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Neubau eines fünfsaitigen Kontrabass

> Interviews mit den Bassisten der 50er/60er Jahre

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ErwinKruft Profilseite von ErwinKruft, 01.08.2017, 15:59:22
Neubau eines fünfsaitigen Kontrabass

Liebe Gemeinde,

nach Jahren der Tätigkeit in Laienorchestern habe ich beschlossen, meinem bisherigen Viersaiter einen neuen Fünfsaiter zu Saite zustellen (Wortwitz :-P). Nach längerem Überlegen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mir gerne ein "eigenes Instrument" bauen lassen möchte. Ich habe in letzter Zeit bereits einige gebrauchten Bässe ausprobiert und dabei nie genau den Bass gefunden, der mir hundertprozent zugesagt hat. Da ich finanziell tatsächlich gerade in der Lage bin, einen Neubau zu finanzieren, habe ich beschlossen, mich direkt an einen Bassbauer zu wenden, um ein neues Instrument nach meinen Vorstellungen bauen zu lassen. Finanziell dürfte dies zudem auch etwas auf das gleiche hinaus laufen, wie bei einem vergleichbaren, gebrauchten Instrument (Falls ich mich dabei irre, bitte berichtigt mich).

Der Bass soll ein Instrument rein für das Orchesterspiel werden. Ob er als Soloinstrument brillieren kann, ist für mich zweitrangig, zudem dies bei einem Fünfsaiter doch auch eher schwierig ist. Der Bass sollte möglichst laut und tragfähig sein. Klangliche Vorstellungen lasse sich, meiner Ansicht nach, immer schwer beschreiben, ich mag es bei einem Bass, wenn er tendenziell eher einen dunklen Klang hat.

Nun fängt damit allerdings das Problem, bzw. meine Fragen an:

1. An welchen Bassbauer kann man sich zur Zeit wenden, also wer ist empfehlenswert? Ich weiß, dass diese Einschätzung eine Geschmacksfrage ist, aber mir würde schon eine Aussage "Ich habe ein Instrument aus dieser Werktstatt, es klingt soundso" bereits weiterhelfen. Oder vielleicht ein Vorschlag eines Bauers, den ich bisher noch übersehen habe.

Zur Zeit ziehe ich folgende Bassbauer in Betracht:

- Pöllmann aus Mittenwald:Ich habe zwar noch nie einen Pöllmann in der Hand gehabt, aber der Ruf ist so gut, dass ich diese Bässe nicht außer Betracht lassen möchte. Das ein Bass von Pöllmann preislich weit oben liegt, ist mir bewusst. Hier würde mich interessieren: Stimmt hier die Preis/Leistung, oder zahlt man auch wegen des Names nochmal mehr? Ist es überhaupt möglich, einen Neubau aus diesem Haus im unteren fünfstelligen Bereich zu erwerben?

- Björn Stoll aus Markneukirchen: In meinem aktuellen Orchester spielt eine Bassistin einen recht kleinen Bass von Herrn Stoll, der allerdings trotz der Größe laut ist und sich gut in den Orchesterklang einfügt. Zudem ist Herr Stoll nach meinen bisherigen Recherchen auch etwas günstiger als Pöllmann.

- Andreas Wilfer aus Nauheim: Ich selbst spiele einen Bass von Andreas Wilfer, den ich allerdings über einen französischen Bassbauer erworben habe. Da dieser den Bass zu meiner Zufriedenheit eingerichtet hat und sich bisher nie ein Grund ergeben hat an dem Instrument Änderungen vorzunehmen, war ich leider noch nie selbst in Nauheim. Dennoch wäre er derzeit mein Favorit. Über den preislichen Rahmen eines neuen Instrumentes habe ich leider keine Informationen.

- Horst Grünert aus Penzberg: Von Grünert habe interessanterweise über einen Cellisten erfahren, der ein Cello aus dieser Werkstatt spielt. Seine Kontrabässe kenne ich leider persönlich nicht. Soweit ich es herausfinden konnte, sollen diese INstrumente auch nicht von schlechten Eltern sein.

2. Wie kommt der konkrete Preis des Instrumentes zustande

Ich weiß, diese Frage mag seltsam anmuten. Mir geht es vor allem darum, wie so ein Baufauftrag abläuft. Vereinbare ich mit dem Bassbauer einen preislichen Rahmen anhand dessen und meiner Vorstellungen er den Bass baut? Bestimme ich als durch den vorgegebenen Preisrahmen auch die Qualität des Instrumentes? Oder vereinbart man nur die Materialien und zahlt dann abhängig davon, wie gut der Bass gelingt? Ich kann einen Betrag um die 15.000 € etwa inverstieren.

 

Ich hoffe, ihr könnt mir bei meinen Gedanken weiterhelfen,

 

viele Grüße


Kruft

 

Bassnase Profilseite von Bassnase, 01.08.2017, 17:16:18

Derek High baut auch tolle Bässe:

http://www.high-bass.de/

 

Heibass Profilseite von Heibass, 01.08.2017, 20:00:34

Problem beim Bau: Wenn der Bass nicht klingt wie du möchtest ist das Geld erstmal weg. Neue Instrumente haben einen Wertverlust, gebrauchte praktisch nicht.

Deshalb denke ich hat man das beste Preis/Leistungsverhältnis bei einem gebrauchten oder zumindest schon gebauten Instrument. Zudem noch den Vorteil, dass du weißt wie das Instrument klingt und sich spielen lässt bevor du es kaufst!

Ich würde es so machen: Schau mal bei den einschlägigen Bassgeschäften vorbei, Gawron, World of Basses, die Läden in Berlin (Alain Herard, Motter, Frickbass, unbedingt auch bei Windelband, Bassico hat auch immer einige auf Lager, nicht nur beim Andreas sondern auch beim Franz Wilfer. Vorher immer fragen, was sie an 5-Saitern da haben und was für ein Instrument du suchst.

Da wird sich sicher was finden!

Für 15.000€ bekommt man bei Pöllman keinen 5-Saiter, soviel kann ich schonmal sagen.

Einen typischen dunklen Klang haben meist alte Instrumente, bei neuen ist das oft schwierig (gibt da aber Möglichkeiten).

ChristophKammer Profilseite von ChristophKammer, 01.08.2017, 20:14:58

Ich weiß, diese Frage mag seltsam anmuten. Mir geht es vor allem darum, wie so ein Baufauftrag abläuft. Vereinbare ich mit dem Bassbauer einen preislichen Rahmen anhand dessen und meiner Vorstellungen er den Bass baut? Bestimme ich als durch den vorgegebenen Preisrahmen auch die Qualität des Instrumentes? Oder vereinbart man nur die Materialien und zahlt dann abhängig davon, wie gut der Bass gelingt? Ich kann einen Betrag um die 15.000 € etwa inverstieren.

Hallo, ja, ist etwas seltsam, weil ich sicher bin, dass jeder Geigenbauer für solche Angelegenheiten seine eigenen, speziellen Vorgehensweisen hat. Es gibt keine amtliche Vorgabe für das Bestellen von Kontrabässen. 

Die, die ich kenne, können sehr genau auf den Punkt kalkulieren, was wieviel kosten wird am Ende des Tages. Da kommt niemand mit so einer Nummer wie beim Bau der Elbphilharmonie. Ich würde bei einem solchen Betrag einfach mal rumreisen und die Kandidaten, die in Frage kommen, direkt vor Ort mit deinem Ansinnen konfrontieren. Auf keinen Fall würde ich sagen: bau´ mir mal einen Bass für 15.000. Ich würde immer sagen: so und so soll das Instrument sein, hast du ein ähnliches Exemplar in nächster Zeit anspielbereit hier und was kostet der Spass in welcher Ausführung.

Ganz grob kann man sagen: je schöner geflammt, je feinmaseriger die Decke, desto teurer das Tonholz. Und es muss deshalb nicht besser klingen. An der Stelle lässt sich schnell mal ein Tausender sparen ohne Klangeinbußen. Ornamentik ist ebenfalls sehr aufwändig und teuer, ich brauche das nicht, andere vielleicht doch. Schon wieder ein Tausender mehr oder weniger. Das lässt sich auf sämtliche Details erweitern, da hat man durchaus Wahlmöglichkeiten.

Ich möchte die von dir genannten Geigenbauer nicht kommentieren, weil ich sie nur mehr oder weniger oberflächlich kenne und mit niemandem von denen negative Erfahrungen gemacht habe. Klar ist aber, dass du bei Pöllmann den Namen mitbezahlst. Die scheiden aber ohnehin aus, für 15 Kilo werden sie dir ziemlich sicher keinen 5Ender bauen.

Ich spiele 2 Instrumente von Michael Bornhak  Michael Bornhak und kann ihn uneingeschränkt empfehlen. Aus meiner Sicht sein größter Vorteil: Michael hat vor seiner Ausbildung zum Geigenbauer Kontrabass studiert. Du sprichst dort mit einem Musiker, der sehr schnell und exakt erfasst, wohin du möchtest.

Viel Glück und Erfolg mit deinem Ansinnen! Ich kann nur sagen: auf der Suche nach dem perfekten, guten, alten Bass habe ich die neuen immer links liegen lassen. Das war überflüssig, wobei Lernprozesse streng genommen nie überflüssig sind. Es lebt und spielt sich sehr entspannt mit einem Bass, der so ist, wie man möchte und nicht wie ein rohes Ei behandelt werden muss, weil sich sonst mal wieder ein alter Riss meldet.

Christoph

Uli Profilseite von Uli, 02.08.2017, 12:47:21

Hier im Marktplatz wird doch ein solcher 'Michael Bornhak' 5-saiter Bass zum angedachten Budget angeboten.

rainerda Profilseite von rainerda, 07.08.2017, 21:12:54

Kann Michael Bornhak nur sehr empfehlen. Habe mir einen völlig verbauten alten 4-Saiterkontrabass zu einem fantastischen Violone umbauen lassen. Alles hat perfekt gestimmt, super Instrument, super gute und sehr umfangreiche Restauration und preislich absolut fair! Er hat als so ziemlich einziger mein Instrument, das lange Jahre dahinvegetierte entsprechend eingeschätzt!

Sehr zu empfehlen!

AlexamBass Profilseite von AlexamBass, 02.08.2017, 08:28:03

Guten Morgen,

ich könnte Dir noch folgenden Bassbauer empfehlen, fragen kostet ja nichts...

Frank Dittrich in Lößnitz

Und nein, ich bekomme keine Provision, fühle mich dort gut betreut und beraten.

Dantschge Profilseite von Dantschge, 06.08.2017, 21:45:27

Servus Erwin,

bei Neubauten besteht immer ein gewisses Risiko, ob der Bassbauer richtig gearbeitet hat und der Klang sich mit den Jahren entsprechend Deiner Vorstellung entwickelt (das kann viele Jahre dauern, bis eine gewisse Klangstabilität eingetreten ist) und auch, ob die Konstruktion ansich stabil ist. Ich habe leider schon viele neue Bässe gesehen, bei denen bereits die Decke begonnen hat, einzufallen, was dann später zu einem Totalschaden führt (ich möchte betonen, dass die nicht auf Bässe der von Dir erwähnten Bassbauer zutrifft, da ich diese von eigener Anschauung her nicht kenne).

Wenn das Instrument schon etwas älter ist, ist also der Klang bereits voll entwickelt und die Konstruktion hat bereits zeigen können, ob sie stabil ist. Insofern würde ich einem älteren Instrument (ich spielen Einen alten tschechischen Viersaiter aus dem späten 19. Jh., der laut Deiner Beschreibung ganz Deinen klanglichen Vorstellungen entsprechen dürfte) den Vorzug geben, weil es dann voraussichtlich keine unangenehmen Überraschungen mehr geben wird.

Von einer Betriebweise, die auf Lautstärke getrimmt ist, möchte ich übrigens abraten, da diese meist mit einer hohen mechanischen Belastung der Decke einhergeht, die u.U. sich negativ auf die Lebensdauer des Instruments auswirken könnte. Mein Bassbauer, der leider vergangenes Jahr verstorben ist, hat mir dazu geraten, mein Instrument mit Solosaiten in Orchesterstimmung zu besaiten, um den Druck von der Decke zu nehmen. Damit ist der Bass zwar etwas leiser, als mit dicken Orchestersaiten, aber damit wird der Bass wohl auch das nächste Jahrhundert noch erleben.

Letztendlich spielt der Klang eines einzelnen Tutti-Instrument im Orchester gar keine so große Rolle, da er sich normalerweise dem Gesamtklang des Orchesters unterordnet und darin aufgeht. Für den Musiker ist es ggf. wichtiger, dass der Klang ausreichend prägnant (also obertonreich) ist, damit man sein eigenes Instrument im Orchester noch hört. Insofern ist es evtl. günstiger, wenn auch ein paar Obertöne im Instrumentenklang enthalten sind. Natürlich kann man später noch viel mit der Einrichtung und der Besaitung machen, aber die Grundveranlagung eines Orchesterinstruments sollte eher obertonreich sein. Bei meinem eher dunkel klingenden Instrument ist es bei lauteren Stellen so, dass ich mich selber erst dann raushöre, wenn ich groben Unfug betreibe, und oft auch dann nicht.

Als letzten Rat möchte ich Dir nahelegen, das auserwählte Instrument unbedingt im vorgesehenen klanglichen Kontext auszuprobieren und den neuen Bass vor dem Kauf nach Möglichkeit in Dein Orchester mitzunehmen und dort ausgiebig damit zu spielen. Instrumente, die alleine in einem kleineren Raum gespielt werden, klingen oft in einem größeren Kontext ganz anders wie beabsichtigt. Lass Dir unbedingt auch das neue Instrument von einem guten Kontrabassisten vorspielen und höre es in einem Abstand von min. 5 Metern, da erst in diesem Abstand das Instrument seinen vollen Klang entwickelt. Letztendlich zählt leider nicht, was Du als Bassist selber von Dir beim Spielen hörst, sondern das, was bei Deinem Publikum von Dir ankommt.

Viel Erfolg bei der Suche,

Dantschge

Neuester Beitrag LoneBass Profilseite von LoneBass, 15.08.2017, 18:01:52

Hallo Dantschge, ich stimme mit deinen Erfahrungen zu. Laute Instrumente haben eine meist schwing-fähige (vorrangig dünne) Decke. Hier spielt der Bassbalken eine Rolle - auch hinsichtlich des Klanges: ein herausgestochener Balken in Längsrichtung ist über das gesamte Frequenzband schwingf-ühiger - aber nicht belastbar; ein aufgeleimter Bassbalken (leicht schräg) stabilisiert die Decke. Man kann das System vergleichen mit einem Lautsprecher: ist die Einlegeader gut ausgeprägt, schwingt die ganze Decke;  ist die Decke inPartzellen  (Knotenpunkte) versteift, werden manche Frequenzen herausgehoben oder unter-drückt - die Erfahrung des Bassbauers spielt eine große Rolle. Dass deinem Bass der Deckendruck nach-gelassen wurde ist bautechnisch sinnvoll. Mit Solosaiten hast aber auch mehr Obertöne erhalten; vielleicht können diesbezüglich noch dünnere Saiten aufgezogen werden. Nylonkern-saiten üben noch weniger Druck auf die Decke aus - allerdings ist dies vom Hersteller abhängig. Wichtig ist: Man muss im Orchesterspiel dominant bleiben - jedoch die Selbstkontrolle nicht verlieren. Ein kleiner Bassverstärker zum Selbsthören kann Wunder wirken! Mir ist aufgefallen, dass manche Kontrabassisten ihren Bass mit verkrümten Stachel ausstatten oder zumindest außergewöhnlich halten. Dies soll zum Einen das bessere Spiel begünstigen aber auch den eigenen Bass hörbar machen. - Vielleicht sind Tipps dazu für dich brauchbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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