GEBA-online

Gesellschaft der Bassisten in Deutschland

www.GEBA-online.de

Gesellschaft der Bassisten in Deutschland



• • • Forum

Kontrabass Quintett Noten!!!! <

Kann jemand etwas zu den SONO MS Bässen sagen

> Capuzzi Konzert in D

Auf diese Beiträge antworten | Zurück zur Liste | Zum neuesten Beitrag springen

Zugeordnete Kategorien: Kauf & Verkauf

Tobi Profilseite von , 17.09.2004, 11:25:51
Kann jemand etwas zu den SONO MS Bässen sagen
Hallo, bei ebay werden von "SONO MS" zur Zeit 3/4-Bässe, vollmassiv und angeblich "deutscher Fertigung in Handarbeit" für ca. 1800 € angeboten. http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dllViewItem&item=3747427164 Kann jemand etwas dazu sagen?. Hintergrund meiner Frage: Ich bin Umsteiger vom E-Bass und suche einen preiswerten Bass mit viel Sustain für reine Jazz- Anwendung. Für mich wäre hauptsächlich ein schöner knurriger verstärkter Jazz-Sound wichtig (so etwa in die Sound-Richtung Eddie Gomez). Kann man evtl. einen Sound mit viel Sustain auch mit billigen (zB. teilgesperrten) Bässen hinbekommen, wenn man Saiten und Saitenlage entsprechend wählt? Hat jemand da mit einem Billig-Bass schon mal Glück gehabt? Meine bisherigen Erfahrungen mit geliehenen älteren Sperrholzbässen waren in dieser Hinsicht enttäuschend. Macht es für den angestrebten Sound irgendwelchen Sinn, es zunächst mit einem 1/2 Bass zu versuchen, was sicher den Umstieg erleichtern würde, oder bekommt man einen gutes Sustain grundsätzlich nur mit der 3/4 Mensur hin? Fragen über Fragen ...
Tobi Profilseite von , 17.09.2004, 11:31:14
Der Link oben funktioniert nicht, hinter ISAPI.dll muß ein Fragezeichen eingefügt werden http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=3747427164
bassknecht Profilseite von bassknecht, 17.09.2004, 13:29:06
Zu SONO MS Bässen kann ich konkret nichts sagen. Was Deine Soundvorstellungen anbelangt, hängst Du den Hammer von vorn herein ziemlich hoch - was nicht unbedingt schlecht ist. Du solltest Dir aber klar darüber sein daß - ich zitiere in etwa Jaco Pastorius - "Der Sound primär mit Deinen Händen entsteht".
D.h. wenn Deine klanglichen Erfahrungen mit geliehenen Sperrholzbässen eher enttäuschend waren, dann ist es relativ wahrscheinlich, daß es auch daran liegt daß Du mit Deiner E - Bassspieltechnik gearbeitet hast - und die funktioniert für den Kontrabass so nicht.

Sustain ist von mehreren Faktoren des Instrumentes und des Verstärkungsequipments also vom Material abhängig. An erster Stelle der Tonsignalkette steht der mechanische Einschwingungsvorgang der Saite. Wenn Du hier z.B. mit der gleichen Kraft wie beim E - Bass greifst, keine darunterliegenden Finger mit aud die Saite setzt und einen virtuos zickigen Saitenanschlag versuchst - dann wird Dein Ton auch mit Eddies Originalequipment wie ein frisierter Schuhkarton und nach permanenten Interuptus klingen.

Was Sustain bei Kontrabässen anbelangt, so stellt sich für mich nicht die Frage "ob das Huhn oder das Ei eher da war".
Es ist für mich immer eine Frage von Kraftaufwand und Koordination die eine Qualität von Sustain ausmacht. Natürlich kann man sich mit entsprechenden Saiten das Leben etwas einfacher machen, aber schon bei der Saitenhöhe gibt es eine Grenze ab der "Tieferlegung" vielleicht höheres Tempo erlaubt aber analog dazu gewisse Soundanteile verliert (wie beim Manta).

Ich bin selbst vor einem viertel Jahrhundert vom E - Bass auf den Kontrabass umgestiegen und habe seit etlichen Jahren immer wieder Schüler die den gleichen Umstieg ebenfalls tun (es werden übrigens immer mehr die umsteigen). Ich habe (im Bereich Jazzpizzicato) die Erfahrung, daß es Sperrholzbässe gibt, die, so sie gut eingerichtet sind, Massivholzbässe vom doppelten Preisniveau an die Wand drücken. Die Grenze ab der man einen wirklich signifikanten Unterschied zwischen Massivbässen und guten Sperrholzbässen bemerkt, liegt meiner Meinung nach viel höher als manche einen glauben lassen wollen.

Vor diesen Erfahrungshintergrund behaupte ich, daß auch bei guten E - Bassisten die umsteigen wollen, die klanglichen Vorteile eines Massivholzbasses sich frühestens nach zwei Jahren Kontrabassspielpraxis zeigen können und dann auch nur bei einem wirklich klanglich überlegenen Massivbass.
Gruß Roland
Jonas Lohse Profilseite von , 17.09.2004, 14:00:04
Auf jeden Fall ist davon auszugehen, dass beiden oben genannten "SONO MS"-Bässen (wie bei anderen Bässe ja auch) durchaus größere klangliche Unterschiede festzustellen sein werden. Falls Du also so konkrete Klangvortellungen hast, kommst Du nicht umhin, den Bass Deiner Wahl vor dem Kauf in Augenschein zu nehmen.
Außerdem gebe ich Roland vollkommen recht: auch für den Klang ist zunächst entscheident, dass der Bass (welcher Güte und Bauart auch immer) gut, also für dich passend, eingerichtet ist.
Tobi Profilseite von , 17.09.2004, 15:31:37
Vielen Dank, Roland und Jonas, für die prompten Antworten! @Roland: okay mit der E-Bass Anschlagtechnik klingts dünn und irgendwie "nach Schuhkarton", das habe ich auch auf meinem Cello bemerkt und mir eine Kontrabass-mäßige Anschlagstechnik schon ein wenig angewöhnt. Mit den schlechten Erfahrungen auf Sperrholzbässen meine ich konkret einen Bass, den ich seinerzeit von unserer Schule ausgeliehen hatte: Der machte trotz (vom Schüler-Taschengeld schmerzreich bezahlter) neuer Saiten im wesentlichen "Plopp" - Die ganze kinetische Energie entlud sich binnen Bruchteilen von Sekunden in einem monströs unförmigen Wellenberg. Daher die Vorbehalte gegen Sperrholz, das damals von halbwegs fachmännischen Kollegen für dieses Schwingverhalten verantwortlich gemacht wurde. Sicher waren da aber noch andere Faktoren im Spiel. Irgendwann durfte ich dann mal bei einem Jazz-Workshop auf einem Edel-Kontrabass spielen - war das eine Erfahrung! Der Ton war unbeschreiblich schön und das Sustain endlos ... Seither lebe ich mit dem Vorurteil "wenn Kontrabass, dann muß man richtig viel Geld ausgeben". Da ich leider nie viel Geld hatte, blieb ich seither beim E-bass. Euren Ratschlägen folgend sollte ich wohl zunächst verschiedene Instrumente testen und nicht bei ebay eine "Katze im Sack" bestellen. Vielleicht findet sich ja auch ein Geigenbauer, der mein 4/4 Cello in Zahlung nimmt ... Vielen Dank nochmal für eure Beiträge, Tobi
Neuester Beitrag bassknecht Profilseite von bassknecht, 18.09.2004, 01:07:16
Hallo Tobi,

ich will noch mal etwas präzisieren, da du viel von Sustain sprichst und (zurecht) davon schwärmst. Was ich deutlich machen wollte war, daß sich auf einem Kontrabass ein "traumhaftes" Sustain nur dann bilden kann, wenn Du mit Deiner linken Hand die Saite stark genug greifst. ("Drücken bis der Saft aus dem Holz quillt")

Der Grund wird Dir als Cellist natürlich klar sein - es handelt sich beim KB um ein bundloses Instrument auf dem bei gegriffenen Tönen die schwingende Saitenlänge durch Einquetschen der Saite zwischen Fingerkuppe und Griffbrett entsteht. Nun ist Deine Fingerkuppe relativ weich, auf jeden Fall weicher als Saite und Griffbrett. Eine immer besser werdende "Definition" der Saitenlänge entsteht mit zunehmenden Druck, weil dann das Fleisch Deiner Fingerkuppen gestaucht wird und dadurch härter auf die Saite einwirkt.

Auf einem bebundeten Instrument geht das wesentlich einfacher, weil der Bunddraht hart ist und einen sehr exakten Punkt für die Saitenlänge ergibt. Auf einem Instrument mit dünneren Saiten (Cello, Bratsche und wie sie alle heißen) geht das im Vergleich zum KB auch wesentlich leichter. Grund ist, die dünneren Saiten haben weniger Masse, nehmen weniger kinetische Energie auf und haben daher weniger Tendenz unter der Fingerkuppe wegzurutschen bzw. die Fingerkuppe als dämpfend zu erleben.

Es gibt in Jazzkontrabassspieltechniken die bekannten "Deadnotes" (das macht man natürlich auch auf dem E - Bass) diese Deadnotes sind gewollt, werden gezielt eingesetzt. Überspitzt gesagt könnte man allerdings ihre Ausführung als den Gipfel von beschissener Greiftechnik beschreiben. Die Saite wird so lasch gegriffen, daß sie nicht mal aufs Griffbrett heruntergedrückt wird. Der Ton macht darum Plopp, ist leise, kaum als definierte Tonhöhe wahrzunehmen und kurz - also das Gegenteil von "traumhaften" Sustain. Ganz ähnlich kann man beim Arcospiel Staccato und gebundenes Staccato erzeugen.

Weil der harte Griff eben so wichtig fürs
Sustain ist und weil das nur durch präzise Technik und Üben zu erreichen ist, ist mir noch kein Mensch begegnet der dies beim ersten Ausprobieren adäquat gekonnt hätte, ob Holzfäller, Schmied oder Gouverneur von Kalifornien.

Was Sperrholzbässe anbelangt will ich nochmal sagen, es gibt durchaus annehmbare Soundqualitäten. Das ist eine Eigenheit bei Kontrabässen und anders als bei den anderen Streichinstrumenten. Es kommt sehr auf die Einrichtung und die Besaitung an, vielleicht sind die Saiten auf dem Schulbass von dem Du schreibst einfach ungünstig zum Pizzspiel. Es gibt ausgesprochene Streichsaiten für Kontrabässe, die würden auch auf einem Edelbass im Pizzicato nicht viel hermachen. Auch das ist anders als bei den hohen Streichern!

Ich denke daß man mit einem guten, gut eingerichteten, gut besaiteten Sperrholzkontrabass von der Preis / Soundqualitätsrelation meistens besser bedient ist als mit "billigen" Massivbässen.

An anderen Stellen im Forum schon tausendmal gesagt, wichtig ist gute Beratung und möglichst viel Auswahl, hier sollte Dir ein wirklich erfahrener Bassist (möglichst mit handwerklichen Fähigkeiten) zur Seite stehen.

Ciao Roland
Kontrabass Quintett Noten!!!! <Zurück zur Liste> Capuzzi Konzert in D

Nur angemeldete Benutzer dürfen Beiträge schreiben. Bitte hier einloggen: LogIn



Zuletzt aktualisiert von Besucher am 17.10.2019, 15:58:18.