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Zugeordnete Kategorien: Jazz

Jörn Profilseite von , 18.11.2007, 14:16:06
Marcus Miller über Walking-Bass
Ich habe auf der Homepage von Marcus Miller eine FAQ zum Thema walking-bass gefunden; siehe unten. Marcus Miller erzählt, daß der große Sam Jones ihm gesagt habe, er habe nicht gewußt, was er auf den alten Wes-Montgomery-Scheiben mache. (Sam Jones spielt mindestens auf „Bags meets Wes!“ und auf „Movin‘ Along“.) Die Wes-Montgomery-Stücke sind harmonisch nicht besonders schwer. Gemessen an Sam Jones ist man offenbar heute päpstlicher als der Papst. Als junger Wilder habe auch ich mich darum bemüht, Stücke wie Giant-Steps bei 300 bpm sauber zu spielen. In der Jazzgeschichte vor Giant-Steps galt "Have you met Miss Jones" wegen der Bridge, II-V-I-Verschiebung in großen Terzen nach unten, als schwer. Die Bemerkung von Sam Jones zeigt, wie hoch mittlerweile das theoretische Niveau im Jazz ist. Mark Levines Schinken: "Jazz-Theorie" ist Standard. http://marcusmiller.com/faq.html?category=1&faqid=17&color=17 Any suggestions for walking bass? I think the most important aspect to walking is the time. If you're into Wes, then I'm sure you've heard Sam Jones. His time to me is serious. On acoustic bass, especially in the days before direct miking, you couldn't really hear all the notes the bass was playing that clearly. The time was what drove the band. Sometimes, on those older records, if you listen closely to the notes the bass players were playing, some of them are kinda crazy. But the time was so good, it really didn't matter so much. Sam Jones once said to me, "Man, I didn't know what I was doing on those old Wes records." I said, "Man, it don't matter! You were swinging your ass off!" Nowadays, acoustic basses are miked and electric basses are equally clear. So now your notes are important too. But I still think the time is the most important. Each great bassist has his own approach to time. Ron Carter, especially in the sixties, played in front of the beat, on top of the time. This created a tension - a good tension especially on the uptempo tunes. Paul Chambers played those groovy mid-tempo Miles tunes a little behind Philly Joe Jones' ride cymbal. This created a different feeling. Philly was pushing and Paul was pulling and it worked. Sam Jones seemed to play more right on the beat, more like you would if you were playing a shuffle with a back beat. So there's not one thing I can tell you except to turn your records up loud so you can feel the way the time is working and see if you can recreate that feeling.
jlohse Profilseite von jlohse, 18.11.2007, 15:12:34
Sehr interessantes und zutreffendes Zitat!
Jörn Profilseite von , 18.11.2007, 15:22:51
Die Bemerkung: "So now your notes are important too." mutet doch schon vorsintflutlich an. Letztlich sagt MM und im Grunde sogar Sam Jones, bevor es Mikros gab, konntest Du auf dem Baß machen, was Du wolltest, solange es grooved. Mit der Haltung würde man heute von jeder Session-Bühne fliegen.
jlohse Profilseite von jlohse, 18.11.2007, 15:48:46
Irgendwie gehört es ja zu den großen Rätseln der Musikgeschichte, ob und wie die Bassisten vor der elektrischen Verstärkung zu hören waren. Wir haben ja in anderen Threads schon oft darüber orakelt und philosophiert, und ganz offenbar hat man den Bass damals wirklich nur schlecht gehört.
Es gibt ein Zitat von Oscar Peterson zu Sam Jones, dass vielleicht ganz gut hierher passt. Peterson bezeichnete mal sein Trio mit Jones als sein bestes Trio. Auf Sam Jones' schlechte Intonation angesprochen, sagte er sinngemäß: na und – aber er swingt!
Neuester Beitrag Basstölpel Profilseite von Basstölpel, 18.11.2007, 17:27:07

Hallo,

das technische Niveau ist sicher seit den spaeten 50ern/fuehen 60ern sehr gestiegen, und das Marcus Miller Zitat stimmt auch im hinblick auf die perfekteren Produktionsbedingungen - heute sind die Leute halt Perfektion gewohnt.

Man sollte aber nicht vergessen dass die oben genannnten Aufnahmen "cutting edge" ihrer Zeit waren - Coltrane sicher mehr als Montgomery. Es gab halt nicht seitenweise David Baker Patterns ueber Coltrane-Cycle-Chords und solche Absurditaeten wie sogar eine vollstaendige Aebersold Folge zu Giant Steps natuerlich in allen Tonarten, braucht man natuerlich, frag mich bloss wozu). Das war damals einfach neu, und ich finde die Aufnahmen aus der Zeit klingen trotz teilweiser Imperfektionen erstaunlich frisch.


Gerade Coltranes weitere Entwicklung und Bassistenwahl  zeigt aber auch, dass einfach nur geradeaus swingen nicht das war, was er eigentlich suchte, und sowohl er als auch Ornette Coleman haben mit Garrison und Haden ja dann auch zwei Bassisten gehabt, deren Qualitaeten nicht unbedingt darin bestehen, mit allen instrumentaltechnischen Wassern gewaschen zu sein.

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