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Kontrabass verstimmt sich sehr sehr schnell

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Zugeordnete Kategorien: Stimmen & Stimmungen - Bassbau

Matze Profilseite von , 17.11.2007, 23:33:04
Kontrabass verstimmt sich sehr sehr schnell
Hallo erstmal

Hab ein Problem mit der "Stimmsicherheit" meines Kontrabasses.
Habe seit einigen Monaten gemerkt, dass sich mein Bass sehr schnell verstimmt und dachte mir, dass es vielleicht an den Saiten selber liegen könnte, weil die bereits 2 Jahre drauf waren und schon einiges mitgemacht hatten. Habe neue Pirastro Original Flexocor Saiten drauf gezogen und hatte gehofft, dass sich nun das Problem von selbst lösen würde. Aber nach 2 Monaten intensiven einspielens der Saiten verstimmt sich der Bass immer noch viel zu schnell. (Z.B. wenn ich 2-3 mal eine G-Dur Tonleiter über drei Oktaven gespielt habe sind die Saiten sofort wieder verstimmt)
Habe schon an meinem Gehör gezweifelt und mir ein Stimmgerät angeschafft,welches aber mein Gehör bestätigte.

Könnte es noch andere Ursauchen für das viel zu schnelle verstimmen der Saiten geben? Oder ist es normal das sich Saiten nach einigen Tonleitern wieder verstimmen?
laoh Profilseite von laoh, 18.11.2007, 02:24:56

hallo,

normal ist es nicht, mögliche ursache das irgendwo offen ist, oder wie man sagt aus der leim.  frage: muss immer nur in eine richtung nachstimmen oder hin und her? (was ich weniger glaube)  wenn der stelle net findest,  möglichst bald ein bassbauer aufsuchen. in moment dürfte noch kein grosse problem sein zu richten.

Gruß

Matze Profilseite von , 18.11.2007, 08:41:01
Es ist eher so, dass der Bass die Spannung nicht mehr hält und immer etwas tiefer wird. Habe es vorallem gestern Abend bei einem Konzert wieder einmal gemerkt. Am Anfang sehr gut vorgestimmt, aber direkt nach der Ouvertüre war er wieder zu tief. Es könnte natürlich sein, dass der Bass sich erst an die Raumtemperatur gewöhnen musste, aber um das aus zu schließen war ich extra zwei Stunden früher da.

Vor 3 Jahren war ich 2 Wochen im Urlaub und in der Zeit war der Bass in seiner Hülle in einer Ecke ( stand nicht direkt in der Sonne), als ich wieder da war, hatte der Lack an der Zarge zur Oberseite leicht Blasen geworfen. Der Bass sah zwar nun etwas lädiert aus (wenn man ihn genauer angeguckt hat), aber ich merkte keine Probleme im Spiel selber oder in der Stimmung.
Kann es nun nach 3 Jahren Auswirkungen gehabt haben?
Ceperito Profilseite von Ceperito, 18.11.2007, 10:22:32

"Kann es nun nach 3 Jahren Auswirkungen gehabt haben?" - Schwer zu sagen, aber, wie Laoh schon sagte, irgendetwas stimmt da nicht. Es könnte sich um offene Leimstellen handeln, es könnte sein, daß sich die Einhängesaite am Saitenhalter dehnt oder löst, es könnte sein daß, falls Du Mechaniken mit Holzwirbeln hast,  diese nicht mehr fest in der Metallmechanik sitzen, es könnte..., es könnte... -deshalb würde ich Dir auch empfehlen, Dein Instrument von einem Bassbauer durchchecken zu lassen. LG von Jan

jlohse Profilseite von jlohse, 18.11.2007, 15:15:41
Wie kann denn sowas ohne Sonneneinstrahlung passieren? Das muss ja kochend heiß in Deiner Bude gewesen sein.
bassknecht Profilseite von bassknecht, 18.11.2007, 13:47:58

Hallo Matze, ich nehme an Du bist kein Anfänger, dann hoffe ich, dass ich Dir nicht mit Binsenweisheiten und langatmigen Erklärungen auf den Senkel gehe. Es ist wichtig, dass sich das gesamte System innerhalb dessen die Saitenzugspannung aufgebaut wird, ständig und komplett unter Zug steht.  Es gibt etliche Elemente die beim Spannungsaufbau an ihre Verformungsgrenze bzw. Streckgrenze gebracht werden, wenn da was schwankt oder sich nicht an seiner betreffenden Grenze befindet wird alles unkonstant und unberechenbar. Neben Hals, Korpus, Steg die auf Biegung bzw. Stauchung belastet werden und hier an ihre Grenzen kommen müssen, sind wesentlich die Saiten davon betroffen. Diese müssen sich solange strecken, bis die Zugspannung nach Erreichen der gewollten Tonhöhe  nicht mehr ausreicht, um die Saite noch weiter zu recken. Dieser Vorgang ist bei neuen Saiten normalerweise sehr vehement, Saiten mit Kunststoffkern verhalten sich da extremer als Saiten mit Stahlkabelkern. Selbst bei Stahlkabelsaiten (Deine Flexocore) kann es normal sei, dass sie sich in der ersten Woche immer wieder um einen ¼ bis ½ Ton verstimmen und sich dieser Vorgang erst im Laufe der nächsten 2 –3 Wochen langsam abbaut. – Daher erste Regel aller Saiteninstrumentalisten „kurz vor dem Gig nie neue Saiten aufziehen“ Profi Ebassisten wie seinerzeit z.B. John Entwhistle sind in diesem Punkt kein Massstab, dieses Fass mache ich hier aber nicht auf. An anderer Stelle von mir schon beschrieben http://www.geba-online.de/forum.php?action=vi ... rch=&search_kat_id=2  Es kann ein riesen Problem sein, wenn die Saiten im Obersattel, bzw. in den Stegkerben unter Zug nicht richtig flutschen. Wenn sie nicht reissen, dann kann ein heftiges Leersaitenpizz dazu führen, dass der höhere Saitenzug im Wirbelkasten die freischwingende Leersaite nachzieht und die Saite wird „Oh Wunder“ höher, kurz darauf wieder tiefer wenn sie sich nachgedehnt hat.Wenn man das Ganze dann noch mit Darmsaiten macht, die an sich schon heftig auf geänderte Luftfeuchtigkeit und Temperatur reagieren, dann wird das Stimmverhalten erst richtig unberechenbar  und man guckt kaum noch durch was da eigentlich abgeht. – Daher weitere Regel für Kontrabasssisten, „Sattel- und Stegkerben unbedingt gut gleitend einrichten, keinen Pfusch hierbei selbst machen und keinen Pfusch vom Instrumentenmacher zulassen !“
Bei zeitgenössischen Kontrabässen hat man Stimmwirbel mit einer mechanischen Vorrichting, dem sogenannten „Schneckentrieb“ bestehend aus „Schnecke“, das ist die längliche Welle mit dem breiten Gewinde und dem „Schneckenrad“, was von Schnecke angetrieben die Haspel, die Achse die die Saite wickelt bewegt. Diese Art von Stimmwirbeln hat man schon früh entwickelt und eingesetzt weil man mit den sogenannten Klemmstimmwirbeln bei den „Zugkräften von Basssaiten“ Probleme bekommt. Im Gegensatz zu den hohen Streichinstrumenten, wo Klemmstimmwirbel bis heute fröhlich Urstand feiern, haben wir daher „vernünftige“ Mechaniken, wenn sie denn den Gesetzen der Mechanik entsprechend verwendet werden. In jeder Art von Gewinde muss Spiel zwischen Schraube (= Schnecke) und Mutter (=Schneckenrad) herrschen, sonst könnte man das Gewinde nicht bewegen, so wie wenn man eine Schraube festsetzt indem man Klebstoff mit hineingibt. Dieses Spiel ist ausgeglichen und nichts bewegt sich,  wenn die Gewindeflanken aneinander gedrückt sind. Genau das ist der Fall wenn Zug auf die Gewindeverbindung übertragen wird. Läst der zug nach, können sich die Gewindeteile gemäss dem Gewindespiel ad libitum bewegen. Übertragen auf die stimmmechanik bedeutet das, dass immer Saitenzug herrschen muss, um das Gewindespiel in Bezug auf die Haspel unwirksam zu machen. Das kann man nur erreichen, wenn man beim Stimmen immer so vorgeht, das die Saite grundsätzlich immer zu tief gestimmt wird und dann vom zu tiefen Ton zum richtigen Ton hingezogen wird, nur dann herrscht immer Spannung um das Gewindespiel unwirksam zu machen. Lässt man eine Saite die zu hoch ist mit dem Wirbel lediglich sacken, dann wird der Schneckentrieb im unpassenden Moment das Gewindespiel ausgleichen und die Saite rutscht zu einem Ton der zu tief ist.

Das ist die technische Erklärung für alles. Die praktische Konsequenz ist, gleitfähige Kerben machen, alle Saiten gleichmässig von „zu tief“ nach „genau“ ziehen. Bei komplett aufzuziehenden Saitensätzen auf möglichst symmetrisch zunehmende Zugspannung achten, d.h. Reihenfolge G, E,D,A stimmen. Langsam anziehen, den letzten Ganzton mit der Hand, nicht mit Saitenkubel o.ä. Konsequent immer von zu tief nach genau stimmen, nie umgekehrt. Saitenende genau am Anschlag des Spaltes im Saitenhalter, anderes Ende schlüssig und Lage für Lage auf die Haspel gespult. 

Natürlich darf die Einhängesaite nicht im Begriff sein sich zu Längen um bald zu reissen, auch wenn die Stachelbirne bzw. der Pöllmannknopf sich gerade aus dem Konus herauszieht wäre das schlecht. Insofern haben meine Vorredner alle Recht.

Die damalige Überhitzung war bestimmt nicht toll für Deinen Bass, wenn der Lack Blasen wirftist das sicher bedenklich.   An Spätfolgen ähnlich Sonnenbrände und ungünstige Lebensführung  wie bei Menschen  würde ich zunächst erst mal nicht denken.
Ciao Roland              

Matze Profilseite von , 18.11.2007, 20:40:53
Euch Allen vielen vielen DANK,

bin froh, dass sich hier sehr fackundige Bassisten befinden, die einem bei Problemen helfen können. Studier jetzt zwar im dritten Semster Kontrabass, aber von "bautechnischen" Begebenheiten habe ich leider noch keine Ahnung. Bisher hatte ich nie Probleme mit meinem Bass und deswegen wusste ich keinen Rat.
Ich glaube, dass es jetzt langsam Zeit wird sich mit mehr mit dem Instrument Kontrabass zu beschäftigen, als nur auf ihm zu üben bzw. zu spielen

Noch mals vielen Dank
laoh Profilseite von laoh, 19.11.2007, 14:40:13
kann nur empfehlen baldmöglischst nachschauen lassen, obwohl das problem sich langsam voranschreitet könnte sich auf ein schlag offenbaren (was mit große wahrscheinlichkeit teuerer wird). weil mehrere ursachen in frage kommen muss man sehen.

gruß
Langisch Profilseite von Langisch, 19.11.2007, 16:20:10

Noch ein dringender Ratschlag:

Überprüfe Deinen Saitenhalter. Ich hatte es selber schon, daß sich entweder eine schlechte Schraubzwinge an der Haltesaite langsam löste, und dadurch in der Spannung nachgab. In einem anderen Fall hatte ich es, daß eine Haltesaite des Saitenhalters sich immer mehr durch das Holz des Saitenhalters durchzog, und ihn irgendwann auseinanderbrechen ließ (Gott sei Dank nicht während des Spielens).

Neuester Beitrag denisdn Profilseite von denisdn, 30.11.2007, 16:25:04

Um mal vom Gegenteil zu berichten: Mein Sperrholzbass stand jetzt eine Woche unbenutzt im zugigen Hausflur und gerade habe ich ihn ausgepackt um meine 16-Stündige Übesession zu beginnen und siehe da: er hat sich nicht um ein Fitzelchen verstimmt! Na, das nenne ich solide.

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