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Besser irgendwas spielen als aussetzen?

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Zugeordnete Kategorien: Jazz

bassau Profilseite von , 19.10.2007, 13:18:28
Besser irgendwas spielen als aussetzen?
Hallo,

ihr Jazz-Bassisten kennt doch sicher auch die Situation, dass man im Combo-Zusammenspiel vorübergehend die Orientierung im Formschema (Akkordfolge) verloren hat und nicht mehr weiß, "wo" man gerade ist. Kommt doch immer wieder mal vor. Ich meine jetzt kein Bass-Solo, sondern als Begleiter (walking).

Was dann tun? 1. Weiter irgendwelche Töne spielen, damit die Timing-Funktion nicht ausfällt? 2. Oder aussetzen? Ich tendiere persönlich zu 1., wobei ich mich dann bevorzugt in tiefen Registern bewegen, wo es nicht so auffällt. Aber wie sehen das andere?
mingorius Profilseite von , 19.10.2007, 14:25:47
erstmal, geile frage und ich finds klasse, dass du den mut hast, dass hier zu fragen!!!!
und ich teile deine meinung - nie und nimmer aussetzen!!!!! spielen und gucken, dass man wieder reinkommt! das kannst du indem du, zum beispiel auf die akkorde hörst oder auf den drummer, der, vorrausgesetzt er hat selber noch die form, den neuen anfang oftmals mit einem fill-in markiert.
wenn du aussetzt bricht 1. alles zusammen (meine erfahrung - da sich jeder auf den bass stützt) und 2. kriegt dann wirklich jeder mit, dass du dich "verspielt" hast. wenn du weiterspielst merkt das publikum wahrscheinlich gar nix und wenn du´s clever anstellst denken vielleicht sogar deine mitmusiker das alles ok ist, weil sie selber mit der form straucheln.
und nicht wundern, dieser "fehler" wird dir noch 1000 mal passieren, bis du ab dem 1001ten male so sicher bist und nie wieder rausfliegst!
so, hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen!
jlohse Profilseite von jlohse, 19.10.2007, 14:54:27
Ich entscheide mich meistens für 1.
Interessant ist auch immer wieder die Frage: was tun, wenn ein Mitmusiker (oder man selbst ...) "umgestiegen" ist – also um ein Viertel verrutscht ist? Mit umsteigen oder stur durchhalten?
bassau Profilseite von , 19.10.2007, 16:00:42
schön, dass ihr das auch so seht mit dem "Weiterspielen"!
Mit dem "Wieder reinkommen": Das "auf die Akkorde hören" sehe ich auch als den Weg. Ich kann die Akkorde auch gut hören und finde schnell wieder zurück, wenn ein Pianist dabei ist. "Leider" spiele ich oft in einer Formation ohne Pianist, nur mit einem Gitarristen als Harmonie-Instrument. Und die Gitarren-Akkorde nehme ich irgendwie undeutlicher und unklarer wahr als wenn sie vom Klavier gespielt sind...

Zum Thema "verrutschen um ein Viertel": Da hilft nach meiner Erfahrung Blickkontakt sehr viel, dann kommt man eigentlich fast automatisch wieder zusammen.
uprightman Profilseite von , 19.10.2007, 16:17:03
ich rate auch dringendst zum weiterspielen. hauptsache es blubbert irgendwie weiter und der bass bricht nicht ein. einen falschen bass verzeihen wirklich die meisten "ungeschulten" zuhörer. den einbruch bemerken alle. ist mir trotzdem übrigens nach vielen jahrern beherzigung vor kurzem passiert , dass ich tatsächlich komplett aufgegeben habe (schande über mich), da wurde urplötzlich ein tune eingezählt den ich nach 2 takten komplett vergessen hatte. da war keine chance irgendwas ähnliches weiter zu spielen, es war alles weg und ich in der falschen tonart noch dazu ... meine güte ... ich nehme ein zweitaktige pause, es wird warm, die ganze band lacht lautstark ... danach war's wieder da. aber die bass-pause war mir noch einen song lang peinlich!
upright
Ceperito Profilseite von Ceperito, 19.10.2007, 17:22:53

ich tendiere auch zu 1. wobei ich konsequent solange chromatisch in den tiefen Registern rauf und runter spiele, bis ich mich wieder im Schema zurecht finde. LG Jan

bassatuba Profilseite von bassatuba, 19.10.2007, 18:48:12

Ich spiele weiter, allerdings leiser und mit "dead notes": ich drücke die Saite nicht bis aufs Griffbrett und lasse sie auch nicht frei schwingen, so dass keine klaren Töne hörbar werden, wohl aber der Rhytmus.
In Riffs und i m 4/4 Walking ist mir fast immer klar wo ich bin und mit dem Schlagzeuger zusammen bringen wir die Band rasch wieder auf Kurs. Schwieriger wird's bei ungeraden Rhythmen oder wenn wir ungerade Rythmen in einer kleinen Formation ohne Schlagzeug/Perkussion spielen und dann eine rhythmische Verschiebung eintritt. Dann passe ich mich an die im Moment führende Stimme an, so schnell als ich es schaffe.

zwengelmann Profilseite von zwengelmann, 20.10.2007, 01:23:54

Weiterspielen! Und wie Ceperito schon schrieb, immer schön chromatisch bleiben oder pentatonisch, was ich vorziehe. Da kann man erstmal nichts soooo falsch machen.

Meist sind ohnehin nicht wir Bassisten/innen das Problem, und das ist fest in den Köpfen verankert. Wenn man plötzlich mit roter Birne dasteht wird man doch meist besorgt gefragt: "Du siehst aus, als hättest Du einen Regenwurm verschluckt. Haben wir irgendwas falsch gespielt?"

Wenn schon jemand anderes ein Schuldbewußtsein zeigt, sollte man doch besser die Klappe halten. Also immer cool bleiben, dumm gucken und einen guten Eindruck hinterlassen. Und anschließend zu Hause verdammt noch mal üben, üben, üben dass das nicht mehr vorkommt!!!!

Zwengelmann

Marcel Profilseite von Marcel, 23.10.2007, 14:36:06
Schöner alter Trick, der leider fast nur bei funktionsharmonischer Musik funktioniert: Pedals! Im Blues funktioniert die Dominante immer, bei Stücken mit Modulationen sollte man dann aber schon noch ungefähr wissen, in welcher Tonart man sich aufhält. Hilft aber, kurze Strecken zu überbrücken, wenn man die genauen Changes nicht mehr weiß ;-)
Marcel Profilseite von Marcel, 23.10.2007, 14:37:23
Oh, by the way: Das klingt meistens auch noch gut, auch wenn man ganz genau weiß, wo man gerade ist, und man bringt durch die sich aufbauende Spannung den Trommler meist dazu, am Anfang der nächsten Form ne schöne dicke EINS zu spielen.
Basstölpel Profilseite von Basstölpel, 23.10.2007, 19:24:49

Wenn es um Jazz und eine Auftrittssituation geht, ist es sicher am besten weiterzuspielen.

In der Freien Improvisation ist eher der Trick, nicht zu spielen, bis man wieder etwas hoert wozu einem was einfaellt. Ich kann freie Improv absolut empfehlen in dieser Hinsicht - schult sehr das aufeinander hoeren, sowie sehr genau und spezifisch zu sein mit dem was man spielt, also nicht leere Klischees runterdudeln im Autopilot, was ja am Anfang im Jazz die Gefahr ist. Viele Leute in den Klassik-Hochschulen empfehlen heute hier (UK) sich mit freier Improv auseinanderzusetzen - unabhaengig ob man sich darauf spezialisieren will. Kann mir vorstellen dass das fuer Jazz auch ganz gut sein kann.

jens Profilseite von jens, 26.10.2007, 19:22:37

Je nach tune Tonika oder meistens Dominant pedal. In 4 oder auf 2 und 4. Chromatik nach gehör rücken. Das geht immer. Wenns scheisse klingt ist der nächste richtige ton einen Halbton entfernt.

Bei manchen (latin) stücken kann auch ein dominant-riff helfen.
Dazu mit flehenden Blick die Kollegen anschauen. Jeder kann helfen, der Solist indem er das thema zitiert, die Harmoniestimmen durch klare Voicings, der Drummer in dem er die Form Makiert.
Wenn man alledings auf der Session von Einzelkämpfern umgeben ist wirds schwierig.
Und zugegeben, bei manchen Stücken hat man keine chance, besonders wenn man sich das sheet nicht vorher angeschaut hat und auf einmal irgendwas unsymetrisch ist. Hat der B Teil 7 Takte und einer fühlt das es 8 seien müssten, weil er das stück nicht kennt, dann kann man auch verlohren gehen obwohl man eigentlich die richtigen töne gespielt hat...
Aufhören geht meiner meinung nach auch. Kann sehr gut wirken. Es muss halt nach Absicht klingen. Manchmal kann man der Band dann auch eine neue 1 aufzwingen, wenn sich durch das eigene Aussetzen ein offenes Solo ergibt. Drummer anschauen, wenn der mitmacht ist klar das JETZT die Form beginnt.

 

Neuester Beitrag tubass Profilseite von tubass, 13.12.2007, 01:03:11

Ohren auf, Leadsheet / Realbook zu!

So findet man immer die richtigen Basstöne, oder  auch die Schweigeminuten (mit offenen Ohren).

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