. Aber auch das ist keine tolle Lösung denn man muss es mindestens 3-4 Tage vorher machen damit die Stimmung hällt und sich das Instrument auf die neuen Krafteverhältnisse der Saiten gewöhnt hat (und auch an die neuen Töne). Und eine tiefe Saite hat man dann auch nicht, Extention wäre eine Möglichkeit aber verändert wieder den Sound der tiefen Saite und daher gefährlich wenn man wieder in Solostimmung spielt weil nicht klar ist wie die tiefe Saite dann klingt... Mein Sperrholzbass ist glücklicherweise ein recht guter weil er viel gespielt wurde. So reicht er auch mal für unplugged-Gigs aus, ich nehme dazu immer den Pickup raus und dann klingt der Bass auch recht gut und laut. Aber wehe ich muss den streichen, für Orchester pustekuchen..

Du merkst das du bei mir einen wunden Punkt getroffen hast über den ich stundenlang mit mir selbst schreiben könnte weil ich mit der Situation überhaupt nicht zufrieden bin. Jeder muss selber mit klarkommen, ich habe die verschiedensten Versionen gehört: Alles in Quinstimmung spielen, weitere Kerben auf dem Steg und ein Instrument vom 4-Saiter zum 5-Saiter schnell umbauen, einfach anstatt einer tiefen E-Saite eine C-Saite spielen (also dann die Stimmung C-A-D-G), etc.. Wird wohl immer ein Bassistenproblem bleiben ;-)

Jörn Profilseite von fetti, 04.11.2009, 13:34:49

Danke für Deine ausführliche Antwort. Gitarristen haben das Problem auch: ZigeunerJazz à la Django Reinhardt, ModernJazz à la Wes Montgomery oder Fusion à la Mike Stern fordern sehr unterschiedliche Gitarren. Ich kenne einige, deren Wohnungen Musikgeschäften, CD-Läden und Getränkehandlungen ähneln.

Bassist14 Profilseite von Bassist14, 04.11.2009, 13:37:00

 ganz im gegensatz zu dem pensionierten tvk-orchester-bassisten, der nach dem letzten dienst seinen bass nach hause brachte, woraufhin seine frau entsetzt fragte: was um himmels willen ist das denn?"

Neuester Beitrag nagybögö Profilseite von nagybögö, 05.11.2009, 07:17:39

 @Hen Die Saitenlage lässt sich ja inzwischen ohne Probleme mit Stellschrauben variieren. Ich bin auch kein Fan von den Dingern, aber auf alle Fälle eine pragmatische und bezahlbare Variante. Eine tiefe Saitenlage ist sehr abhängig von der Hohlkehle des Griffbretts. Mein Geigenbauer hat mich extra gefragt, wie hoch bzw. tief meine Saitenlage ist und hat darauf hin die Hohlkehle eingerichtet.

@Phil Meine pianistischen Fähigkeiten sind eher medium, aber Geläufigkeitsschulen a la Czerny oder Hanon fand ich zum davon Laufen. Hauptproblem - relativ bald schaltet Hirn und Musiker auf Sparmodus, weil es so ätzend langweilig ist. Ich habe auf dem Bass angefangen, gezielt mit Orchesterstellen Geläufigkeit zu üben. Auch wenn ich sie zum 1000sten mal spiele, bleibt die tolle Musik im (Unter-)Bewusstsein, die ich damit übe. Meine Favoriten: Verdi Falstaff E-Dur Stelle (ideal zum Einspielen), Verkaufte Braut-Ouverture, Bach 3. Brandenburgisches 3. Satz+Weihnachtsoratorium Tenor-Arie "Ich will nur Dir zu Ehren" aus der 4. Kantate. Für die linke Hand allein Mozart Figaro-Ouverture.

Geläufigkeit funktioniert erst, wenn das Zusammenspiel Finger-Handgelenk-Arm-Schulter stimmt. Deshalb lieber eine Stelle langsam üben aber mit richtigem Bewegungsablauf, als auf Tempo und sich falsche Bewegungsmuster antrainieren. Das braucht Zeit und ist zugegebgenermassen auch nicht immer sehr inspirierend.

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