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Gewölbter oder Flacher Boden?

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Zugeordnete Kategorien: Bassbau

nicelodeon Profilseite von nicelodeon, 04.10.2004, 10:57:59
Gewölbter oder Flacher Boden?
Hi!

Ich wollte gerne mal wissen ob und worin sich ein Kontrabass mit gewölbtem Boden von einem mit flachem unterscheidet. Ich denke, welche Bauweise "besser" ist, kann man so nicht sagen, aber einen Unterschied gibt es doch, oder?
Bassmüller Profilseite von , 04.10.2004, 13:07:02
Hallo, es gibt zu diesem Thema sogar eine Dissertation, die man unter diesem Link findet: http://www.bias.at/Forschung/pdf_dateien/2004_Brown_WEB_Dissertation.pdf Achtung ca. 5 MB Bassmüller
Wolf-Dieter Profilseite von , 04.10.2004, 14:14:19
Danke für den Link. Sehr interessante Arbeit. Gruß, Wolf-Dieter
nicelodeon Profilseite von nicelodeon, 06.10.2004, 09:41:22
Ich bedanke mich auch. So eine ausführliche Antwort hatte ich nicht erwartet. Wirklich interessant.
bassknecht Profilseite von bassknecht, 06.10.2004, 12:21:14
Mit meinem ganz subjektiven Emfinden finde ich Flachbodenbässe von Klang und Anspracheverhalten her angenehmer als Gewölbtbodenbässe.

Nachteil der flachen Böden sind die notwendigen Querleisten zur Stabilität. Die Leimung der Leisten kann sich lösen und dann resonieren und rappeln sie herum. Bei alten Instrumenten drücken die Leisten oft die Zargen auseinander, weil der Schrumpfungsfaktor von Boden und Leisten unterschiedlich ist (der Boden schrumpft stärker). Die Leisten sollen daher nie bis an die Zargen ganz heranreichen (diese Erfahrung hatten alte Instrumentenbauer nicht, da sie ihre Instrumente nie nach 100 Jahren erleben konnten).

Wenn dass gegeben ist und bei der Verleimung genügend sorgfältig vorgegangen wurde, ist sonst aber kein Nachteil. Wenn man im Sitzen spielt und eine Haltung hat bei der man das Instrument von hinten mit einem Knie abstützt ist der Flachbodenbass von dieser Spielhaltung her problematisch aber auch das kann man lösen.

Gruss Roland
Dieter Profilseite von , 06.10.2004, 14:00:14
Natürlich ist meine Meinung auch gaaaaaannnnnz subjektiv, leider muss man das ja in jedem zweiten Satz erwähnen, sonst fühlt sich irgendwer sofort auf den Schlips getreten:

ich GLAUBE, dass Flachbodenbässe schneller und leichter ansprechen als solche mit gewölbten Böden, vorausgesetzt, man vergleicht zwei gut eingestellte und qualitativ vergleichbare Bässe miteinander. Für den solierenden Schnellspieler jeglicher Stilistik mag dies ein Vorteil sein, für den Anfänger ist es meiner Meinung nach einer. Dafür muss man das Geschiss mit den inneren Querlatten in Kauf nehmen und da besagt die Praxis: nach 20 Jahren geht da was kaputt, dann wird eine meist recht teure Reparatur fällig. Dadurch wird der Kostenvorteil beim Bau eines flachen Bodens (deshalb wurden sie erfunden!!!!!) leider wieder nivelliert. Der Rundbodenbass ist aber nicht nur etwas träger und stabiler, er ist in der Regel auch lauter, da das Abstrahlverhalten über den Boden besser ist als beim Flachbodenbass. Runde Böden schwingen besser, es sind ja auch keine Querlatten drin. Das merkt man, wenn man sich mal mit dem Rücken zu einer Wand stellt. Dann wird klar, wieviel beim Bass auch hinten rauskommt und warum es beim Spielen im Sitzen zu Dämpfungen erheblicher Art durch das am Bass angelehnte Knie kommt. Deswegen wird im Orchester ja auch gesessen: es bringt mehr Planstellen!!!! Würden sie stehen, wären 4 schon so laut wie 6 sitzende. Für Ver.Di also blanker Horror. Und, wie schon erwähnt, dies ist meine suuuupppppjekkktiefe Meinung, sie steht hiermit zur Debatte!!
bassknecht Profilseite von bassknecht, 07.10.2004, 01:32:13
Die Dämpfung durch ein am Bassboden angelegtes Knie würde ich nicht so hoch bewerten. Daß was nach hinten abgestrahlt wird muß reflektiert werden um beim User (Publikum) anzukommen. Wenn die Verhältnisse ungünstig sind (z.B. Vorhang an der hinteren Wand) hört niemand etwas von toll schwingenden Bassböden.

Wenn ich öfters mal den Eindruck hatte daß mein Bass in einem bestimmten Raum besonders satt und laut klang, dann lag es bei näherer Betrachtung fast immer am
Fußboden unter dem Stachel und nicht an einer Wand hinter mir. Daher glaube ich, daß Deine Theorie zur Lautstärkegleichheit von 6 sitzenden und 4 stehenden Kontrabassisten eher als Scherz gemeint ist, wenn nicht, dann könnte ich nur sagen "selten so einen Quatsch gehört".

Wenn 4 Bassisten objektiv und messbar gleichlaut oder lauter sind als 6 andere, dann haben sie andere Instrumente / Bögen / Besaitung / Spieltechnik - am wahrscheinlichsten aber ist, daß sie ganz einfach einheitlicher intonieren und besser auf den Punkt spielen.

Daß ein Baß mir flachen Boden schneller anspricht, ist ebenfalls meine Erfahrung, denn durch eine Wölbung ist ein Boden in alle Richtungen viel verwindungssteifer als ein flaches Brett. Wenn etwas schneller anspricht, dann schwingt es bereitwilliger und in diesem Sinne besser als ein träges Resonanzteil.

Die statischen Verhältnisse und die "Schwingungswilligkeit" eines gewölbten Bodens wären anders, wenn, wie in der gewölbten Decke, ebenfalls F Löcher drin wären. Wenn ein Boden besser schwingt als ein anderer, dann scheint mir unlogisch warum der besser schwingende leiser sein soll. Abgesehen von meiner Art der Betrachtung habe ich auch nie die Erfahrung gemacht daß ein Flachbodenbass leiser wäre. Er klingt von der Tendenz her anders, nach meiner Wahrnehmung, mittiger, weicher, satter - aber hier bin ich völlig im Bereich von "Geschmacksache".

Das Geschiss mit den inneren Querlatten kann bei (fast) jedem Gewölbtbodenbass seine Entsprechung durch Geschiss mit dem Bassbalken bekommen. Bisweilen ist / war es üblich den Bassbalken nicht als Latte einzuleimen sondern aus dem vollen Material der Decke stehen zu lassen (herauszumodellieren). Damit wäre man in dieser Beziehung schon mal auf der Gewinnerseite, dann noch einen gewölbten Boden und einen permanent und perfekt klimatisierten Raum und alle wären glücklich. Aber Leben ist, wenn was dazwischen kommt.

Ciao Roland
Dieter Profilseite von , 08.10.2004, 00:07:05
Roland,

does humor belong in music??????
Jörn Profilseite von fetti, 31.01.2017, 20:35:49

Guten Abend,

ich interessiere mich wegen eines Kaufs nochmal für das Thema. Leider funktioniert der Link zur Dissertation nicht mehr. Hat die jemand noch auf der Festplatte und kann sie hier hochladen oder mir mailen?

Vielen Dank und viele Grüße,

Jörn

akustikbass Profilseite von akustikbass, 05.02.2017, 19:51:18

Ich habe zu diesem eine Datei gespeichert im txt Format, ob das die gesuchte Arbeit ist, kan. ich nicht sagen, aber Dir mailen.

Grüße Stefan

 

Neuester Beitrag Bernd_B Profilseite von Bernd_B, 06.02.2017, 20:47:04
Ich will auf keinen Fall Euren, Jörn und Stefan, Austausch hintertreiben, aber
tust Du hier gucken, wirst Du fündig: http://doublebassblog.org/downloads/2004_Brown_WEB_Dissertation.pdf
Ohne das mit statistisch relevanten Stichproben belegen zu können, glaub ich, dass die Varianz innerhalb der Flach- und Gewölbtbodenbässe so groß ist, dass die Bodenwölbung an sich kein nützliche Aswahlkriterium ist. Oder: Es kommt nur darauf an, was vorne raus kommt.


Viel Spaß mit der englischen Lektüre
Bernd
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