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Lackierung eines Kontrabasses - Von Stefan Berger

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Ein Kontrabass wird neu lackiet


Einige Monate nachdem ich "meinen" Bass endlich gefunden hatte, bemerkte ich, dass mir zwar alles an dem Instrument gefällt, der Optik jedoch der letzte Schliff fehlte. Meine Idee: Der Bass muss neu lackiert werden. Ich erhoffte mir nicht nur ein äußerlich interessanteres Instrument, sondern natürlich in erster Linie eine klangliche Verbesserung.

Neben Tipps von Instrumentenbaueren, anderen Bassisten und Lackierern besorgte ich mir also Geigenlack (Farb-, Grund- u. Überzuglack), Wasserbeize, Polieröl, 2 Pinsel, Verdünnung, Beizeschwamm und ein paar Kleinigkeiten von einem Geigenlackhersteller, Abbeizer und Sandpapier aus dem Baumarkt.

1. Vorbereitungen

Saiten, Steg, Saitenhalten, Tonabnehmer und Mechaniken mussten natürlich abmontiert werden. Griffbrett und Obersattel wurden abgeklebt. Auch sämtliche Klebestellen müssen geschützt werden, da der Abbeizer auch Leim angreifen kann. Der Stimmstock muss seinem Schicksal überlassen werden. Ein Holzbock schien mir für die folgenden Arbeiten als geeignet, da der Bass mit der Zarge stabil anlehnen konnte und von allen Seiten bestens zugänglich war.


2. Den alten Lack entfernen

Der erste Versuch, den Nitrolack herunterzubekommen scheiterte, nachdem ich mir nach 2 Stunden Schleifens von Hand eine dicke Blase am Daumen zuzog. Ich bekam gerade einmal die linke Oberzarge blank, als ich diese Idee wieder fallen ließ. Der Abbeizer aus dem Baumarkt war da schon etwas weniger anstrengend. Im gut belüfteten Kellerraum war die intensive Geruchsentwicklung halbwegs erträglich. Nacheinander wurden auf Decke, Boden, Zargen und Schnecke mit dem Pinsel  Abbeizer aufgetragen. Jedesmal rund einen halben Tag Einwirkzeit. Sobald sich der Lack löste, konnte er mit dem Spachtel abgeschabt werden. Nach etwa 5 Tagen war der Bass blank. Nun folgte noch ein intensives Abschleifen mit 180er und danach 400er Schleifpapier.


3. Wasserbeize

Mit Wasserbeize und Beizeschwamm wurde der weiße Bass gebeizt. Dies dient dem ersten Einfärben des Holzes und der Hervorhebung der Jahresringe. Die Wasserbeize riecht kaum und ist - im Gegensatz zu Lack und Abbeizer - gesundheitlich unbedenklich. Die Wasserbeize verändert an Licht ihre Farbe. Ist der gewünschte Ton erreicht, muss also sofort der Grundlack aufgetragen werden. Nach 2 Schichten mit jeweils einem Tag Trockenzeit war das Instrument bereit für den Farbanstrich.
Interessanterweise blieb der Stimmstock bis zu diesem Zeitpunkt stehen, hat sich dann aber letztendlich doch gelöst...


4. Farblack

Mein Plan sah wie folgt aus: Gelb grundieren und dann schwarze und braune Schatten dicht darüber. Nach zwei Schichten gelb mischte ich braun und schwarz mit gelben Nuancen und trug Schicht für Schicht auf. Will man ein wirklich dunkles Instrument, müssen sehr viele Schichten (>8-10) dunklen Farbtons aufgetragen werden. Ich wollte den Lack jedoch aus klanglichen Gründen relativ dünn und leicht halten, daher ließ ich von meinem ursprünglichen Plan ab und benügte mich mit einem etwas helleren Anstrich. Ich hätte beinahe nach der zweiten Runde Gelb abgebrochen, da mich das Ergebnis bereits im Frühstadium fast sabbern ließ...
Die Schattierungen erhielt ich, indem ca. 8 qcm große Farbkleckse mit dem Pinsel aufgetragen und anschließend behutsam verwischt wurden.

Vor jedem Anstrich muss das Instrument sauber trocknen und mit Tripel (feinster Schleifsand) und Wasser geschliffen und anschließend vom Staub mit Pinsel oder feutschtem Tuch gereinigt werden!


5. Überzug, Schleifen und Polieren

Als ich mit dem Ergebnis weitgehend zufrieden war, folgte der Überzuglack. Ein Anstrich genügte mir, emfohlen werden zwei bis vier. Darauf folgte das Schleifen mit Tripel und Polieröl. Man erhält so einen schönen matten Glanz. Hochglanz kann durch Glanzpolitur erreicht werden, ich bevorzugte allerdings Ersteres. Die Trockenzeit des Lacks verlängert sich mit der zunehmenden Anzahl der Farbschichten. Es ist also Geduld gefragt. Wer ein dunkles Instrument favorisiert, muss also unter Umständen bis zu 6-8 Wochen einplanen.

Meine Arbeit war nach rund drei Wochen beendet. Zum Schluss wurden die Mechaniken wieder angebracht. Wegen des gefallenen Stimmstocks musste das Instrument noch zwei mal beim Geigenbauer übernachten, dann wurden die Saiten wieder aufgezogen und Musik gemacht. Das Ergebnis: Fantastisch! (Blöderweise habe ich den Stimmstock nicht nur aufrichten, sondern gleich neu einpassen lassen und kann nun nicht genau sagen, ober er oder der Lack an der nicht zu leugnenden Klangverbseserung Schuld ist. Fest steht: Der Aufwand hat sich gelohnt!

Ich hätte im Vorfeld nicht erwartet, dass mir mein Vorhaben so sehr glücken würde. Ich habe selbst keine Lackiererfahrung und habe beim Lackieren auch, von Ratschlägen im Voraus abgesehen, keine fremde Hilfe in Anspruch genommen.

Was vielleicht noch interessiert: Die Kosten für Lacke, Verdünnung, Pinsel, Polituren, Tripel und Zubehör beliefen sich auf 190,- Euro, die zwei Flaschen Abbeizer kostete insgesamt 28,- Euro und der neue Stimmstock 60,- Euro. Reine Arbeitszeit (ohne Trocknen) ca. 30 Stunden.

Sollte jemand ein ähnliches Vorhaben planen, stehe ich gerne für weiter Tipps, wie Auskünfte über Hersteller, etc. zur Verfügung.  E-Mail senden
In meinem Eifer habe ich vergessen, ein Foto der Basses im Urzustand zu schießen. Der Lack war knallig rotbraun ohne Varianten, hochglänzend.


Stefan Berger
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Zuletzt aktualisiert von Meyer-Eppler am 10.11.2006, 20:55:57.